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WunderCar fährt gegen die Wand

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Nun ist es also gekommen, wie es kommen musste: Nach dem trotzigen Versuch die Vorgaben der Verkehrsgewerbeaufsicht zu ignorieren ist die WunderCar Mobility Solutions GmbH jetzt eingeknickt und wird ihr Geschäftsmodell umstellen.

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Zukünftig wird die gewinnorientierte Mitfahrzentrale nicht mehr auf das bislang genutzte Trinkgeld-Schlupfloch setzen und reagiert damit, leicht verzögert, auf die Kritik der Stadt Hamburg, die Wundercar eine Missachtung des Personenbeförderungsgesetz vorgeworfen hatte.

Vielleicht sollten wir noch mal ganz vorne einsteigen. Wenn ihr über fünf Minuten Freizeit verfügen könnt, dann klickt euch noch mal durch zu unserer Wundercar-Begleitung aus dem ersten und dem zweiten Quartal des laufenden Jahres:

Abkehr vom disruptiven Geschäfts-Modell

Bislang setzte Wundercar auf sogenannte «Trinkgelder», von denen das Unternehmen einen Prozentsatz einbehielt. Ordentliche Summen, die abhängig von der Fahrdauer in der Wundercar-App angezeigt wurden und sowohl den mitfahrenden Nutzern des Taxi-Konkurrenten als auch den fahrenden Chauffeuren als Richtschnur für das Beförderungs-Entgelt dienten.

Zukünftig soll sich hier einiges ändern. So verspricht das Wundercar-Team in einer jetzt ausgegebenen Pressemitteilung den in der App vorgeschlagenen Betrag nur noch an der Höhe der Betriebskosten orientieren zu wollen.

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Zudem werden die Nutzer des Angebotes ihr Fahrtziel zukünftig bereits vor dem Fahrantritt angeben müssen um Fahrern die Möglichkeit zu geben sich auch gegen eine Fahrt entscheiden zu können. Wundercar wandelt sich damit vom «grauen Taxi» hin zum Flinc-Konkurrenten. Eine Umstellung, die im offiziellen Schreiben der Wundercar-Macher so holperig formuliert ist, dass wir euch das zweifache Lesen des folgenden Absatzes nicht verübeln:

Der entscheidende Punkt ist, dass unsere App nun nur noch einen Betrag in Höhe der Betriebskosten vorschlägt. Damit ist sichergestellt, dass WunderCar-Fahrten, soweit sie trotz der völligen Freiwilligkeit des Trinkgeldes als “entgeltlich” im Sinne des Personenbeförderungsgesetzes gelten sollten, dennoch über die oben genannte Ausnahme für Fahrten, bei denen das Gesamtentgelt die Betriebskosten der Fahrt nicht übersteigt, aus dem Anwendungsbereich des Personenbeförderungsgesetzes herausgehalten werden.

Die jetzt veröffentlicht Stellungnahme der Wundercar-Macher ist grundsätzlich lesenswert. Auf zwei Din-A4-Seiten scheint es dem Team hauptsächlich um die Relativierung der gewinnorientierten Ausrichtung des Unternehmens zu gehen. Das PDF klingt nicht nach jungen Gründern die mit ihrer (kopierten?) Geschäfts-Idee ehrliches Geld verdienen möchten, sondern nach einer gemeinnützigen Organisation, die sich plötzlich und unverschuldet mit einer rechtlich verfahrenen Situation konfrontiert sieht. Wir zitieren auszugsweise. Haltet euch fest:

[…] WunderCar fahren ist nicht illegal. […] haben wir die Frage des „Ob“ und des „Wieviel“ einer Geldzahlung zwischen Fahrer und Mitfahrer immer gänzlich den Nutzern überlassen […] noch nicht einmal vereinbart, ob und wie viel Geld ein Fahrer erhält […] Unsere Nutzungsbedingungen verbieten es vielmehr ausdrücklich, von den Mitfahrern Geld zu verlangen […] WunderCar Trinkgeld ist eben nicht Entgelt für eine Beförderungsleistung, sondern eine vollkommen freiwillige Erkenntlichkeit […] spielt Geld bei WunderCar noch weniger eine Rolle als bei klassischen Mitfahrgelegenheiten […] Das komplett freiwillige, durch den Fahrer nicht zu beeinflussende Trinkgeld, welches der Mitfahrer geben kann, aber eben nicht geben muss, ist schon kein “Entgelt”.[…] WunderCar Fahrer verlangen nichts, sie dürfen es nach den Regeln unserer Community auch nicht.

Der Stadt Hamburg scheint die späte Umstellung der WunderCar-Strategie jedoch nicht auszureichen. Gegenüber den Branchenbeobachtern des Gründerszene-Blogs betont eine Sprecherin der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: „Das Verbot ist nicht aufgehoben. Wundercar betreibt gewerbliche Personenbeförderung ohne Genehmigung und konnte uns bisher auch nicht vom Gegenteil überzeugen

Dienstag, 24. Jun 2014, 12:55 Uhr — Nicolas
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Rede mit!
  • Allein schon die Tatsache, dass Wundercar einen Anteil am Trinkgeld bekommt deutet doch schon auf gewerblichkeit hin

    • Das dachte ich mir auch, sie sprechen nur von den Fahrern, über den Anteil der einbehalten wird, sprechen sie nicht.

    • Blödsinn was ist mit den Mitfahrzentralen? Ist doch das gleiche. Es liegt am Fahrer wie viel und ob er Geld haben will. Und die Mitfahrzentrale kassieren nix oder manchmal einen Teil. Hamburg macht sinnlos stress, den gehts doch nur darum das sie abzocken könn und Angst haben das die Leute nicht mehr in die überteuerten Taxis steigen wo die Stadt mitverdient. Es ist ne Community, und wen ich mitnehme ist meine Sache. Der Staat soll sich nicht überall einmischen, soll sich lieber mal um Steuerverschwendung und Koription kümmern!

  • Was stört euch an den Aussagen?
    Sind normale Sätze, welche eben nicht nach drei Wörtern enden.

    • Fühlen sich beim Lesen aber sehr nach einem angestrengten drehen an eigentlich ziemlich klaren Vorgaben an. Natürlich „muß“ kein Geld die Hände wechseln – aber war dies nicht genau der Anreiz, mit dem man eine Community aufbauen wollte?

      Wer fährt wildfremde Personen im eigenen Auto für lau durch die Stadt?

      Wir hätten uns hier einfach einen ehrlicheren Auftritt gewünscht.

      • „Wer fährt wildfremde Personen im eigenen Auto für lau durch die Stadt?“

        Wer programmiert Software „für lau“?
        Wer schreibt & korrigiert Wikipedia-Artikel „für lau“?
        Welches Restaurant gibt „für lau“ Essen aus?
        Wer arbeitet in der Jugendbetreuung oder Altenpflege „für lau“?
        Wer schreibt und spielt Musik „für lau“?

        Das gibts alles und es wäre schlimm wenn dem nicht so wäre.

        Das Problem ist, dass das System „freiwilliger Geldzahlungen“ (ob man es Spenden, Trinkgeld oder wie auch immer bezeichnet ist doch egal) behandelt wird als würde man um Brotkrumen betteln.

        Ich habe weder positive noch negative Ansichten zu dem Unternehmen hier, aber den Gedanken anderen Leuten „für Lau“ zu helfen zu boykottieren um damit ein StartUp (verdient oder nicht verdient) zu verurteilen finde ich sehr unfein!
        Wenn schon darüber geschrieben wird was die alles falsch machen, dann sollte man wenigsten erwähnen, das allein die Idee die -richtige- ist und jeder der das mitmacht seinen Mitmenschen was Gutes tut.

      • Nuja, per Anhalter ist freiwillig, hier isses per App institutionalisiert. Viele Menschen machen Dinge freiwillig. Dass die Entwickler Geld verdienen wollen, finde ich nicht prinzipiell verwerflich, auch nicht, dass es verschiedene Anbieter gibt (in Hamburg zumindest waren sie die ersten, Über gibt’s da immer noch nicht), das hält die Preise niedrig. Auch myTaxi hat seine Nachahmer (nämlich die traditionellen Kartelle), dennoch benutzen die Leute myTaxi. ;) Und während Flinc auf Fahrgemeinschaften setzt, ist WunderCar an spontanen Fahrten orientiert.

        Hamburg will das Taxi-Kartell schützen, trotz hoher Fahrpreise und niedriger Stundenlöhne für die Fahrer. Ich denke, dass da noch Platz ist für ein flexibles System zwischen Bus, Bahn und Taxen, das wird schon. Vorausgesetzt, man findet auch mal Fahrer, an denen scheint es nämlich, gemessen an meinen zwei, drei Versuchen, zu mangeln. Da nützt auch der schöne Gutschein nix. ;)

  • Ich finde das Gebaren von WunderCar auch eher zwielichtig und die Ausflüchte zum „Trinkgeld“ ziemlich dünn. Sympathisch ist mir der Laden also nicht. Dennoch finde ich eure Artikel zu dem Thema immer etwas sehr kritisch. Man bekommt fast den Eindruck als wäre das für euch etwas persönliches. „WunderCar fährt gegen die Wand“ klingt sehr reißerisch und hört sich so an, als stünde das Unternehmen vor dem Aus. „WunderCar lenkt ein“ wäre deutlich neutraler und würde dennoch zum Thema Auto passen.

  • Mir kommt es auch so vor, als ob ihr ein persönliches Problem mit den Wundercar machen machen hättet.
    Eure Berichterstattung hierzuist immer sehr negativ, obwohl Subjektivität euer gutes Recht ist, finde ich es teilweise doch auffällig. Dann berichtet doch einfach gar nicht über die App. so wie ihr auch gar nicht über die meisten Konkurrenten berichtet.

    • Wundert mich auch. Passt irgendwie gar nicht zu ifun…

    • Nur bei den Konkurrenten sind bis jetzt noch keine rechtliche Mittel bzw. Entscheidungen durch Rechtsorgane, und sei es nur die Verkehrsgewerbeaufsicht getroffen worden. Somit kann ruhig erneut mit einem Update darüber berichten, zumal das einzige Produkt/Geschäftsmodell hier komplett in Frage gestellt wurde. Und m.M.n damit kann man schon sagen „WunderCar fährt gegen die Wand“ und finde es schon echt passend.

  • Wie auffällig negativ eure Berichterstattung dazu immer ist.. Habt ihr ein Problem mit den Jungs?

    • Und wenn schon… es ist deren Blog und sie können schreiben, was sie wollen. Wenn es dir nicht passt, musst du die Beiträge ja nicht lesen!

      • Sorry, dummer Fehler… Da dachten ich (und einige Andere scheinbar auch) die Kommentar sei dafür dar Kommentar mit seiner Meinung, Anregungen und Kritik zu hinterlassen. Gut, dass es noch hilfsbereite Leute wie dich gibt, die gut aufpassen und einem notfalls den rechten Weg erklären.

        Mal im Ernst: Ich kenne die Jungs vom Team nicht persönlich, aber ich denke sie sind die Letzten die was gegen konstruktive Kritik haben….

      • Grundsätzlich hast du Recht: Es ist ihr Blog und wem das nicht passt, der muss es nicht lesen. Dennoch schreibt „nicolas“ folgendes: „Wir hätten uns hier einfach einen ehrlicheren Auftritt gewünscht.“ Mit diesem Satz darf man auch von diesem Blog hier erwarten, dass man einen ehrlicheren Auftritt an den Tag legt. Die negative Berichterstattung ist an einigen Stellen bereits aufgefallen wie bspw. yelp vs. foursquare und eben auch hier.

        Ich finde das mittlerweile äußerst schade…

  • Also kann man sich jetzt immer noch am Ende der Fahrt frei entscheiden was man bezahlt? Das ist selbst für eine Mitfahrzentrale nicht ok, geschweige denn für ein Taxi Ungernehmen/Vermittlung.

  • Ich finde den Artikel passend geschrieben.

  • TOP ARTIKEL! Das ist auch mein Empfinden dieses undurchsichtigen Geschäftsmodels.
    Danke für den Bericht! Da braucht man nichts ‚gegen die Jungs von Wundercar haben‘, da reicht ein wenig gesunder Menschenverstand!!!

  • Finde die kritische Haltung durchaus berechtigt und richtig! Wer sich so penetrant über Gerichtsentscheidungen hinweg setzt, hat nichts anderes verdient.

  • Ein sehr guter Artikel und endlich mal jemand der schreibt wie es tatsächlich aussieht. Wundercar hat darauf gehofft dass man auf der Uber Welle mitreiten kann und natürlich gewusst das Personenbeförderungsgesetz ignoriert. Das man jetzt zurückrudert wundert mich nicht, schliesslich sitzt Wundercar nicht irgendwo auf den Caymans sondern in Hamburg und da gelten nun mal unsere deutschen Gesetze die nicht immer alle nur dumm sind.

    Interessant ist ja vor allem auch dass in die Wundercar Idee auch nicht gerade wenig Venture Capital geflossen ist, u.a. von Earlybird. Da muss man sich schon sehr wundern wie man mit wilden Versprechungen Finanzierungen im sechsstelligen Bereich locker machen kann.

    Was bei der Diskussion zudem noch gerne vergessen wird: Wundercar hat keine Reichweite und auch keine regelmäßigen Nutzer. Von daher wird auch die Idee der City Mitfahrzentrale kolossal floppen.

  • Wir sind am Wochenende von Ohlsdorf zur Reeperbahn gefahren . Als Trinkgeld haben wir den Fahrer fünf Euro gegeben. Doch er war sichtlich genervt und meinte es sei zu wenig ermattet 20 € sein angebracht. Wir Waren sehr verwundert weil ja ein Taxi ja auch soviel kostet. Ich finde den Dienst perfekt. Man kann für ein zwei Euro billiger für Stadt fahren und andere Leute bekommen eine Finanzspritze . Ne super Idee solange das nur ein zwei Euro kostet und ich sowie ein Taxi

  • Redet mit. Seid nett zueinander!

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