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WunderCar enttäuscht: Eine Mitfahrzentrale für Hipster

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Alle wollen die „urbane Mobilität“ revolutionieren. Autos teilen, Bahnfahrten attraktiver machen, Mietwagen-Einnahmen ankurbeln. Und: Social soll es sein.

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Bevor wir zu WunderCar kommen – setzt euch am besten hin – nehmen wir uns erst mal die Zeit für eine kurze Bestandsaufnahme.

Welche iPhone-Applikationen haben den gedankenverlorenen Griff zum eigenen Autoschlüssel in der Vergangenheit am nachhaltigsten beeinflusst?

  • DriveNow: Einer der größten Car-Sharing-Anbieter in Deutschland. DriveNow-Nutzer können BMWs und Minis in ihrer Stadt über die iPhone-App des Dienstes lokalisieren und buchen. Abgerechnet wird nach gefahrenen Minuten. Getestet haben wir den zuletzt in Hamburg an den Start gegangenen Dienst hier.
  • Car2Go: Die direkte DriveNow-Konkurrenz. Die angebotenen Autos sind etwas kleiner und nicht ganz so schick, die Parkplatz-Situation dafür aber wesentlich besser, das Geschäftsgebiet stellenweise großzügiger als bei DriveNow.
  • Flinc: Die Mitfahrzentrale für kurze Stadt-Fahrten kooperiert inzwischen sowohl mit DriveNow als auch mit Garmin. Wir kennen jedoch noch keine regelmäßigen Nutzer des „Kannst du mich für 5€ zum Bahnhof mitnehmen“-Dienstes.
  • MyTaxi: Die App zur Taxi-Bestellung stand zum Jahresanfang ordentlich in der Kritik. MyTaxi darf jedoch zu Gute gehalten werden, dass die App die Taxi-Bestellung wieder populärer hat werden lassen.
  • Mitfahrgelegenheit: Als Webseite gestartet, bietet die Mitfahrgelegenheit inzwischen eine eigene App an. Die Mitfahrgelegenheit ist inzwischen auch nicht mehr hundertprozentig kostenlos – nach wie vor bietet die Community aber bessere Ergebnisse als die Mitfahrzentralen.
  • Uber: Der „Ich bestelle mit eine Limo, die mich durch die Stadt fährt“-Dienst hat sich vor allem in den USA als populäre Taxi-Alternative etabliert. Zwar sind die Uber-Macher inzwischen auch nach Europa expandiert, hierzulande kennt und nutzt den Fahrer-auf-Zuruf-Dienst jedoch so gut wie niemand.
  • Carzapp: Die private Carsharing-Community – unsere Vorstellung zur IFA könnt ihr hier nachlesen – will ein DriveNow-Netzwerk mit Privat-Fahrzeugen aufbauen. Interessierte Nutzer lassen sich eine schwarze Box in das eigene Fahrzeug installieren und können den privaten Volvo so zum Carsharing-Auto für jedermann machen. Ob sich Carzapp langfristig durchsetzen wird, hängt zum großen Teil davon ab, ob auch Firmen-Flotten wie etwas die Mitarbeiter-Autos der DB-Belegschaft angeboten werden.

Wo sortiert sich WunderCar ein?

Ein kurzer Blick auf den Pressetext, lässt uns Böses ahnen. Auf unserem internen Radar sortieren wir die Selbstbeschreibung der WunderCar-Macher (für einen App Store Debütanten bereits jetzt erstaunlich gut und merkwürdig oft bewertet) in die Kategorie „US-Nachbau“ ein. Junge Gründer schnappen sich eine hippe Idee aus Übersee, sammeln Risiko-Kapital ein und versuchen – oft ohne mit viel Herz bei der Sache zu sein – ein bewährtes Konzept an einem neuen Standort umzusetzen.

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Die Webseite spricht ausschließlich von „Trinkgeld“.

Um das Kind beim Namen zu nennen. WunderCar erinnert uns stark an Uber Lyft. Zum einen setzt der Dienst auf vorab registrierte Fahrer, die sich nach einem kurzen Aufnahme-Check als Chauffeure-auf-Zuruf in der WunderCar-App anbieten. Zum anderen auf willige Passagiere, die sich ein Auto per App bestellen und anschließend von A nach B kutschieren lassen möchten.

Ein Unterschied fällt jedoch gleich nach dem Blick ins Kleingedruckte auf. Während die US-Konkurrenz auf feste Kostenstrukturen setzt, will WunderCar Begriffe wie Beförderungsentgeld, Fahrtkosten oder Tarif erst gar nicht in den Mund nehmen. Die Webseite spricht ausschließlich von „Trinkgeld“.

Beispiele gefällig?

  • „Bekomme großzügige Trinkgelder von deinen Mitfahrern“
  • „Wenn Du zufrieden warst, freut sich dein Fahrer über ein Trinkgeld.“
  • „Aussteigen, Trinkgeld über die App geben, Fahrt bewerten, winken.“
  • „Die App unterbreitet dem Mitfahrer dafür einen Trinkgeld-Vorschlag […]“

Ob sich die WunderCar-Macher, die über Venture Capital von 10 Business Angels und drei institutionellen Investoren verfügen, hier einfach alle Türen für eine spätere Monetarisierung offen halten oder nur nicht Gefahr laufen wollen, mit den Taxi-Verbänden und den regulierenden Behörden aneinander zu rasseln, können wir nur schwer abschätzen.

Fest steht: WunderCar wirkt aktuell nicht nur ausgesprochen unverbindlich – dass auf der offiziellen Webseite gewählte Wording, verlangt dem spontanen Besucher auch einiges an Willenskraft ab, um das Browser-Fenster nicht umgehend wieder zu schließen.

Die Möchtegern-Taxi-Konkurrenten beschreiben ihre Fahrer (schon 21-jährige dürfen sich hier registrieren) als aufgeschlossene Locals, sich selbst als Team von jungen Querdenkern und ihr Angebot als Carsharing 2.0. Die Pressemitteilung wirft noch die Ökonomie des Teilens, Co-Konsum, den Gedanken der Sharing Economy und den Community-Aspekt mit in den Raum, letztgenannter steht natürlich im Vordergrund… Natürlich.

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Und was kommt unterm Strich für euch dabei heraus?

Wer die Facebook-Hürde nimmt, über die das WunderCar-Team all seine potentiell interessierten Kunden springen lässt, kann sich vielleicht irgendwann von einem jungen Studenten zum Flughafen fahren lassen. Vielleicht. Um regelmäßig Fahrer zu finden, müssen sich diese in den kommenden Wochen erst mal anmelden, aktuell sollen in Berlin und Hamburg nur überschaubare 100 Fahrer registriert sein.

Seid ihr gefahren, dann müssen die Kosten irgendwie unter euch ausgemacht werden. Welche Richlinie empfehlen die Macher? Schwer zu sagen. Zum einen scheinen die eingangs erwähnten „großzügigen Trinkgelder“ auf eine Summe zu verweisen, die eher in Scheinen als in Münzen bezahlt wird, zum anderen gibt WunderCar jedoch die folgende Antwort, auf die Frage, was ihr nach eurer Registrierung von dem jungen Start-Up erwarten könnt:

Erfahrene Autofahrer die die Vorteile von Co-Konsum und Carsharing zu schätzen wissen und nicht bei jeder Fahrt nur auf das Geld schauen wollen.

Wundercar. Ein prototypisches Startup 2014. Schicke Webseite. Bärtige Foto-Modelle. Risiko-Kapital, das in Massen verbrannt werden kann. Facebook. Öko-Buzzwörter. Ein vages Monetarisierungs-Modell. Und die Bitte an die Community, mit Selbst-Registrierungen, Anmeldungen und den eigenen Autos erst mal in Vorleistung zu treten, um einem Ex-Community-Manager der Wohnraum-Vermieter von AirBNB dabei zu helfen „Social Ridesharing“ nach Deutschland zu bringen.

Social Ridesharing. Junge Junge…

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17. Mrz 2014 um 19:53 Uhr von Nicolas Fehler gefunden?


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