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Supermärkte manipulieren: Uni-Projekt „Sparpionier“ sorgt für Waffengleichheit

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34 Kommentare 34

Ihr kennt die im App Store angebotenen Prospekt-Applikationen. Anwendungen, wie das von der Axel Springer AG betriebenen „KaufDa“ suggerieren euch beim Auffinden preiswerter Einzelhandels-Angebote behilflich zu sein – unterm Strich verteilen die virtuellen Postwurfsendungen jedoch nur die Message der großen Händler: „Hier, unser Prospekt, jetzt gebt uns euer Geld.“

Preise, die nur wie Sonderangebote wirken, sich aber – wenn überhaupt – nur marginal vom Durchschnitt im Bundesland unterscheiden. Prospekte, die in reichen Bezirken mehr für ein Pfund Kaffee verlangen als in armen (Hallo Neukölln), Angebote mit minutiös geplanten Fristen, die euch hauptsächlich in den Laden locken sollen und Werbung, die vor allem eins deutlich macht: Supermärkte wollen keinen Preisvergleich.

rossmann

Vorhang auf für Sparpionier. Das Uni-Projekt der FU Berlin hat es in sich, scheitert momentan aber noch daran, seinen wirklich verbraucherfreundlichen Ansatz auch ansprechend zu verpacken. Die Webseite der unabhängigen Macher ist ebenso un-sexy und mausgrau wie der Startbildschirm der kostenlosen iPhone-Applikation. Die Selbstbeschreibung der App hat sichtliche Probleme damit, die mathematischen Methoden der involvierten Informatiker auf den Punkt zu bringen. Dabei ist gerade dies, das logische Konzept hinter dem „Sparpionier“, unglaublich schlau:

10 mal brauchbarer als die Optik vermuten lässt

Die Applikation greift auf die Angebote aller relevanten Supermarkt-Prospekte zu, deren Scans auf den Servern der Macher, erkannt, verarbeitet, sortiert und mit der Konkurrenz abgeglichen wurden. Im Alltagseinsatz listet der „Sparpionier“ (AppStore-Link) dann genau die Angebote, die in den Supermärkten rings um eure aktuelle Geo-Position beworben werden und macht, was die bei KaufDa und Co. gelisteten Supermärkte eigentlich nicht wollen: „Sparpionier“ vergleicht Preise.

Nicht nur den Prospekt-Preis von dieser und von letzter Woche, sondern auch das Preisgefälle zwischen unterschiedlichen Bezirken, die Abweichungen zwischen unterschiedlichen Filialen des gleichen Konzerns und die innerdeutschen Variablen. Die Jungs hätten ihre App auch „Ihr macht uns nichts mehr vor“ nennen können.

Aber eigentlich müsst ihr euch nur einen Punkt merken: Nach dem Start der App zeigt der kostenlose und werbefreie Download einfach nur an, ob es sich bei dem Angebot, dass euch heute interessiert, wirklich um ein „Angebot“ im Wortsinn oder einen Trick der Kaiser-Filialen handelt, euch mit geschickter Kommunikation zu manipulieren.

kasers

Wir haben vorhin mit den Machern telefoniert und die Hintergründe des Sparpioniers abgeklopft. Unser Erst-Eindruck „schlaue Techies kümmern sich um Verbraucher“ hat sich bestätigt. Der Sparpionier hat es weder auf eure Daten abgesehen, noch finden sich irgendwelche Fallstricke in der nur fünf Sätze kurzen Seite, die die Nutzungsbedingungen der App erklärt. Die „Sparpionier“-Macher nutzen die gleiche Scanner-Technik, die die Post seit Jahren zur Adress-Erkennung einsetzt, um sich nicht mehr von vermeintlich billigen Wackelpudding-Angeboten reinlegen zu lassen.

Das einzige Problem: Die App und die Webseite sind hässlich und irgendwie scheint es noch schwer zu fallen, das gute Konzept zu kommunizieren.

Sparpionier zeigt die echten Spar-Chancen und sortiert gnadenlos Pseudo-Angebote & Werbetricks aus. Geprüft werden im Preiswettbewerb stehende Markenprodukte, bei denen es gute Angebote gibt. Die Preis-Qualität wird durch den Vergleich mit früheren Angeboten des Ladens und der Konkurrenz ermittelt.

Für einen Ersteindruck müsst ihr Sparpionier nicht sofort aus dem App Store laden – sondern könnt auch die mobile Webseite der Macher nutzen.

Update – Nach unserem Bericht merken die Sparpionier-Macher an:

Die mobile Webseite hat gegenüber der App einen „stark eingeschränkten Nutzungsumfang“ (und wird auch nicht mehr weiter entwickelt): Es gibt dort z.B. weder eine Warenartsuche (Bier) noch Marktübersichten (Lidl)… Die Suche läuft auch via PLZ-Geo-Mittelpunkt und ist großräumiger und damit viel ungenauer, als bei der App.

Mittwoch, 04. Dez 2013, 11:44 Uhr — Nicolas
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  • Super Idee! Ich denke, wenn das Projekt gut läuft, dass auch am Design gefeilt wird.

  • Da habe ich schon hässlichere Apps gesehen

  • Geladen und gleich mal ausprobieren. Interessantes Konzept.

  • Nette Idee. Manchmal muss ich aber sagen das man auch einfach so froh sein sollte. Wenn bspw. in Supermarkt A etwas im Angebot freue ich mich.
    Das dieses Produkt bei Supermarkt B regulär so viel kostet ist dann egal – vor allem wenn dieser weiter weg ist.

    Weiß man also nicht alles kann man sich freuen :)

    • Eben nicht. Genau deshalb gibts diese App!

    • Naja wenn’s woanders dauerhaft dasselbe kostet dann ist es ja eben kein Angebot sondern nur pseudo… Augenwischerei. Und genau diese Manipulationen der Kunden entlarvt das Projekt wenn ich es richtig verstehe…

      Ich geh ja auch vor dem Einkauf von größeren Gerätschaften mal kurz auf günstiger.de o.ä.

      • Wenn ich es doch aber sowieso kaufe?
        Solange ich mit dem Produkt zufrieden bin ist es doch super!

        Also bspw. „2,79€ zahlen und sich freuen“ ist doch besser als „2,79€ zahlen und sich wegen Marketinglüge ärgern“

      • Bzw. einfach 2,79€ zahlen und sich freuen, dass man keiner Marketinglüge zum Opfer gefallen ist. ^^
        Hab die App auch schon getestet und für top befunden.

      • Man kauft es aber doch trotzdem – das ist der Punkt ;)

  • Ich finde die Idee klasse! Hier steht Funktion zwar erstmal vor Design, aber das werden sie mit der Zeit sicherlich noch überarbeiten.

  • Ich muss sagen das Konzept ist ja mal der Hammer…Ich hoffe die Entwickler bleiben dran…!!

  • Michael Haensch
  • Na endlich! Super Aber bitte nicht verkaufen ;) !!!

    • Und die Gesalltung der App ist gar nicjt so schlimm (wie oben beschrieben) bei der Funktion muss man eben weg Gucken .. ;)

      • Nach dem ich bischen an die App dattelte is mir aufgefallen das der Verbrauch ja gar nicht den alten Preis sehen kann, SCHADE!

  • Klasse Konzept und funktioniert auf anhieb. Hätte morgen die übliche Mineralwasserration für das Büro im Trinkgut gekauft. Wie immer. Ist aber im EDEKA nebenan diese Woche deutlich günstiger.

  • „Uni-Projekt der FU Berlin“ vs. „Benefit Media Mobile Ltd. UK“

  • Was sind denn Wackelpudding-Angebote? Und was haben diese mit der Post zu tun?

  • 1 Liter Milch der selben Marke kostet in einem reichen Bezirk mehr als in einem armen? Oder wie muss man das verstehen?

    • Sparpionier - Team

      Fast alle Supermärkte nutzen schon seit Jahren so genannte ‚taktische Preis-Optimierungsmaschinen‘, um je nach sozialem Umfeld und den dort herrschenden Preisschwellen die Regalpreise anzupassen. Du zahlst im lokalen Handel bei vielen Waren oft nicht mehr den Warenwert plus einen Kosten- und Gewinnaufschlag, sondern das, was aus Dir vor Ort heraus zu holen ist. Supermärkte sind leider kein Ort für Romantik. Mit unsere App kannst Du taktisch gegensteuern, indem Du häufiger echte Schnäppchen kaufst.

      • @EMRuiz: Mein Vorredner meint wohl einfach: Die Menschen, die mehr Geld haben, machen sich darüber keine Gedanken und zahlen das, was auf dem Schild steht. Vergleichen also keine Produkte. In ärmeren Gebieten müssen die Menschen sparen und achten daher mehr auf den Preis. Veräppeln kann man daher eher die Leute in gehoberen Regionen.
        Also: Zieh in Studentenviertel, da ist es billig. ;)

  • Sehr coole Idee. Und die Gestaltung finde ich jetzt auch nicht so schlimm wie der Artikel suggeriert :-)
    Was mich etwas stört ist, dass man den „Original“-Preis nicht anzeigen kann. Ich will ja auch wissen wie viel ich gegenüber dem Normalpreis spare bei dem jeweiligen Angebot.

    • Sparpionier - Team

      Valide Ersparnis-Aussagen sind problematisch.
      Beispiel: Produkt X kostet im Normalpreis bei

      Laden 1: 3,99.- Euro
      Laden 2: 3,49.- Euro
      Laden 3: 3,59.- Euro
      Laden 4: 2.99:- Euro Dauerpreis

      Das Produkt ist nun in Laden 1 für 2.99 Euro im Angebot.

      Im Vergleich zu Laden 4 wird nichts gespart
      Laden 1 behauptet aber in der Werbung 1 Euro würde gespart
      Im Marktdurchschnitt werden ca. 50 Cent gespart

      Alle paar Wochen ist das Produkt in Laden 2 für 2,79 Euro im Angebot.
      Du würdest weniger ’sparen‘ als in Laden 1 und trotzdem wäre der Kauf in Laden 2 cleverer.

      Sparpionier zeigt Dir genau diese echten Schnäppchen. Vertrau unseren Smileys!

      • Stimmt, leuchtet ein!
        Mir ist das, ehrlich gesagt, so noch nie aufgefallen.
        Hab gestern z.B. im Rossmann gesehen, dass die durchgestrichenen Preise ja UVP, also unverbindliche Preisempfehlungen, sind. Werden Produkte zu solchen überteuren UVP überhaupt verkauft????

  • Hässlich ? Wieso hässlich ? Ist doch absolut iOS7 ?!

  • Leider ist hinter der britischen Firma niemand zu finden. Weiß jemand wie die Gründer, die an der FU-Berlin studiert haben, heißen?

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