Zwischen Digitalmüdigkeit und neuer Balance
Gegenbewegung zum iPhone: Die neue Sehnsucht nach Einfachheit
Die Kritik am Smartphone ist längst kein Randthema mehr. Erst kürzlich sorgte ein vielgesehenes YouTube-Video unter dem Titel „My phone is ruining my life“ für Aufmerksamkeit, in dem Ansätze zur Reduktion der eigenen Bildschirmzeit vorstellt wurden.
RASF-Sticker vor dem Apple Store | Bild: Benno Flügel
Parallel dazu tauchten in Berlin Flyer der „Radikalen Anti Smartphone Front“ auf, die mit Parolen wie „Lieben statt liken“ gezielt zur Reflexion des eigenen Nutzungsverhaltens auffordern.
Sehnsucht nach Reduktion im Pop und Alltag
Ein Beispiel aus der Popkultur liefert der Musiker Axel Bosse. In seinem aktuellen Song „Nokia“ beschreibt er eine Welt, in der weniger Technologie mit mehr Ruhe verbunden ist. Statt ständiger Erreichbarkeit stehen Treffen im Park, Gespräche und einfache Kommunikation im Mittelpunkt.
Ein Textauszug gefällig?
Bitte gib mir mein Nokia zurück
Und dann komm mit mir ins absolute Nix
Ich brauch Frieden von dem ganzen Scheiß
Mir haben Snake und SMS gereicht
Also nimm dir dein Nokia zurück
Und mach dir den schweren Kopf wieder leicht
Die Maschinen haben uns bekommen
Und wir sind es so so so leidScreentime zweistellig
Alle glotzen in die Dinger rein
Gehen gebückt, stumm,
Zwischen nichts fühlen und Einsamkeit
Ich bin so durch mit all den Bots,
Dem Hate, den Deepfakes, all dem Rotz
Einfach niemand, den ich kenn‘
Kann einschlafen
Renaissance klassischer Hobbies
Diese Sehnsucht spiegelt sich immer stärker auch im Freizeitverhalten klassischer Smartphone-Nutzer wider. Eine Analyse der Associated Press zeigt, dass insbesondere jüngere Menschen gezielt nach traditionellen Alternativen zur Bildschirmzeit suchen.
Klassische Hobbies wie Stricken, Töpfern oder Brettspiele erleben eine neue Popularität. Sie bieten haptische Erfahrungen und fördern Konzentration, die im digitalen Alltag häufig in den Hintergrund tritt.
Psychologische Einschätzungen sehen darin mehr als einen kurzfristigen Trend. Tätigkeiten, die mit den Händen ausgeführt werden, können Stress reduzieren und ein Gefühl von Kontrolle vermitteln. Gleichzeitig entstehen neue soziale Räume, in denen gemeinsames Erleben im Vordergrund steht.
Technik wird hinterfragt, nicht abgeschafft
Auch im Bereich der Hardware lässt sich eine ähnliche Entwicklung beobachten. Laut einer Auswertung der BBC erleben kabelgebundene Kopfhörer derzeit eine spürbare Nachfrage. Nach Jahren der Bluetooth-Dominanz greifen Nutzer wieder vermehrt zu Geräten mit Strippe und Klinkenstecker.
Die Gründe liegen nicht nur in der Klangqualität oder der technischen Zuverlässigkeit. Sichtbare Kabel werden zunehmend auch als bewusstes Zeichen interpretiert. Sie stehen für eine kontrollierte Nutzung von Technik und setzen sich von der permanenten, unsichtbaren Vernetzung ab.
Gleichzeitig zeigt sich, dass die Gegenbewegung Technologie nicht grundsätzlich ablehnt. Viele der analogen Trends werden über digitale Plattformen verbreitet und organisiert. Anwendungen unterstützen klassische Hobbys oder vernetzen Gleichgesinnte. Im Kern richtet sich die Kritik weniger gegen Geräte wie das iPhone selbst, sondern gegen deren dominante Rolle im Alltag.
Zwischen Digitalmüdigkeit und neuer Balance
Die Rückbesinnung auf einfache Geräte, analoge Freizeitbeschäftigungen und bewusst eingesetzte Technik stellt das klassische Fortschrittsversprechen zunehmend infrage. Nicht mehr jede neue Funktion gilt automatisch als Gewinn. Stattdessen rückt die Fähigkeit in den Fokus, sich zeitweise zu entkoppeln und bewusst Räume ohne permanente digitale Reize zu schaffen.
Ein Entwicklung die wir durchaus auch begrüßen.



Nachdem mich Apple Watch 2 – 6 begleiteten, habe ich diese Jahr entschieden einen Cut zu machen. Die ständige Präsenz hat mich genervt. Eine Automatikuhr macht jetzt zuverlässig das, was sie soll. Die Zeit anzeigen.
(Auch wenn ich zugebe mich dabei erwischt zu haben, dass ich im Dunklen anfangs öfter auf das „Display“ getippt habe :)
Schöner Kommentar! Danke dafür (ehrlich gemeinter) :-)
Ging mir genauso!
Habe meine Watch vor 1 Jahr abgelegt und gegen eine Sportuhr ohne smart features getauscht. Manchmal trage ich auch eine gewöhnliche analoge Armbanduhr.
Für mich war schon dieser Schritt ein game changer. Ansonsten bleibt das iPhone halt vermehrt auf der Seite und aus dem Blickfeld liegen. Vielleicht muss man auch nicht gleich auf jede Nachricht oder Gebimmel reagieren, früher wurde auch angerufen, wenn es was Wichtiges gab.
Geht mir ähnlich. Mochte meine Apple Watches immer wirklich gerne aber habe mich dann letzten Sommer wieder für eine normale Uhr entschieden und bin froh darüber. Brauche das ganze Tracking aktuell nicht mehr und gehe auch so meine Schritte. :)
Bei mir ist es andersherum, ich überlege ob ich statt dem iPhone nur noch die Watch nutze um mich weniger visuell beschallen zu lassen.
Das mache ich auch mehr
Meine Apple Watch ist komplett durch personalisiert – iPhone auch. Ich habe jede App kontrolliert an oder abgeschaltet was Benachrichtigungen/ Mitteilungen betrifft.
Hier sollte jeder 2-4 Stunden in die Einstellungen und Fokus-Optionen investieren – das lohnt sich dann über Jahre !
Ich bestimme die Zeit mit meinem iPhone, nicht das iPhone mit mir.
Oft sehe ich bei Bekannten jede Push Nachricht auf der Apple Watch, dass eine Spam email eingegangen ist. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln
Während ich mich vor knapp 10 Jahren mit dem Gedanken getragen hatte, eine AW zu kaufen, holte ich mir eine deutliche günstigere Smartwatch, um das mal auszuprobieren. Dabei stellte ich fest, dass mich diese dauernde Erreichbarkeit am Handgelenk störte und stresste. Somit bin ich wieder zurück zu einer klassischen Armbanduhr. Der Vorteil ist auch, man kann mehrere besitzen und je nach Outfit wechseln. ;)
Ich finde die Idee von RASF gut aber diese vulgäre Sprache muss nicht sein. Betrifft vermutlich die eher jüngere Generation, ich habe trotz iPhone noch immer sehr viele offline Hobbies und würde die niemals gegen das iPhone eintauschen wollen.
Sehr wichtiges Thema. Ohne gesundes Hinterfragen unserer Position und unserem Handeln ist keine wirkliche positive Entwicklung möglich… Es geht nicht darum, Neuerungen zu verneinen, sondern auch kognitiv und emotional mit ihnen Schritt zu halten… Das ist meine persönliche Meinung dazu. Möge die offene Auseinandersetzung mit uns sein….
Ich habe lange nach einem brauchbaren Dumbphone gesucht…
Das “Sidephone”-Konzept hat mich dabei am meisten überzeugt, ich hoffe
das es bald verfügbar sein wird.
https://www.sidephone.com
Ich freue mich auf mein Jolla Phone
Einfache Kommunikation würde ich dann jedoch dem Smartphone zuschreiben.
Und gleichzeitig steigt die Nutzung von Social Media auch immer weiter… wie das zusammenpasst?
Ja, hinterfragen ist richtig und wichtig.
Aber Hunde die bellen beißen nicht – ich glaube diese Bewegung ist tatsächlich nur in Hauptstädten hier in Deutschland/EU zu beobachten…
Jeder soll das machen was er für richtig hält. Ein Leben ohne iPhone und Apple Watch kann ich mir nicht mehr vorstellen. Für mich macht es mein Leben leichter und nicht komplizierter. Habe schon eine Weile nicht mehr regelmäßig Bargeld dabei. Zahle selbst beim Bäcker alles mit Watch z.B. nach dem Sportstudio, so brauche ich kein Bargeld mitnehmen. Oder mein Urlaub in Dänemark. Früher immer Geld wechseln. Heute nicht eine dänische Krone mitgenommen, alles mit Karte gezahlt. Selbst meine Haustüre mache ich mit Fingerabdruck auf. Schon kann ich meinen Schlüssel nicht mehr verlieren. Usw
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Sehe ich aus so. Man sollte an sich und nicht an der Technik arbeiten.
Richtig ! Siehe mein Kommentar oben
„Statt“ ist auch nicht so meins. Eher „das eine tun und das andere nicht lassen“. Die Dosis macht das Gift.
Impulskontrolle ist da ein entscheidender Faktor. Und ich kämpfe täglich damit, nicht sofort auf eine ifun-Meldung zu tippen. ;)
Radikal, interessant. Demnächst brennen Apple Stores ?
Wäre aber kein Grund für eine Demonstration gegen (Links)Extremismus. Dazu braucht es erst wieder besoffene Jugendliche in einer Bar, dann kommen die Omas gegen Rechts. :>
Die ständige Erreichbarkeit, echt eine Last, Focus und löschen bestimmter Apps helfen schon viel weiter dem zu entkommen
Netter Ansatz an (meiner) Realität vorbei. Ein Sänger (auch Bosse) buchen ja die Hallen für die Konzerte nicht, das Auto steht vor der Tür und man wird wohin auch immer gefahren und abgeholt, das Hotel wird nicht selbst gebucht und der Caterer und die Security nicht organisiert. In jedem zweiten Song liebt man eine Person ein Leben lang… Ist halt ein Song.
Ich reise extrem viel (beruflich und privat), navigiere per Google Maps oder Apple Karten, buche meine Flüge und Hotels per Smartphone (Ryanair akzeptiert nur noch digitale Bordkarten), bezahle in jedem Land ohne vorher Geld zu wechseln digital und kann nicht nur HomeOffice sondern auch PoolOffice machen weil ich per Teams überall erreichbar bin und ich jeden erreichen kann, auch wenn ich nicht die Telefonnummer kenne.
Nutzt doch einfach aktuelle Smartphones und Devices aber seht sie nicht als Ersatz für etwas an sondern als Werkzeug/Tool/Mittel zum Zweck.
Und wenn ich meine Motorradtouren mache (2000-5000km am Stück) dann habe ich meine Ruhe da ich garantiert nicht telefoniere und mein Status in Teams ist auf abwesend.
Wir kontrollieren das doch. Wir schalten auf stumm und wir lassen das Handy einfach beim Essen oder einem Date in der Hosentasche oder Handtasche oder lassen es zu Hause beim Sport.
Kopf einschalten und nicht Google fragen. Ist nur so eine gewagte Theorie…
Ich glaube da gibt es einen großen Unterschied:
1. Benutzt man sein Smartphone als Lösung für ein Problem: bezahlen, Navigation, Reise buchen, Musik hören usw.
2. das Smartphone wird benutzt ohne ein Ziel:
Zeitvertreib, surfe mal kurz noch meine Lieblingsseiten an vor dem zu Bett gehen, Social Media den ganzen Tag…
Fakt ist ja das die Mehrheit verlernt hat irgendwo, z.B. an der Bushaltestelle 5-10 min zu stehen, ohne das Smartphone in die Hand zu nehmen.
Und Schlafen oder auf dem Motorrad fahren, zählt da nicht;)
Und mit jeder Generation wird es schlimmer.
Es braucht sich ja nur jeder mal seine Bildschirmzeit angucken;)
Wird Zeit, dass die smarten Brillen endlich die Smartphones ablösen. Habe mich als Vision Pro Nutzer schon öfter dabei ertappt, dumme Endgeräte mit einer Fingergeste (Pinch) zu steuern.
Es ist einfach zu viel geworden für das menschliche Gehirn:
die ganzen Emails die eingehen, die ganzen Benachrichtigungen der Apps auf dem iPhone….
Viele dachten die Lösung wäre eine Smartwatch (kein Smartphone in der Hand)
-> alle Benachrichtigungen dann auf der Smartwatch.
Oder man dachte man braucht nur die richtigen coolen Apps um die Flut zu managen,
das ist auch der falsche Weg.
Ich bin gerade am digitalen ausmisten:
Emails aufräumen, Newsletter gnadenlos abmelden, Lesezeichen aufräumen, Apps löschen, Benachrichtigungen ausschalten…
PS:
Bei YouTube gibt es coole Videos über den digitalen Detox und die Smartphone Abhängigkeit,
wie z.B. My phone is ruining my life. So I made this.
Eben. Es liegt doch an jedem selbst.
Manchmal hilft es schon, das iPhone auf Graustufen zu stellen. Schon wird es weniger verführend. – Ich möchte es nicht missen und mag den Komfort wann und wo immer ich will zu arbeiten oder zu konsumieren. Wir müssen den Umgang damit lernen und uns bewusst Auszeiten nehmen. Ich würde weniger die Hardware verteufeln sondern eher die Apps wie Insta, TikTok und so. Einer macht Kohle, und wir bezahlen mit unseren Daten und unserer Lebenszeit.
Bluetooth Kopfhörer sind ja wirklich die simpelste Methode um Musik zu konsumieren, zu telefonieren etc. Wer da Kabel zurück will, will doch auch wieder nen Außen- oder Etagenklo. :D
Nun, ich wäre offen für eine Lösung mit deutlich weniger Ablenkung. Bei Social Media habe ich mein Konto vor Jahren gelöscht. Alles piepsen und Brummen und Klingeln ist stumm geschaltet. Trotzdem haben diese Reduktions-Konzepte den Nachteil, dass du heute fast zwingend eine BahnApp, Banking App, Navigation, Wetter und einiges mehr brauchst, weil sie kaum ablenken und doch sehr praktisch sind.
Ich nutze seit einiger Zeit nur noch meine Apple Watch für die meisten Sachen. Längere Mails, Surfen, Youtube, etc. dann irgendwann am Mac. Funktioniert ziemlich gut und ich gucke nicht immer zwischendurch dies & das.
Kann ich empfehlen.
Naja, von einem Extrem in das nächste.
Technik darf eben ein Werkzeug bleiben und nichts dominierendes/abhängigmachendes.
Ne Smart watch treibt mich in den Wahnsinn. Ich hab eine, nutze die nur zum Motorradfahren, damit meine Frau weiß wo ich bin. Ehrlich gesagt daddle ich zuviel, es macht mich unruhig.
Bosse kam Ende Januar vor mir aus einem Apple Store in Berlin. Passt ja zum Song. ;-)
Apple Watch habe ich gar nicht erst gekauft, trage weiterhin eine Citizen Funkuhr Eco-Drive. Läuft 290 Tage wenn die kpl. aufgeladen ist und macht was sie soll, Uhrzeit anzeigen.
Naja diese „Bewegung“ geht von jungen Leute aus, die nicht mal wissen wie Kommunikation und Techniker wirklich vor dem Smartphone war und die ja nach eigenen Aussagen kontrolliert weiter Technik nutzen. Hmm, wenn früher alles besser war dann bitte auch einen richtigen Cut machen.
Ich musste als Kind auf dem Dorf noch zur Telefonzelle weil trotz Ende der 80er (da hatten wir noch einen schwarz/weiss Fernseher) die Leitung ständig abbrach – halt Dorf. Und meine Schienen beim Zahnarzt wurde mit ekelig schmeckender Paste erstellt, die man bis sie hart wart im Mund behalten musste. Heute ist das ein 30sekündiger 3D Scan. Nein Dankeschön, da muss ich nicht zurück und auf Maps und Co mag ich auch nicht verzichten wollen. Das ist verklärte Nostalgie, die nicht erlebt wurde. Und hier würde Impulskontrolle und einfach mal die Push Benachrichtigungen auszuschalten imho helfen.
Radikale Anti Smartphone Front
Geile Comedy
es ist nicht deeeeiiiiine Schuld das die Welt ist wie Sie ist, es wäre ……