KI verändert die App-Entwicklung grundlegend
Vibecoding bringt den App Store an seine bisherigen Grenzen
Künstliche Intelligenz verändert derzeit den App Store. Immer mehr Entwickler und auch Menschen ohne klassische Programmiererfahrung veröffentlichen eigene Anwendungen für das iPhone. Die Zahl neuer Apps steigt deutlich. Gleichzeitig wächst die Zahl der Downloads kaum. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Widerspruch. Tatsächlich könnte genau darin aber die eigentliche Veränderung liegen.
KI senkt die Hürden für kleine Softwareprojekte
Nach Zahlen des Analyseunternehmens Sensor Tower wurden 2025 rund 600.000 neue Apps im App Store veröffentlicht. Das entsprach einem Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2026 kamen bereits rund 560.000 weitere Anwendungen hinzu. Verantwortlich dafür ist vor allem das sogenannte Vibecoding. Dabei beschreiben Entwickler einer KI lediglich, welche Funktion eine App erfüllen soll. Die KI erstellt daraus den Programmcode, der anschließend gemeinsam verfeinert wird.
Die Einstiegshürden sinken dadurch erheblich. Anwendungen, deren Entwicklung früher Wochen oder Monate gedauert hätte, lassen sich heute oft innerhalb weniger Tage umsetzen. Für viele Projekte ist zudem kein großes Entwicklerteam mehr erforderlich.
Apple profitiert grundsätzlich von dieser Entwicklung. Mehr Apps bedeuten mehr potenzielle Einnahmen über kostenpflichtige Downloads, Abonnements und In App Käufe. Gleichzeitig muss jedoch jede neue Anwendung geprüft werden. Nach Angaben des Unternehmens werden 90 Prozent aller Einreichungen innerhalb von 48 Stunden bearbeitet. Einzelne Entwickler berichten dennoch von längeren Wartezeiten. Gegenüber der New York Times erklärte Apple zudem, dass auch KI entwickelte Apps dieselben Anforderungen an Qualität, Datenschutz und Sicherheit erfüllen müssen wie alle anderen Anwendungen.
Nicht mehr Apps für alle, sondern Apps für Einzelne
Interessanter als die wachsende Zahl neuer Apps ist jedoch die Frage, welche Software durch Vibecoding überhaupt erst entsteht. Die Downloads im App Store legten 2025 lediglich um drei Prozent zu. Offenbar konkurrieren viele neue Anwendungen um dieselben Nutzer. Gleichzeitig entstehen aber Lösungen, die ohnehin nie für ein Millionenpublikum gedacht waren.
Wir haben diese Entwicklung selbst erlebt. Aus einem kleinen internen Projekt entstand zunächst eine Mac-Anwendung für die Verwaltung von Berliner Bibliothekskonten. Später folgte daraus mit VÖPP auch eine iPhone-App, die mehrere Bibliotheksausweise zusammenführt, Rückgabefristen anzeigt und Verlängerungen ermöglicht. Für eine so kleine Zielgruppe wäre ein klassisches Softwareprojekt wirtschaftlich kaum denkbar gewesen. Mit heutigen KI-Werkzeugen sieht das anders aus.
Genau darin dürfte eine der wichtigsten Folgen des Vibecodings liegen. Künftig entstehen deutlich mehr Anwendungen für sehr spezielle Anforderungen. Das kann eine App für Bibliotheksnutzer sein, ebenso aber eine Anwendung für einen Verein, ein Unternehmen oder den eigenen Freundeskreis.
Sideloading-Forderungen nehmen zu
Damit stellt sich auch eine grundsätzliche Frage: Muss jede dieser kleinen Anwendungen überhaupt im App Store erscheinen? Wenn eine App nur von wenigen Personen genutzt wird, wirkt der Weg über Apples Software-Kaufhaus zunehmend wie ein Umweg. Je einfacher KI die Entwicklung solcher Werkzeuge macht, desto sinnvoller erscheint es, die Installation selbst entwickelter Apps außerhalb des App Stores deutlich unkomplizierter zu ermöglichen. Die Verteilung per Download oder sogar direkt per E Mail würde in vielen Fällen völlig ausreichen und Apple zugleich von der Prüfung zahlloser Kleinstanwendungen entlasten.



Genau! Das würde ich auch sehr begrüßen. Ich habe selbst ein, zwei kleine Helferlein geschrieben, an denen Bekannte interessiert sind, ich mich bisher aber weigere das über den Apps Store zur Verfügung zu stellen. Ein einfaches SideLoading wäre da sehr hilfreich.
So geht es mir auch. Ich habe mir eine Reihe von Apps geschrieben, die für niemanden außer mich interessant sind, und muss diese dann auf meinem eigenen Gerät alle 7 Tage signieren. Das muss unbedingt gelockert werden. Wird es aber nicht. Denn man soll ja Apps kaufen und nicht eigene Alternativen programmieren.
Die Hürde es rein zu kriegen ist eh gewaltig
Bist du noch beim Thema ?
Ist es in der EU über die Alternativ-Stores wie AltStore PAL, Aptoide, Onside etc nicht einfacher geworden?
Nein, als einfache Privatperson darf man da gar nichts anbieten. Außerdem kann Apple auch hier die App ablehnen.
Sollen die Interessenten doch zu dir kommen, Gerät am Mac anschließen, installieren, fertig.
Alle 7?8? Tage wiederholen?
Euer Anfang und das Ende widersprechen sich ja…
Apple will mit dem AppStore Qualität und Datenschutz sicherstellen – funktioniert nicht immer, aber sehr oft.
Jetzt stellt jeder Hans Wurst eine Anwendung bereit – mit KI irgendwie programmiert und erstmal cool, lädt sie ins Netz und dann könnte jeder diese Anwendung laden. Was glaubt ihr, was man sich da für einen Mist auf’s iPhone laden könnte. Und was Hans in diesem Beispiel für Schabernack treiben könnte…
Ich versteh das Problem, aber ist SideLoading wirklich die beste Lösung?
Apple will abkassieren, nicht Qualität sicherstellen…
Kannst ja theoretisch jetzt auch schon nur musst halt alle 7 Tage neu signieren. ob das jetzt 7 oder 28/30 Tage oder länger ist wäre auch egal.
Gerade für so Nischenlösungen die halt nur ein paar Leute brauchen währe das die bessere Lösung. Hatte z.B. mal so ne App für die Zutrittsteuerung in einem Datacenter. da sind halt wenn’s hochkommt 200-300 Leute berechtigt davon sagen wir mal 30% Apple Nutzer. Android kein Problem App drauf laden von ner Website. Für Apple musst halt ganz andere Auflagen erfüllen und 99$ im Jahr zahlen und das ding is auch nur ne bessere Stempeluhr. Ankunftszeit und Abreise. Und wo in welchem Abschnitt und Reihe bist du unterwegs. versteh dann schon das es keinen Sinn macht für 70-90 Leute so nen Aufriss zu machen. Da währe Sideloading mit von mir aus 90 Tagen Ablaufzeit deutlich besser. musst halt einmal im Quartal das Ding refreshen und gut ist.
Ich hab so eine digitale Stempeluhr für Google Play Storw aber als PWA gebaut – läuft über einen Weblink auch auf IPhone und Co. Komplexität ist natürlich begrenzt, aber gerade für so kleine Helferin ausreichend.
Über AppStore würde ich da gar nicht gehen….
Hast du Sideloading verstanden? Sideloading bedeutet nicht zwangsweise, dass man eine App im Netz parat stellt, sondern, dass man, wie bspw. bei Android eine.app oder.apk aufs Telefon „lädt“ und installiert. Das muss nicht aus dem Netz passieren. Ich habe auch mittlerweile 6 Projekte, die ich auf dem Mac nutze aber eben nur ich.
Apple verlangt aber beim iPhone, dass der Papi Apple da nochmal draufguckt.
Oftmals genügt es, für solche Zwecke eine WebApp zu entwickeln. Keine Prüfungen und direkt lauffähig.
PWAs sind leider auch sehr beschnitten durch Apple. Eine echte Alternative sind die somit auch kaum.
Ich habe auch sehr viele Webseiten vibecoded aber gewisse Funktionen erfordern App.
Außerdem muss diese ja auch erst irgendwo deployed werden. Direkt auf dem Iphone ausführen geht ja nicht
Ich habe sogar Anwendungen in der Planung, die nur für mich sind. Auf meinen Shop zugeschnitten Dinge, die sonst niemand brauchen kann. Dafür muss ich, wenn ich einige Dinge wie Push nutzen will, nun 99 $ zahlen. Da muss sich also wirklich was ändern.
Push geht auch in WebApps ziemlich gut mittlerweile. Einzige Voraussetzung bei Apple: Als WebApp auf dem Homescreen ablegen
Irgendwie hab ich sofort die Assoziation zu: „Schreibe Computerprogramme so, dass sie nur eine Aufgabe erledigen und diese gut machen.“ Bei welchem Betriebssystem war das gleich die Philosophie? Irgendwas mit …NIX ;-)
Unix? Also wie bei macOS? ;)
Apples AppStore Review Guidelines regeln doch schon, dass für die Allgemeinheit uninteressante Apps nicht zulässig sind:
Your app should include features, content, and UI that elevate it beyond a repackaged website. If your app is not particularly useful, unique, or “app-like,” it doesn’t belong on the App Store. If your App doesn’t provide some sort of lasting entertainment value or adequate utility, it may not be accepted.
Es ist sowieso sehr schwierig noch irgendwas zugelassen zu bekommen. Wenn es in dem Bereich bereits viele vergleichbare Apps gibt, lehnt Apple ab.
Ich denke über eine Taschenlampen-App nach. Dass da noch keiner drauf gekommen ist, wundert mich doch sehr. Muss ich mal machen…
Kein Wunder, dass die Downloads nicht steigen, denn im AppStore ist so werbeverseucht, dass man nichts finden kann.
Ich hätte so gerne eine Filterfunktion für „keine Abos“ und für den Datenschutz.
Das will aber Apple beides nicht und so freut es mich jedes mal, wenn ihr hier wieder Softwareperlen vorstellt, die man sonst nie gefunden hätte.
Der App Store wird mit diesen Apps geflutet, die der sogenannte „Entwickler“ selbst nicht versteht und die danach nur noch als halb funktionierende App Store Leichen den App Store völlig unübersichtlich machen. Man findet die guten Apps einfach nicht mehr
Aber das liegt nicht an zu vielen Apps, sondern an der Gestaltung des Stores. Als ob man aus einem Baumarkt die Regale entfernt und einfach alle Produkte auf einen großen Haufen wirft. Außer die Empfehlung der Woche und ein paar Produkte, die vom Hersteller beworben werden – die stehen am Eingang auf einem Podest.
Ich habe vor 8 oder 9 Jahren mal für den Playstore und Appstore Apps geschrieben. Die ständig nötigen Aktualisierungen für OS-Updates waren aber auf Dauer zu aufwändig. Jetzt geht sehr vieles inklusive Datenspeicher (mittlerer Datenmengen), Kamerazugriff, QR-Code-Auswertung, Datenversand, Push-Notification und mehr auch als WebApp. Das reicht für viele (auch meine) Projekte völlig und macht den Appstore überflüssig. Ich programmiere (nun auch mit KI) sehr gerne solche WebApps.