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Geld verbrennen mit Oolipo: „Lesen heißt Videos schauen“

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Eine unserer Hauptaufgaben beim täglichen Notieren der Neuheiten, Debatten und Probleme aus dem Apple-Universum ist das Filtern der Inhalte, die hier auf unseren Schreibtischen landen.

Kreditkarte

So haben wir uns gestern etwa gegen die Erwähnung der neuen N26-Kreditkarte „Metal“ entschieden, da uns die Macher der iPhone-Bank zwar über das Material ihrer neuen Karte informierten – „der Kern besteht aus Wolfram und macht sie mit einem Gewicht von 18 Gramm etwa dreimal schwerer als eine Standard-Plastikkarte“ – uns Konditionen, Zusatzfunktionen und den geplanten Veröffentlichungstermin des neuen Premium-Kontos aber nicht mitteilen wollten.

Das Sortieren der potentiell interessanten Meldungen ist keine leichte Aufgabe, aber eine die uns Spass macht. Stellenweise liegen wir mit unserem Bauchgefühl komplett daneben, an anderen Tagen freuen wir uns dann wieder über ein glückliches Händchen.

Womit wir zu Oolipo kommen. Einem App Store-Projekt des Bastei Lübbe-Verlages.

Storytelling

Oolipo selbst ist schon wieder Geschichte, hat uns in den vergangenen Tagen aber kontinuierlich im Kopf herumgespukt. Wir haben von der App bislang fast gar nichts mitbekommen, haben uns nach der Pressemitteilung zum Projekt-Ende aber gefragt, ob wir das „Start-Up“ mit dem der Verlag den E-Book-Konsum unter den jungen Millennials ankurbeln wollte, überhaupt erwähnt hätten.

oolipo’s vision for mobile storytelling

Die Hintergrund des ganzen Projektes ist haarsträubend und will zumindest kurz angeschnitten werden. So startete die Geschichten-App Oolipo nach langer Verzögerung im März 2017 in den Markt. Bereits damals hatte sich Bastei Lübbe von der ursprünglichen Idee, eine E-Book-Flatrate für junge Leser anzubieten, komplett verabschiedet und setzte auf eine Lese-App, in der ausgewählte Geschichten speziell zum Lesen auf kleinen Smartphone-Displays vor- und aufbereitet wurden.

Das Branchen-Blog Gründerszene unterhielt sich damals mit dem Oolipo-Geschäftsführer und beschrieb sich das Angebot folgendermaßen:

In der App finden Nutzer Stories, die für Smartphone-Nutzer aufbereitet sind. Die Texte sind angereichert mit Fotos, Videos, Audio-Dateien oder Gifs und schicken dem User zum Beispiel Pushnachrichten als Teil der Geschichte. „Bisher ignorieren viele digitale Medien mobile Technologie, sie packen ihre Inhalte auf Handys, ohne sie wirklich für mobile zu optimieren“, glaubt Ryan Mullins, der das App-Geschäft führt und zuvor die E-Book-Plattform Readfy gründete. „E-Bücher auf dem Handy zu lesen ist zum Beispiel schwierig. Wir haben deshalb eine neue Plattform fürs Mobile Storytelling geschaffen.“ Nach einer Testversion im Herbst 2016 ist diese nun im App-Store verfügbar.

Lesen heißt Videos schauen

Und wirklich, das Produktversprechen lässt sich so ähnlich formuliert noch immer auf der Webseite der App-Macher finden. Schreckliches New-Economy-Marketing-Gewäsch, in dem die Anbieter erklären, dass Lesen nicht nur Lesen bedeutet, sondern auch Video schauen, Chatten, Audioinhalten zuhören und mit Protagonisten interagieren.

We believe that reading today means more than just understanding a text. It’s watching images, gifs, and videos, listening to audio, sharing and chatting with friends, and interacting with characters. That’s why we offer you tools to create and read stories in an interactive multimedia format. Join now!

Ein App Store-Download, der wahrscheinlich sofort durch unseren Filter gefallen wäre, sich unter den Augen der Bastei Lübbe-Entscheider im letzten Jahr aber durch rund drei Millionen Euro Kapital fressen konnte.

So informierte der Verlag im Oktober über das Ende der Oolipo-App und kündigte nicht nur an, kein weiteres Kapital in die „E-Books für Millennials“-App investieren zu wollen, sondern warnte auch vor über eine „außerplanmäßige Abschreibung“, die nun vorzunehmen sei:

Upon agreement with the Supervisory Board, the Management Board of Bastei Lübbe AG, therefore, decided not to invest any further funds into the project and to undertake an unscheduled write-down. The non-cash write-down on the intangible assets of its subsidiary oolipo AG will extraordinarily impact the consolidated EBIT of the Group in the second quarter of the current financial year in the amount of approximately EUR 3 million. Over the next months, the Management Board will consider the possibility of differently using or exploiting the developed technology.

Natürlich haben wir gerade auch überlegt, ob wir das Sterben der weitgehend unbekannten Oolipo-App überhaupt berücksichtigen sollen. Doch App Store-Debakel wie Oolipo sind einfach zu absehbar um nicht erwähnt zu werden. Ganz davon abgesehen, dass es die mobilen Fehltritte der großen Unternehmen ohnehin nur selten in die Öffentlichkeit schaffen.

Wer weiß wie viele, von der ersten Produktbeschreibung an zum Scheitern verurteilte Apps gerade mit Millionenbeträgen erschaffen werden. Wie häufig die Einstellung des Entwickler-Teams überhaupt nicht kommuniziert wird und auf welchen Branchen-Treffen sich verantwortliche Projekt-Manager für ihre innovativen Ideen (wie zum Beispiel die Kombination von E-Books mit Chats, Videos, GIFs und Audioinhalten für Millennials) auf die Schulter klopfen.

Mittwoch, 06. Dez 2017, 14:24 Uhr — Nicolas
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  • Schöner Artikel, gern mehr davon :-)

  • Ihr habt euch „gegen die Erwähnung der neuen N26-Kreditkarte „Metal“ entschieden“ und der einzige Link, der beim Durchlesen des verwirrend geschriebenen Artikels in meinem Gehirn hängen blieb, war der zur Kreditkarte.

  • Also ich weiß nicht wie es anderen geht, aber Bücher lesen aufm iPhone oder iPad finde ich persönlich sehr anstrengend, da greife ich dann doch zum Kindle. Ich kann es mir nur einbilden, aber dort ist das Lesen weniger ermüdend (jetzt mal unabhängig vom Inhalt). Aber wahrscheinlich ist wohl eher, dass ich mit einem echten Ebook-Reader nicht durch irgendwelche blinkenden Inhalte oder Benachrichtigungen abgelenkt werde. Von daher ist lesen für mich nach wie vor lesen und keinesfalls Videos schauen.

  • Wolfram für eine Karte zu verschwenden ist eine Schande!
    Wolfram ist auf der Erde sehr selten und wird für allerlei wichtige Anwendungen dringend gebraucht. Und die nutzen es um die Karte 3x schwerer zu machen.
    Es geht doch immer noch eine Nummer hohler, als man es sich vorstellen kann.

    • Als nächstes bitte eine mit Dinosaurierknochen, aber bitte so nach innen verpacken dass man es unter dem Plastik nichtmal sieht und man jedes andere Material zur Beschwerung hätte nehmen können, danke!

    • Allein der Text, mit dem diese Karte angepriesen wird lässt einem den Magen schon ordentlich aufkochen. „…und andere werden aufhorchen, wenn du sie auf den Ladentisch wirfst…“ ist wohl eher was für Oligarchensöhne

    • Da spricht wieder ein Blinder von Farben.

      Hättest Du mal eine Ahnung, in wie vielen vermeintlich sinnlosen Dingen vergleichsweise mehr Wolfram vorhanden ist, um Ihnen eine gewisse Härte zu verleihen.

  • Gibts eigentlich irgendwo einen Markt für schlechte Geschäftsideen? Wenn ich nur schon lese (!), dass da jemand drei Millionen Euro verbrannt hat, um Bücher mit Videos, Gifs, Audiodateien und Bildern aufzuhübschen und davei behauptet, dass all diese Sachen „lesen“ bedeuten, da frag ich mich, wozu ich überhaupt Bildungsinstitute nutze…

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