Freie App als Trainingspartner für Vorträge
Pitch Coach: Frankfurter Student gewinnt Apples Swift Student Challenge
Anton Baranov hat mit „Pitch Coach: Speak Confident“ eine kostenlose iPhone-App entwickelt, die beim Üben von Präsentationen, Pitches und Reden helfen soll. Die Anwendung erkennt Füllwörter, analysiert das Sprechtempo und nutzt AirPods, um Hinweise zur Körperhaltung zu geben. Nach einer Übungseinheit fasst die App die wichtigsten Beobachtungen zusammen und gibt konkrete Hinweise, wo Nutzer noch an sich und ihren Vortragsfähigkeiten arbeiten können.
Die Idee entstand nicht in einem Labor, sondern am Küchentisch der Familie in Frankfurt am Main. Baranovs Mutter, Professorin für Linguistik und Literatur, erzählte von Studierenden, die inhaltlich stark seien, ihre Ideen bei Präsentationen aber nicht sicher vermitteln könnten. „Sie verlieren die Stimme“, beschreibt Baranov das Problem im Gespräch. Auch bei sich selbst habe er solche Situationen wiedererkannt.
Der 22-Jährige studiert Softwaretechnologie an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Mit dem Programmieren begann er mit 16 Jahren, Swift nutzt er seit rund eineinhalb Jahren intensiver. Für ihn war Pitch Coach auch ein persönliches Projekt: In einer der letzten Apple-Developer-Sessions habe er den Rat mitgenommen, an etwas zu arbeiten, „für das man brennt“ und das mit einem selbst verbunden sei.
Die App übernimmt dabei eine Rolle, die sonst ein Gegenüber einnehmen würde: zuhören, Rückmeldung geben, auf Wiederholungen, Füllwörter, Tempo oder Haltung achten. Baranov beschreibt Pitch Coach als Hilfe, um „sicher aufzutreten“. Gedacht ist die Anwendung für klassische Vorträge, Startup-Pitches oder Hochschulpräsentationen. In der Praxis nutzen Anwender sie aber auch für andere Auftritte. Baranov berichtet von Nutzern, die Liedtexte oder Stand-up-Programme mit der App geübt haben.
Lokale KI statt Cloud-Dienst
Technisch setzt Pitch Coach auf mehrere Schnittstellen, die Apple Entwicklern bereitstellt. Baranov nennt unter anderem Core Motion, Speech Recognition und das Foundation Models Framework. Die AirPods liefern Bewegungsdaten für Hinweise zur Haltung, die Spracherkennung hilft bei der Analyse des Gesagten, das lokale Foundation-Modell erstellt anschließend Zusammenfassungen und Verbesserungsvorschläge.
Wichtig ist Baranov, dass die Verarbeitung auf dem Gerät stattfindet. „Alles lokal und ohne Internet“, sagt er. Gerade bei echten Pitches, Bewerbungen, persönlichen Reden oder vertraulichen Ideen sei es ein Vorteil, wenn die Inhalte nicht an externe Server übertragen werden. Er verweist darauf, dass viele KI-Anwendungen heute Cloud-Dienste nutzen, die Kosten verursachen und eine Internetverbindung erfordern. Pitch Coach kommt komplett ohne diese Infrastruktur aus.
Das wirkt sich auch auf die Monetarisierung aus. Die App ist derzeit komplett kostenlos und soll es vorerst auch bleiben. Baranov sagt, ihm gefalle die Idee, dass jeder sie ausprobieren könne. Als Student kenne er selbst die Situation, in der zusätzliche Abos oder In-App-Käufe eine Hürde darstellen. Weil keine Serverkosten anfallen, sei der Aufwand vor allem seine eigene Zeit. „Wenn die Menschen das mögen und danke sagen, ist das das Größte“, fasst er seine Motivation zusammen.
Apple hatte zunächst von mehr als 6.000 organischen Downloads gesprochen, im Gespräch mit ifun.de nannte Baranov bereits rund 10.000. Er arbeitet weiter an der Anwendung und denkt über Funktionen nach, die Nutzer auch nach einem konkreten Vortrag oder Pitch wieder zurückbringen. Denn häufig werde eine solche App nur für ein einzelnes Ereignis installiert. Baranov will Pitch Coach deshalb stärker als dauerhaft nutzbares Trainingswerkzeug weiterentwickeln.
Auszeichnung als Bestätigung
Mit Pitch Coach hat Baranov 2026 erstmals an Apples Swift Student Challenge teilgenommen und wurde direkt als einer von weltweit 50 „Distinguished Winners“ ausgezeichnet. Die Einreichung stellte er nach eigener Darstellung kurz vor Ablauf der Frist fertig. Er testete die App noch einmal selbst, reichte sie ein und veröffentlichte sie kurz darauf im App Store.
Als die Nachricht mit dem Hinweis auf das Ergebnis kam, rechnete er zunächst nicht mit einem Gewinn. „Ich dachte, check mal das Ergebnis bedeutet: Du hast nicht gewonnen, aber danke, dass du teilgenommen hast.“ Stattdessen stand dort: „Congratulations.“ Für Baranov war das mehr als nur ein Preis. „Wenn das größte Tech-Unternehmen sagt, du machst das richtig, ist das die beste Validierung“, sagt er.
Gerade weil Pitch Coach konsequent auf Apple-Technologien aufsetzt, empfindet er die Auszeichnung als Bestätigung seiner technischen Entscheidungen. Apple habe die Werkzeuge bereitgestellt, die App geprüft und das Projekt ausgewählt. Für Baranov zeigt das, dass die Idee nicht nur „im eigenen Kopf“ funktioniert, sondern auch von außen als tragfähig wahrgenommen wird.
Nach dem Gewinn folgten Online-Gespräche mit Apple Deutschland. Dabei ging es um seine Motivation, die Entstehung der App und die Frage, wie er sie weiterentwickeln möchte. Das Pressefoto, auf dem Baranov zwischen grafischen Elementen zu sehen ist, entstand nach seinen Angaben in Frankfurt. Er habe es selbst in einem Park vor seinem Haus aufgenommen. Die Freude auf dem Bild sei echt: „Ich bin total froh, dass sowas passiert ist.“
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Erste Reise nach Cupertino
Teil der Auszeichnung ist eine Reise zur WWDC. Für Baranov wird es die erste Reise in die USA. Im Juni soll er nach Cupertino reisen und dort am mehrtägigen Programm für ausgezeichnete Gewinner im Apple Park teilnehmen. Zunächst sei er unsicher gewesen, ob er Flug und Unterkunft selbst organisieren müsse. Die Flugpreise hätten ihn kurz abgeschreckt. Später habe Apple nachgefragt, ob er Flugticket und Hotel benötige. Beides werde übernommen.
Baranov sieht die Reise nicht nur als Preis, sondern vor allem als Gelegenheit zum Austausch. Er hofft, Entwickler aus aller Welt kennenzulernen und mit Apple-Ingenieuren über Frameworks wie das Foundation Models Framework zu sprechen. Für ihn ist die WWDC der Ort, an dem Apple zeigt, was auf seinen Plattformen möglich ist und an dem Entwickler neue Ideen für eigene Anwendungen bekommen.
Die Auszeichnung hat seinen Blick auf die eigene Arbeit verändert. Aus einem kleinen Projekt, das zunächst aus einem familiären Gespräch heraus entstand, ist eine App geworden, die Nutzer weltweit erreicht und von Apple ausgezeichnet wurde. Baranov formuliert seine Motivation dabei einfach: Er sei Entwickler geworden, weil er Probleme lösen und Menschen helfen wolle. Pitch Coach ist für ihn ein Beispiel dafür, wie aus dieser Haltung eine Anwendung entstehen kann.





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