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Spieler subventionieren Gratis-Apps

Tim Cook vor Gericht: Der Apple-Chef in Erklärungsnot

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Im Rahmen des seit Anfang des Monats laufenden App-Store-Verfahrens zwischen Apple und dem Spiele-Publisher Epic wurde am Freitag auch der Apple-Chef Tim Cook in den Zeugenstand geladen. Die Befragung des 60-jährigen offenbarte vor allem eines: Die die Verhandlung leitende Bezirksrichterin Yvonne Gonzalez Rogers schien sich außerordentlich gut auf die Fragestunde vorbereitet zu haben.

Epic In App Kauf

Epic wollte eigenes Bezahlsystem anbieten

Lasst euch noch mal kurz abholen: Epic hatte Klage gegen Apple eingereicht, um den Konzern dazu zu zwingen, App-Anbietern die Nutzung eigener Bezahlsysteme zu ermöglichen und so einen Bogen um Apples verpflichtende Umsatzbeteiligung in Höhe von 30 Prozent zu schlagen. Um zu beweisen, dass dies grundsätzlich möglich wäre, hatte Epic im vergangenen August über Nacht ein eigenes Bezahlsystem in der Fortnite-App eingeführt. Das Spiel war von Apple daraufhin aus dem App Store entfernt worden.

Im laufenden Verfahren hatten die Apple-Manager bislang vor allem auf die hauseigenen App-Store-Richtlinien verwiesen und argumentiert, dass das Regelwerk für alle App-Anbieter gleichermaßen gelten würde. App-Anbieter die ihre Anwendungen in dem vertrauensvollen Umfeld des App Stores verkaufen wollen würden, müssten sich an diese halten und entsprechend fast ein Drittel der erzielten Umsätze an Apple abführen.

10 Minuten auf dem Zeugenstand

Mit dem Apple-Chef auf der Zeugenbank bohrte die vorsitzende Richterin Yvonne Gonzalez Rogers am Freitag genau hier noch mal genauer nach. Nominell würden im App Store zwar die selben Maßstäbe für alle aktiven Entwickler gelten, effektiv würden jedoch nur eine Handvoll Anwendungen für die Löwenumsätze des Software-Kaufhauses sorgen. Allen voran die Spiele-Kategorie in der auch Epic mit seinem Fortnite-Titel aktiv war.

Zur Erinnerung: Während Liefer- und Car-Sharing-Dienste sowie die umsatzstarken Streaming-Dienste wie Spotify oder Netflix entweder ohnehin keine Umsatzbeteiligung an Apple entrichten müssen oder die Möglichkeit Streaming-Abonnements per In-App-Kauf abzuschließen schon vor langer Zeit aus dem App Store entfernt haben (um potenzielle Kunden zum Kauf über die eigenen Webseiten zu drängen) stehen den meisten Spiele-Anbietern diese Alternativen erst gar nicht zur Verfügung.

Entsprechend spezifisch wurde die Richterin in der zehnminütigen Befragung des Apple Chefs dann auch. Zum einen wollte Gonzalez Rogers wissen, warum Apple nicht nur den Kauf über alternative Bezahlsysteme verhindern, sondern App-Anbietern wie Epic auch untersagen würde über das Vorhandensein alternativer Bezahlmethoden direkt in den eigenen Apps zu informieren. Eine berechtigte Frage, die auf die sogenannte Anti-Steering-Regelung abzielte, mit der Apple den im App Store aktiven Entwicklern verbietet auf alternative Kauf-Möglichkeiten hinzuweisen.

Spieler subventionieren Gratis-Apps

Auf Cooks ausweichende Antwort, der Konzern müsse selbstverständlich auch eine Vergütung für das eigene Investment und das geistige Eigentum erzielen, das mit dem Aufbau und der Pflege des App Stores verbunden sei, hakte Gonzalez Rogers noch einmal nach:

„Die Spieleindustrie scheint eine unverhältnismäßig große Menge an Geld im Verhältnis zu dem geistigen Eigentum zu generieren, das [Apple] dieser und allen anderen zur Verfügung gestellt hat. In gewisser Weise ist es fast so, als würde diese alle anderen Teilnehmer subventionieren“, so die Richterin wörtlich.

Apple würde die Spieler effektiv dafür zahlen lassen, dass Großkonzerne wie etwa das Finanzhaus Wells Fargo ihre Banking-Applikationen zum kostenlosen Download anbieten könnten. Spieler würden den App Store zu großen Teilen subventionieren, so die Kernbotschaft der Bezirksrichterin.

Zudem schien die Richterin Unverständnis dafür zu äußern, dass Apple nicht nur beim ersten Kontakt zwischen App-Anbietern und App Store-Besuchern mitverdient, sich also das Zusammenbringen der beiden Parteien vergüten lässt, sonder auch bei allen darauffolgenden Transaktionen die Hand aufhält.

Small Business Programm als Nebelkerze

Das von Apple im November 2020 eingeführte Small Business Programm, dass die Umsatzbeteiligung kleinerer App-Anbieter auf Nachfrage von 30 auf 15 Prozent reduzieren kann, bewertete Gonzalez Rogers dabei ähnlich wie wir.

Die Richterin schien Apple nicht abzukaufen die Änderungen aus eigenen Stücken implementiert zu haben, sondern geht davon aus, dass Apple mit dieser auf den steigenden Druck reagierte, der durch Wettbewerbsbeschwerden, Gerichtsverfahren und laufende Untersuchungen verursacht wurde.

Der Dialog zwischen Cook und der Richterin lässt erstmals Tendenzen erkennen, wie die bevorstehende Entscheidung im Verfahren ausfallen könnte. Zumindest scheint Gonzalez Rogers an der Inszenierung des App Stores, den Apple als sicheren Software-Marktplatz präsentiert, der allen App-Anbietern die selben Regeln auferlegt, zu zweifeln.

Anfang der kommenden Woche dürfte es also spannend werden.

23. Mai 2021 um 15:01 Uhr von Nicolas Fehler gefunden?


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