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MyTaxi rudert zurück: Verspätete Schadensbegrenzung mit 15%-Deckel

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Gestattet uns die Verweildauer am virtuellen Taxistand noch ein wenig zu verlängern, um nach den zwei Berichten der vergangenen 48 Stunden, nun in das dritte Kapitel des immer stärker eskalierenden MyTaxi-Debakels einzutauchen.

So haben sich die in den vergangenen Tagen erstaunlich stillen MyTaxi-Verantwortlichen jetzt zu einer weiteren E-Mail an ihre Fahrer durchgerungen und versuchen mit einen erneuten Dreh an der „Fairmittlungsgebühr“ zumindest das Restvertrauen ihrer Kunden zu retten.

fair

Das zur Stunde verschickte Schreiben geht nur marginal auf die intensive Kritik der vergangenen Tage ein und unterstreicht bereits im ersten Absatz das Offensichtliche: MyTaxi befindet sich im Krisen-Modus.

Doch von vorn

Um euch zu ermöglichen, die Angelegenheit gut informiert zu gewichten, blicken wir sieben Tage zurück und steigen noch mal in Kalenderwoche 2 ein.

Der Zwang zum Preiskampf: In der vorigen Woche informierte MyTaxi seine Fahrer das erste Mal über die bevorstehende Einführung der sogenannten „Fairmittlungsgebühr“. Statt einer pauschalen Abgabe von 79 Cent pro vermitteltem Fahrgast sollen MyTaxi-Fahrer zukünftig einen prozentualen Anteil des Gesamtumsatzes zahlen. Jeder Fahrer, so die Idee der MyTaxi-Verantwortlichen, soll dabei zwischen 3% und 30% pro Tour abgeben. Je höher die eingestellte Abgabe, um so wahrscheinlicher der Eingang von neuen Aufträgen.

Die Branche reagiert daraufhin gereizt. Die „Fairmittlungsgebühr“ wird nicht nur von Taxi-Unternehmen, selbständigen Fahrern und der MyTaxi-Konkurrenz kritisiert, auch erste Kunden melden sich zu Wort: Wenn die Auftragsvergabe zukünftig nicht mehr die Nähe der freien Fahrzeuge zum Kunden, sondern vor allem die „Fairmittlungsgebühr“ berücksichtigt, muss unter Umständen länger gewartet werden.

Ein taktisches Verhältnis zur Transparenz.

Fünf Tage nach der ersten Mail reagiert MyTaxi mit einem offenen Brief an die Fahrer. Das Schreiben will „Missverständnisse […] aus dem Weg räumen„, sorgt mit seiner leicht arroganten Konnotation jedoch für eine Zunahme des negativen Feedbacks. Nach wie vor verzichtet MyTaxi auf die transparente Beschreibung der Auftragsvergabe.

Der offene Brief entschuldigt das neue Konzept nicht, sondern glänzt mit Belehrungen. Vor allem der Absatz „Deshalb ist die neue Gebühr fairer als die 79-Cent-Pauschale“ ist in diesem Zusammenhang lesenswert. Anders als von der Zwischenüberschrift suggeriert, verzichtet das MyTaxi-Team hier auf gute Argumente und lässt sich sogar zu einem Freudschen Vertipper hinreißen:

„Bei niedriger Auftragslage hingegen steigt die Wertigkeit der Tourenvermittlung, wovon dann auch mytaxi profitiert.“

Womit wir auch schon beim Dienstag-Abend und der Schadensbegrenzung mit Hilfe eines 15%-Deckels angelangt wären. So heißt es in dem jetzt ausgegebenen Schreiben:

Lieber Fahrer,
vorige Woche haben wir Ihnen per E-Mail die neue Vermittlungsgebühr vorgestellt. […] Wir haben die Obergrenze für die Gebühr halbiert. Der Schieberegler kann somit nur noch von 3% bis 15% eingestellt werden. […] Mit der neuen Vermittlung ändert sich die Vergabereihenfolge der Anfragen: Zuerst wird, wie gewohnt geschaut, welche Taxis im Umkreis die vom Fahrgast gewünschten Bestelloptionen (z.B. Stammfahrer, 5-Sterne-Taxi, etc.) erfüllen. Danach werden nacheinander alle diese Taxis angefragt – wie bisher auch. Neu ist lediglich, in welcher Reihenfolge die Taxis angefragt werden: Das Taxi, das die folgenden Kriterien am besten erfüllt, erhält die Anfrage zuerst.

  • Nähe zum Kunden
  • Qualität des Taxis und Fahrers (Bewertungen, Abbruchquote, etc.)
  • Höhe der eingestellten Vermittlungsgebühr
  • Außenwerbung

Wie genau MyTaxi die Kriterien der Vergabelogik letztlich gewichtet, bleibt jedoch auch in dem neuen Schreiben unbeantwortet. In der Branche jedenfalls, wird zurückhaltend auf die erneute Umstellung der Fahrer-Richtlinien reagiert:

Immer noch viel zu hoch. 15% vom Umsatz für eine vollautomatische personallose Vermittlung. Wahnsinn! Bei einer 12€ Tour sind das dann immer noch 1,80€. Also doppelt so teuer wie zur Zeit und doppelt so teuer wie eine personalintensive klassische Vermittlungszentrale.

Bleibt abschließend eigentlich nur noch ein Punkt anzumerken: Ohne die E-Mail-Weiterleitungen der betroffenen Fahrer wäre der Zwang zur Fahrten-Auktion wohl erst mit deutlicher Verspätung beim iPhone-nutzenden, Taxi-bestellenden MyTaxi-Kunden angekommen.

Während wir immer pünktlich mit neuen Pressemitteilungen versorgt wurden, die leicht bekleidete Mädchen und kostenlose Wäsche-Aktionen ins Rampenlicht rückten, scheint das MyTaxi-Medien-Team die Informationen zur neuen „Fairmittlungsgebühr“ anders zu gewichten – vielleicht hat man uns auch einfach nur vergessen, wer weiß…

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14. Jan 2014 um 19:00 Uhr von Nicolas Fehler gefunden?


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