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"konstantes Johlen und Abklatschen"

Künstliches Geklatsche: App-Entwickler kritisieren WWDC-Kultur

42 Kommentare 42

Für viele Europäer noch immer befremdlich zu beobachten, gehören die aufgepeitschten Apple-Mitarbeiter schon seit Jahren zur festen Kulissen bei der Eröffnungen neuer Apple-Filialgeschäfte.

Der überschwängliche Enthusiasmus, dem sich Besucher am Eröffnungstag dann regelmäßig gegenübersehen, mag nicht jedermanns Sache sein, ist aber nachvollziehbar.

Die Belegschaft, die sich seit Wochen auf ihren Einsatz in der neuen Filiale vorbereitet wird, darf endlich von der Leine und findet in der temporären Aufgedrehtheit ein oft auch authentisch-sympathisches Ventil für die überbordende Motivation der Anfangstage.

Was sich im Zuge einer Ladeneröffnung noch problemlos aushalten lässt, kann auf eine Woche verteilt, aber ganz schön an den Nerven zehren. Darauf hat der App-Entwickler Daniel Kennett (Cascable) hingewiesen.

Kennett hat einen offenen Brief zur überdrehten Mitarbeiter-Kultur während der WWDC formuliert und übt vorsichtig durchaus nachvollziehbare Kritik am künstlichen Geklatsche der Apple-Mitarbeiter.

Apple Mitarbeiter

Bild: @afit

Kritik, die in den sozialen Netzen vorwiegend mit bestätigende Wortmeldungen anderer Entwickler zur Kenntnis genommen wurde.

Kennett erklärt:

[…] Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr es mir unangenehm war, am Sonntag den WWDC-Registrierungsraum zu betreten, angefeuert von mehreren Mitarbeitern, die mich beklatschten und versuchten mir High Fives zu geben. Ich verstehe, dass man Menschen begeistern will, aber das muss seine Grenzen haben. Während der Konferenz wurde ich fast die ganze Woche hinweg angefeuert und mit High Fives für Dinge bedacht wie:

Eine Tüte Chips abholen.
Eine Treppe hinuntergehen.
Aus der Toilette kommen.
Die zuvor erwähnten Treppe wieder hochgehen.

[…] Ich verlange nicht, dass die WWDC zu einer trockenen, langweiligen Veranstaltung wird – es gibt viele Momenten in denen diese großen Spaß macht. Die Warteschlange zur Keynote, die kleinen Pop-up-Events zum Tanzen, das Sammeln der Anstecknadeln, das AR-Spiel … all dies ist großartig! Wenn es jedoch völlig unmöglich ist, sich dem Gelände zu nähern, ohne angeschrien zu werden, geht es jedoch vielleicht etwas zu weit.

Donnerstag, 11. Jul 2019, 13:50 Uhr — Nicolas
42 Kommentare bisher. Dieser Unterhaltung fehlt Deine Stimme.
Rede mit!
  • Das war schon immer nervig, ist aber typisch US amerikanisch. Wer würde in Europa überhaupt eine Konferenz erwarten, wenn ein neues Laptop vorgestellt würde und dann frenetischen Applaus spenden, wenn es extra erwähnt würde, dass es 8 GB Arbeitsspeicher habe? Genau: niemand.

  • Schlimmer sind ja diejenigen die das Klatschen audio technisch einspielen müssen *hust* Microsoft E3 Pressekonferenz *hust*

    Da schaut man einfach darüber weg.

  • Für was es dort Applaus gibt ist teilweise nur noch peinlich.

  • Man kann sich auch wirklich über alles beschweren..

  • Wie schlimm, Leute freuen sich. Geh ja gar nicht

    • Na ja, dort scheint es eher (nicht ausschließlich) einstudiertes Getue zu sein, „hypen“ eben. Das hat nichts mit sich freuen zu tun.

    • Die „freuen“ sich nicht…das ist eine Firmenvorgabe die von den Mitarbeitern umzusetzen ist…oder glaubst Du nach einer Woche frenetischen Jubelns und high five’s wärst Du auch noch aufgepuscht wg. der 128GB Speichererweiterung für 150€ :-)

    • @Nick, das Problem ist vermutlich, dass sich die „Leute“ (Angestellten) nicht wirklich freuen, sondern nach entsprechender Schulung ihren bezahlten Arbeitstag damit verbringen, Freude und Begeisterung nach einstudierter Choreografie auszustrahlen.

    • Es geht darum, dass es ihm unangenehm ist. Und warum kann das nicht einfach akzeptiert werden. Wenn man sich die Kommentare auf Twitter anschaut, ist er damit nicht allein.

  • Whooooo! 2 kg leichter nach’m Kacken! \o/

  • Das systematische anfeuern der Mitarbeiter gibt es in den USA bei vielen Kundenbereichen.
    Ich war einmal Zeuge im Rock Café Miami, wo das vermutlich täglich vor dem Kundenansturm abgeht. Für uns Europäer schlicht kindisch. Für US-Bewohner und Mitarbeiter solcher Firmen vermutlich reine Motivation. Das Personal ist danach jeweils top motiviert bei der Arbeit und im Umgang mit Kunden.

    Wenn es aber bei Technik und Programmierung/Schulung wie bei Apple ausartet, wird es zur Belästigung.

  • Viel spannender ist doch die Frage warum er die Tüte Chips geholt hat und anschließend damit auf der Toilette verschwunden ist….

  • Was bitte ist KÜNSTLICHES Geklatsche? Dachte schon, es handelt sich um Geklatsche vom Band, so wie das Lachen bei Soaps.

    Im Übrigen kritisiert Kennett das grundsätzliche Verhalten und das Geklatsche mit High Five, von „Künstlich“ ist da nix zu lesen.

  • Lieber Nicolas,
    dieser Bericht ist einfach klasse geschrieben, herrlich und erfrischend!
    Weiter so!

    • Und jetzt bitte künstliches Geklatsche dafür. Lach.

      Herrlich erfrischend ist gerade mein Feierabendbier. Wenn du gerne solche total überzogenen Artikel des Autors liest, dann mag das vielleicht für dich erfrischend sein. Lach.

      • @Rama: wenigstens haste Dich zu zwei künstlichen Lachern hinreißen lassen.

      • Die waren herzhaft und keinesfalls „künstlich“…und wenn, dann wäre es „gekünstelt“ gewesen, aber nicht künstlich.

  • Erinnert mich an die Zeit (Anfang/Mitte der 90ér) bei Footlocker. Wo ich als Store Assistant mit meinem Store Manager regelmäßig zu den Manager Meetings mitfahren musste. Und wenn es um die Verleihung der Awards (Bester Umsatz als Store, Bester Store Zusatzverkäufe usw.) ging wurde dieses auch immer von einem künstlich herbeigeführten (Alle anwesenden sollten/mussten) jubeln, klatschen usw. begleitet. Fand ich schon damals befremdlich und peinlich. Gehört aber zu diesem typischen US Retail Gedanken. Schlimmer fand ich das die District Manager das ganze immer genau beobachtet haben und auch mit den Leuten Gespäche geführt haben, dass Sie mehr Begeisterung zeigen sollten. Natürlich bei denen wo das ganze nicht euphorisch genug war.
    Dürfte in den Apple Stores bestimmt immer noch sein…

  • „We clap everything!“ – so eine klare Ansage an die Mitarbeiter, die bereits während Bewerbungsprozessen eingeprägt wird. Eigene Welt.

  • Genauso unsinnig, übertrieben, unnötig wie das eingespielte Gelächter bei vielen Fernsehserien. Für mich ein Grund das alles zu vermeiden. Diese “ Motivation“ ist Manipulation, Gehirnwäsche und Sektenhaft. Schlicht unnötig.

  • Im Theater gibt es ein Gesetz: Auf der Bühne darf niemals mehr gelacht werden als im Zuschauerraum. Das sollte hier ebenfalls Anwendung finden.

  • Typisch USA eben, zu vieles gekünstelt und übertrieben. Trotzdem fahre ich gerne hin.

  • Bin bei einem US Global Player. Letztens lief unser CEO mit Cheerleader-Pompons durch die Jahreshauptversammlung. Erschiess mich bitte einer …

  • Die meisten Menschen in Deutschland haben in ihren Firmen nix mehr zum klatschen.
    Und neue Geschäfte oder Filialen werden schon lange nicht mehr eröffnet.
    Die Eröffnung jedes neuen Döner Ladens haut auch nicht so vom Hocker.

  • Vielleicht sollten die WWDC Badges mit Länderkennung ausgestattet werden, somit könnte Apple dann die Besucher Landestypisch bejubeln. Die Deutschen bekommen dann ein “Tada – Tada – Tada mit Sparwitz”.

  • Hab sofort an Michael Mittermeier gedacht: “Warum klatschen die Passagiere eigentlich bei der Landung im Flugzeug? Hurra! Wir sind nicht im A…!”

  • Redet mit. Seid nett zueinander!

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