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Parallelen zur App-Store-Kritik

EU-Kommission: Amazon hat Marktplatz-Daten ausgenutzt

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Margrethe Vestager, Europäische Kommissarin für Wettbewerb und Digitales, hat auf dem Kurznachrichten-Portal Twitter in zwei Sätzen verschriftlicht, was die EU-Kommission selbst auf drei PDF-Seiten zu Papier gebracht hat. Nach dem Ende der vorläufigen Untersuchungen ist man der Auffassung, dass Amazon seine marktbeherrschende Position zum Nachteil von Kunden und Mitbewerbern ausgenutzt hat.

Die Kommission ist sich sicher: Amazon verstößt mit der Auswertung von Handelsdaten gegen EU-Kartellvorschriften. So soll der Online-Händler die nichtöffentliche Geschäftsdaten all jener Händler auswerten, die ihre Produkte über den Amazon-Marktplatz bzw. über die Amazon-App verkaufen. Die hier gewonnenen Erkenntnisse soll Amazon dann systematisch dafür nutzen, mit eben jenen Händlern zu konkurrieren.

Ein stark vereinfachtes Beispiel: Legen die Marktplatzdaten nahe, dass Toaster mit blauen LEDs vom Hersteller XYZ über die Amazon-App stark nachgefragt werden, bietet der Internet-Gigant ebenfalls Toaster mit blauen LEDs von einer Eigenmarke an und platziert diese möglicherweise auch besser in den Suchergebnissen.

Parallelen zur App-Store-Kritik

Die EU-Kommission kreidet Amazon damit ein Vergehen an, das auch im Fall von Apple und dem App Store auf dem Prüfstand der Wettbewerbshüter steht.

Amazon Design App

Dürfen Unternehmen, die einen Online-Marktplatz zur Verfügung stellen, auf diesem selbst als konkurrierender Einzelhändler auftreten und ihre Produkte, mit dem Wissen über Nachfrage und Absatzzahlen der direkten Konkurrenten, ebenfalls direkt anbieten?

Amazon und Apple wissen hier über die Zahl der bestellten und ausgelieferten Produkte beziehungsweise der geladenen Apps und abgeschlossenen Abos bescheid, kennen erzielte Einnahmen, Aufrufe der Angebote und die Aktivität der Kunden.

Kartellrechtliche Untersuchung erweitert

Zudem hat die Kommission eine weitere kartellrechtliche Untersuchung gegen Amazon eingeleitet. Hier soll nun zusätzlich geklärt werden ob Amazon die Angebote von Verkäufern, die „Versand-durch-Amazon“ anbieten, bevorzugt behandelt werden.

Dienstag, 10. Nov 2020, 13:53 Uhr — Nicolas
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  • Nein?! Ich bin schockiert oO! Wer hätte denn damit gerechnet?! :D

    • Klar. Dennoch ist es gut und wichtig, das Ganze auch mit Beweisen zu untermauern. Und das ist jetzt passiert.

      Und dennoch finde ich es gut, wenn bestimmte Artikel für mich als Nutzer prominenter platziert sind. Zb hab ich lieber Artikel, die direkt von Ama versendet werden.

      Auch hab ich es als sehr hilfreich empfunden, dass Apple mir die ihre Essentials beim ersten einrichten angeboten hat.

      Das ist für mich aber was anderes, als Toaster selbst zu verkaufen, weil sie gerade boomen

  • So was wollte ich auch grade schreiben :-)

  • Ach mein, dein,…. das sind doch bürgerliche Kategorien!

  • Was soll das, das ist doch doch kein Nachteil für den Kunden, im Gegenteil, das ist Marktwirtschaft! Außerdem, Konkurrenz belebt das Geschäft und drückt die Preise! In der EU ist ja kein Händler solch ein Online-Geschäft aufzubauen.

    • Machst du Witze? Gerade dieses Geschäftsmodell vernichtet die kleineren Händler, und belebt keineswegs das Geschäft. Kurzfristig zum Vorteil der Kunden, aber langfristig bleiben nur die großen übrig und können die Preise bestimmen.

      • @plejaden Dem kann man nur zustimmen. Angenommen ich entwickle nun ein tolles Produkt, bin aber auf den Marktplatz von Amazon angewiesen*. Das Produkt verkauft sich verhältnismäßig sehr gut für die Kategorie und Amazon kann sich nun an den Daten orientieren und das Produkt mit deutlich weniger Aufwand kopieren. Zum einen fällt nun ein Teil der Entwicklungs- und ggf. Marktforschungskosten weg, zum anderen kann Amazon zu ganz anderen Konditionen einkaufen. Der Kostenvorteil landet aber sicherlich nicht 1:1 beim Kunden, sondern Amazon hat ggf. eine bessere Gewinnspanne. Ich lande nun im Ranking ein paar Plätze tiefer, möchte ggf. noch selbst versenden; u.a. um die entsprechenden Kosten bei Amazon zu umgehen; und verkaufe deutlich wenige. Am Ende reicht es vielleicht nichtmals mehr für den weiterbetrieb aus. Ähnlich sehe ich es bei sehr guten, zukünftig möglich konkurierenden Start-Ups, welche dann aber oft frühzeitig von den großen Firmen aufgekauft werden. Das ganze führt zudem, was wir aktuell in der Welt sehen: Die Reichen werden noch reicher und die Mittelschicht bricht weg.

        *Anmerkungen:
        1) Wie der Kommentar von @MichaelGSP zum ersten Kommentar zeigt, vertrauen viele auf den Namen Amazon.
        2) Marketplace Händler bekommen nichts geschenkt, sprich du bezahlst dafür, dass man dir ggf. deine Idee klaut (*hust* Produktionsverlagerung nach China inkl. „Kooperation“ mit chinesischer Firma *hust*)
        3) Ich arbeite in einer weltweit bekannten Firma, dessen Produkte für viele Menschen interessant sein können, die sehr viele Vertriebspartner und Wege hat. Die Kunden verlangen aber qauasi die Präsenz auf Amazon, u.a. weil es nun der Händler des Vertrauen ist und man nicht noch ein Kundenkonto anlegen, oder die Kreditkarte bei einem eher unbekannten Händler angeben möchte.

    • Der Nachteil für den Kunden entsteht wenn er z.B. ein LAN Kabel sucht und auf der ersten Suchseite die Eigenmarke ganz oben steht und der Artikel eines anderen Herstellers zum vergleichen wegen Preis, Qualität etc. erst auf der vierten Seite gezeigt wird. Wahrscheinlich werden dazwischen ganz andere Artikel gezeigt, die mit einem LAN Kabel nichts zu tun haben und erwecken den Eindruck das es kein weiteres gibt oder schlecht ist oder oder oder.
      Nur ein Beispiel zum Nachteil des Kunden, zwar ein wenig übertrieben, aber es gibt nicht umsonst Gewisse Kommissionen die das untersuchen mit mehr Hintergrundwissen und Informationen als du mit deiner aussagekräftigen Meinung im Namen der Menschheit!

    • Falsch das ist keine Marktwirtschaft sondern wohl eher Kapitalismus.

  • Das ganze Ranking und die Produktbewertung stinken schon seit Jahren – es wird immer schlimmer. Wenn du nicht genau einen bestimmten Artikel nach Namen suchst, wird dir mit Sicherheit Quark angeboten. Aktuelles Beispiel ist die Suche nach zertifizierten FFP2 Masken … Egal was man da rausfiltert, es ist alles nichts Sicheres – aber teuer auf jeden Fall. Teilweise stimmen die Produktfotos nicht mehr mit den gelieferten Produkten (siehe Bewertungen) , alles nur noch Katastrophe.

    • Willkommen im Internet, dachte ich mir bei der Schlagzeile.
      Da das Internet von der Politik seinerzeit als „Neuland“ bezeichnet wurde, so wird das jetzt langsam reguliert. War nur eine Frage der Zeit. Im Falle Amazon wahrscheinlich sinnvoll, doch einiges geht zu weit (z.B. Vorratsdatenspeicherung) und anderes ist wieder mal nicht genügend reguliert – wie man am oben genannten Beispiel mal wieder sieht. Ich persönlich bin gespannt, wie es hier weitergeht – und ob die Lobbys gewinnen, oder am ende endlich mal der Verbraucher bzw. Bürger selbst.

  • Ist nur im Großen Stile was Real, Kaufland etc. doch genauso mit Ihren Eigenmarken machen?

  • Ich frage mich, wie niedrig muss der IQ sein, um mindestens 15% gegenüber einem Onlineshop mehr zu bezahlen?

    • Amazon ist nicht immer teurer, bei vielen Produkten ziehen die mit, sobald es anderswo günstiger ist.
      Das Problem ist eher, dass man bei vielen Produkten von Amazon kostenlos zurücksenden kann, während das bei kleinen Händlern nicht der Fall ist.

      Ich habe neue BT-Kopfhörer gebraucht.
      Im Laden kannst du In-Ears nicht ausprobieren, Hygiene usw.
      Online geht das. Wenn ich nun 4-5 zum Vergleichen bei verschiedenen Händlern zum jeweils günstigsten Preis bestelle und die nicht genommenen zurückschicke, kosten mich meine doppelt so viel, wegen der Rücksendekosten.
      Außerdem kommen bei vielen Händlern Versandkosten dazu, die ich mit Prime nicht habe.
      Bestelle ich sie bei Amazon, habe ich keine Probleme und kann sie im aktuellen Fall sogar bis Januar zurückschicken und zwar kostenlos.

  • Ich finde es ausgesprochen gut, dass ihr an dieser Stelle über das Thema durchaus kritisch und differenziert berichtet.

    Zur Wahrheit gehört auch, dass euer Portal, wie viele andere, Teil der Affiliate-Marketing-Maschine von Amazon ist, denn ihr postet ja nicht aus reiner Menschenliebe die zahlreichen tollen Angebote, Aktionen und Sonderlocken dieses Anbieters hier. Sondern weil ihr darüber sicherlich gut und solide euren Betrieb finanziert.

    Das ist ja ein großer Teil der Amazon-Verkaufspolitik: Mach die Blogs und Infoseiten zu Deinen Freunden, lass sie am Erfolg teilhaben und verbreitere immens Deine Geschäftsbasis.

    Auch dieses Geschäftsgebaren sollte man kritisch betrachten, denn es trägt zum Druck auf kleinere Onlinehändler und Plattformen ebenso bei wie die oben beanstandete Auswertung der Marketplace-Daten. Es ist und bleibt aber eine breite Grauzone zwischen Werbung, PR und unabhängiger Berichterstattung.

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