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Merkwürdige Datenschutz-Tipps von o2: „Apple muss nicht alles wissen“
Update vom 25. November, 11 Uhr
o2 hat seinen Datenschutz-Artikel kommentarlos von der eigenen Webseite entfernt.
Original-Artikel vom 24. November
Die Informationen, die der Netzbetreiber o2 in den vergangenen Tagen für seine Kunde aufbereitet laden einmal mehr Grübeln ein. Nachdem die Telefonica-Tochter ihre Nutzer erst im vergangenen Monat dazu aufforderte, vorhandene SIM-Karten mit Schere und Messer zu bearbeiten, statt neue Nano-Karten bei der hauseigenen Hotline zu ordern – eine Kundenansprache, die im klaren Widerspruch mit Apples Garantiehinweisen stand – kommuniziert der Netzbetreiber heute fragwürdige iOS-Datenschutz-Tipps.
Unter der Überschrift „So optimiert ihr den Datenschutz unter iOS“ versucht der Netzbetreiber zu erklären, wie man als iPhone-Nutzer die „Kontrolle behält“ und „sich sicher fühlt“, spricht dabei aber eine Handvoll Empfehlungen aus, deren Formulierung uns nachdenklich stimmt.
Unter anderem heißt es im Empfehlungsschreiben des Netzbetreibers:
Apple muss nicht alles wissen – Ebenfalls im Datenschutz-Menü bei iOS findet ihr den Punkt “Diagnose & Nutzung”. Er ermöglicht es euch, die Weitergabe von Anfragen oder Kontaktnamen an Apple zu verbieten. Den Umfang der Daten, die theoretisch weitergegeben werden, habt ihr auch auf andere Weise selbst in der Hand: Weder Siri noch die iCloud werden automatisch aktiviert. […]
Ein irreführender Hinweis. Weder werden durch die Übermittlung der Diagnose-Informationen Kontaktnamen nach Cupertino übertragen, noch findet eine „Weitergabe von Anfragen“ an Apple statt (was auch immer der Netzbetreiber damit meint).
Statt ungefragt Daten über euch zu sammeln, sorgt ihr mit der Aktivierung der Übermittlung von Diagnose- und Nutzungsdaten dafür, dass Programmabstürze, unerwartet hohe Speicherauslastungen und Events wie etwa das Fehlen angefragter Ressourcen protokolliert und in unregelmäßigen Abständen an Apple übermittelt werden.
Zuletzte haben wir uns den Fragen, welche Protokolldateien euer iPhone erstellt und wie sich deren Inhalt deuten lässt, hier gewidmet und damals die ausgesprochene Empfehlung formuliert, die ab Werk vorbildlich deaktivierte Option anzuknipsen.
Apple selbst erklärt übrigens: „Keine der gesammelten Informationen lässt Rückschlüsse auf Ihre Person zu. Persönliche Daten werden entweder gar nicht aufgezeichnet oder aus den Berichten gelöscht, bevor diese an Apple gesendet werden.“
Weiter im Text: Neben den „Apple muss nicht alles wissen“-Plattitüden, empfiehlt o2 auch die Deaktivierung der Option „Häufige Orte“ in den iOS-Systemeinstellungen. Dies, so der Netzbetreiber, würde euch dabei helfen „der digitalen Standortverfolgung zu entkommen“.
Ein Ratschlag der ebenfalls völliger Quatsch ist und den eigentlich kompetenten Netzbetreiber in ein ganz neues Licht rückt. Hintergründe zur Funktion „häufige Orte“ lassen sich sowohl in unserem iOS 7-Artikel vom August 2013 als auch in der Datenschutz-Abteilung des iPhone-Benutzerhandbuchs nachlesen.
Natürlich steht euch die Deaktivierung der Option frei – der Fairness halber sollte o2 aber zumindest auf die System-Funktionen hinweisen, die sich nach der Deaktivierung der iOS-Funktion nicht mehr nutzen lassen.
Der heute von o2 veröffentlichte Datenschutztext ist leider substanzlos und erklärt fast keinen seiner Tipps („selbst bestimmen, wie euer iPhone mit Cookies umgeht“) auch nur halbwegs ausführlich.
Statt seine Kunden sorgfältig und mit dem gebotenen Ernst zu informieren, mixt das o2-Team einen bunten Schlagwort-Cocktail der interessierte Nutzer entweder langweil oder verunsichert, sein in der Überschrift gegeben Versprechen aber komplett ignoriert. So jedenfalls optimiert ihr den Datenschutz unter iOS nicht.