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Barrierefreiheit: Bluetooth Braille-Tastatur am iPhone (Video)

News 19 Kommentare

ifun-Leser “nef” macht uns auf dieses Youtube-Video des Ukrainers Victor Tsaran aufmerksam und bemängelt gleichzeitig die geringe Aufmerksamkeit die wir dem Themengebiet “iPhone & Barrierefreiheit” widmen.

[...] Über Barrierefreiheit wird leider viel zu wenig berichtet! Ich finde das sollte unbedingt auch publik gemacht werden! Ich selbst bin zwar nicht blind, kenne jedoch Blinde. Seltsamerweise musste ich sie auf diese iPhone-Fähigkeiten aufmerksam machen. [...] ”

Eine Zuschrift die wir hier nicht abgedruckt hätten, würde Nef nicht einen validen Punkt ansprechen. Abgesehen von diesem Erfahrungsbericht eines Seh-Behinderten und unserem kurzen Ausflug hin zu Apples Accessibility-Empfehlungen sind Artikel zur Barrierefreiheit hier durchaus unterrepräsentiert.

Kommen wir zu Victor. Mit Hilfe des $2800 teuren Brailliant Braille Displays – einer Bluetooth-tauglichen Braille-Tastatur mit ausreichender Unterstützung für das iOS 4.0 – und dem aktivierten, ab Werk im iPhone verbauten “Voice-Over”-Feature, lässt sich das iPhone problemlos auch von Blinden und in ihrer Seh-Fähigkeit eingeschränkten Menschen bedienen. Eine wenig bekannte Tatsache, auf die wir gerne noch mal aufmerksam machen.

Um die Voice-Over Funktionalität das iPhones zu aktiveren, muss in den iPhone-Einstellungen das Untermenu “Allgemein” und hier die Option “Bedienungshilfen” ausgewählt werden. Die Funktion lässt sich dann dem Dreifach-Klick des Home-Buttons zuweisen und liest  alle Bildschirmelemente bei der Berührung mit dem Finger vor. Das Video haben wir unten eingebettet.

Diskussion 19 Kommentare.
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  1. Das finde ich GUT! Das Thema ist viel wichtiger, als man denkt, auch ich habe beruflich und privat mit Menschen mit Behinderung zu tun. Und auch wenn es blöd klingt, ich habe oft Migräne und dann tut Licht weh, nur leider kann ich mir nicht leisten, deshalb Mails etc nicht zu lesen… Ich lass die mir vorlesen. Und ist gut!

    Das Thema werdet ihr sicher nun stärker voran bringen. Denn, deshalb sag ich das, auch wir nicht körperlich eingeschränkte Menschen profitieren davon. Danke!

    — Viv
  2. An sich eine feine Sache, Ich habe es selber mit meiner Braillezeile mal ausprobiert. Nur ist ein Handy (oder fast jedes andere Gerät) mit Touch-Screen für blinde Menschen absolut ungeeignet. Um so ein Gerät bedienen zu können ist ein halbwegs nutzbarer Sehrest nötig. Die anderen Bedienhilfen sind aber genau dass, was iphone und ipad für “Sehbehinderte” zu den TOP-Geräten machen. Ohne mein iPad gehe ich nicht mehr aus dem Haus. Für Blinde gibt es da bessere Lösungen als ein iphone mit Braillezeile!

    Traurig macht mich da aber eine andere Sache: Apple bewirbt die Bedienhilfen für den MAC. Die Vergrößerung taugt leider nicht viel. Schriften werden vergrößert sehr unscharf dargestellt und es fehlen wichtige Funktionen wie z. B. Curosrverfolgung oder individuelle Farbschemas. Die Sprachausgabe in MAC OS X ist nur englisch. Sprachausgabe und Braillezeile funktionieren nur mit Programmen von Apple. Openoffice, MS Office oder Adobe Acrobat kann man hiermit nicht benutzen.

    An einem Arbeitsplatz für blinde oder sehbehinderte Menschen kann man daher keinen MAC einsetzen. Privat kann man da vielleicht Kompromisse eingehen, beruflich ist dies nicht möglich.

    Da besteht noch sehr viel Nachbessrungsbedarf!

    Gruß

    Bernd (hochgradig sehbehindert, Apple Fan siet 1977, aber zwangsweise noch immer auf Windoof angewiesen!!!!!)

    — Bernd Winki
    • Komisch, dass ein Sehbehinderter hier mehr sinnvollen Text zustande kriegt als so mancher unbetroffener. Finde ich gut.

      — Maddin
  3. Wichtig wäre vielleicht noch zu erwähnen, dass VoiceOver erst ab dem iPhone 3G S verfügbar ist. Also nicht auf auf dem iPhone Classic und iPhone 3G.

    — Marco
  4. Also so weit ich das verstehe handelt es sich dabei nicht um eine Bluetooth Braille-Tastatur sondern um ein Bluetooth Display. Also zum Lesen und nicht zum Tippen.

    — Andreas Diner
  5. das gabs für die Nokia Communicator Serie schon vor Jahren. Sorry da hat Apple das Rad nicht neu erfunden. Das Touchscreen ist für Blinde eh wertlos.

    Trotzdem schön das es die Möglichkeit gibt, aber bedanken muss man sich bei Apple dafür wirklich ned…

    — Haggi
  6. Ihr solltet auch gleich dazu schreiben, dass die $2800 für dieses Gerät eine bodenlose Abzocke und ein gnadenloses Ausnutzen der Einschränkung blinder Menschen ist!

    Ich finde es EXTREM wichtig, im Bereich des Möglichen, eingeschränken Menschen eine Informationsplattform oder wenigstens ein paar Infos zu unserem Lieblingsthema iPhone zu geben… gewisse Sachen hinterfragen sollte man auch.

    Klar, jetzt heisst wieder, man kann überall was zum Nörgeln finden, aber selbst bei ner Produktionsstückzahl von 20 Einheiten ist dieser Preis abzocke!!!

    — Moti
  7. In Deutschland kostet eine Braillezeile (oder Brailledisplay) ab 5.000 € (40 Zeichen) oder 12.000€ (80 Zeichen) plus 19% Mehrwertsteuer (keine 7%!!!). Dazu kommen dann noch 2.000€ bis 4.000€ für die Software (die bei MAC OS X eingebaute taugt leider nicht so viel). Ein richtig teures Vergnügen.

    Wenn man blind ist und die Brailleschrift beherrscht hat man das Recht eine 40er Zeile mit Software von seiner Krankenkasse zu bekommen. Nur lehnt die KK dies immer rechtswidrig ab. Ebenso im Widerspruchsverfahren. Mann muss also fast immer vor Gericht gehen, meist sogar bis zur 2. Instanz. Da dies mehr als 80% der Menschen nicht machen lohnt sich dies für die Kassen. Und dies nicht nur bei der Braillezeile, auch beim Blindenführhund usw.

    Wen der blinde Mensch allerdings im Blindenverein/verband organisiert ist bekommt er dort Rechtsschutz, Unterstützung und Beratung.

    Gruß

    Bernd W.

    — Bernd Winkelmann
  8. huhu Leute,
    ich bin Blind und nutze seit 9 Monaten ein 3gs (und seit zwei Tagen ein4er :-))
    und ich finde das Apple schon das Rad in hinsicht auf die Blinde bedienung eines Touchscreens neu erfunden hat ich konnte bis jetzt trotz teuerer zusatz software bei Nokia und co kein Handy so gut bedienen wie das Iphone.
    Und die Produktion eines Braille moduls liegt leider bei Knapp 80€ deswegen sind zeilen mit 40-80 Zeichen halt so teuer, aber es werden schon an alternativen möglichkeiten für Braillemodule gearbeitet.
    Beim Iphone ist es vor allem super das ich keine zusatz software kaufen muss da ist das Programm einfach so drauf hat mich bei Nokia früher noch mal zum Gerät hinzu noch mal 300€ gekostet und war nicht halb so gut wie Iphone mit Voiceover.
    Was die Funktionalität auf einem Mac angeht kann ich noch nicht viel sagen aber ein paar freunde von mir sind begeistert und nutzen nur noch Macs.

    — Batto
  9. Freue mich auch über diesen Artikel! Da Apple die Barrierefreiheit relativ hoch hält, gibt es natürlich auch entsprechende Nutzergruppen, die über Infos wie die eure immer dankbar sind.

    Zu dem Zuvorgesagten mal ein paar Anmerkungen von mir:

    1. Das iPhone ist bzw. war das erste Mobiltelefon, das ab Werk für blinde und sehbehinderte Menschen bedienbar war. Der Hinweis, dass es für Nokia und andere bereits seit Jahren (etwa 2001) diese Möglichkeiten gibt ist korrekt, verschweigt jedoch, dass es sich hierbei um kostenpflichtige Software von Drittanbietern handelt.

    2. In der Tat ist zwischen Braillezeile (= Display) und Tastatur zu unterscheiden. Zwar gibt es auch Braille-Tastaturen für den PC, die überwiegende Mehrheit Blinder schreibt jedoch auf der normalen QWERTY-Tastatur, während natürlich das Achtpunkt-Computer-Braille gelesen wird. Eine Braille-Tastatur kann jedoch trotzdem interessant sein, da hier nur acht Tasten (plus vielleicht noch ein paar Extra-Keys) benötigt werden und sich somit ein Größenvorteil ergeben kann (Stichwort Keyboard für die Hosentasche).

    3. Die Aussage, ein Touchscreen-Gerät sei für Blinde nicht bedienbar, hat Apple mit seinen VoiceOver-fähigen Geräten äußerst eindrucksvoll widerlegt. Zu beachten ist hierbei, dass das iPhone nicht etwa mit den üblichen Gesten bedient wird, sondern Apple hat sich hier spezielle Gesten überlegt, bei denen mit Hilfe von ein bis drei Fingern und ein bis drei Klicks bzw. dem Streichen das Gerät komplett bedient werden kann. Unbestritten ist, dass zum Betrieb sowohl ein gewisses Verständnis und Merkfähigkeit als auch eine gewisse Fingerfertigkeit benötigt wird. Ein Seniorentelefon wollte das iPhone aber auch nicht sein und gerade jüngere Blinde haben durch das iPhone eine ganz neue technische Dimension erfahren können. Ich kann von mir jedenfalls behaupten, mein iPhone schneller bedienen zu können als ich meine Geräte vom finnischen Holzfabrikanten je konnte.

    4. Seit iOS 4 kann nun parallel zur Sprache auch eine Braillezeile angesprochen werden. Dies ist nicht nur deshalb gut, weil die Funktion als solche gut ist, sondern auch weil sie zeigt, dass Apple das System weiterentwickelt und das scheint mir fast noch wichtiger.

    5. Natürlich sind nicht alle Apps auf dem Markt mit VO bedienbar. Für die in iOS integrierten Apps gilt dies komplett, aber auch sehr viele Apps aus dem Store lassen sich problemlos bedienen. Funktioniert mal etwas nicht, haben viele (wenn auch natürlich längst nicht alle) Entwickler durchaus ein offenes Ohr und dank Guidelines von Apple gibt es auch etwas zum Nachlesen, wie man so programmieren kann, dass VO hinterher auch etwas damit anfangen kann.

    6. Auch der Mac verfügt über VoiceOver. Bernds Einschätzung hinsichtlich der Qualität kann ich dabei nicht teilen. Kostenfreie Screenreader (Bildschirmleseprogramme) gibt es zwar auch für Windows und natürlich Linux, aber eine native Integration seitens des Herstellers besitzt unbestreitbare Vorteile und die bietet sonst keiner. Eine deutsche Sprache muss beim Mac leider kostenpflichtig hinzugekauft werden, liegt aber preislich weit unter dem, was die Hersteller von Windows-Screenreadern für ihre Produkte aufrufen. Unbestreitbar ist damit dann allerdings auch nochmal eine ganz andere Qualität von Support verbunden, in soweit gebe ich meinem Vorredner Recht.

    All jenen, die hier so lautstark motzen, dass das sowieso alles nix taugt und eh zu teuer ist, sei empfohlen, sich mal mit Betroffenen auszutauschen und dann erneut zu posten.

    — Onkel N. aus O. an der H.
    • Hallo Onkel N,

      Bei deiner Aussage dass Du jetzt ein Gerät mit Touch-Screen uneingeschränkt bedienen kannst bedenke aber folgendes: Dies geht nur dann Apple. Ein Geldautomat, ein Briefmarkenautomat oder die DHL-Packstation mit Toch-Screen haben nicht diesen Komfort. Insofern stimmt meine Aussage über Geräte mit Touch-Screen, oder?

      Zu MAC OS X: Voice-Over und Braille-Zeile funktionieren gut. Safari, Itunes oder iWork arbeiten absolut ohne Probleme. Aber sehr viele Programme von anderen Anbietern klappen nicht, Java-Applikationen klappen nicht. Client-Server Applikationen klappen nicht. Das mag für den privaten Einsatz unerheblich sein. Nur für viele Arbeitsplatze ist dies zwingend notwendig. Das hat dann zur Folge dass man an einem Arbeitsplatz den Mac nicht einsetzen kann oder dort, wo ein MAC notwendig ist der blinde oder sehbehinderte Menschen ausgeschlossen (diskriminiert) wird. Und das ärgert mich!!

      Und Sehbehinderte, die mit einer Vergrößerung > 2 arbeiten können den MAC beruflich überhaupt nicht nützen da die Vergrößerung zum professionellen arbeiten nun wirklich unbrauchbar ist.

      Ich schreibe dies nicht um zu nörgeln. Meine Hoffnung ist dass Apple hier noch nachbessert.

      Gruß

      — Bernd Winki
  10. finde den beitrag echt klasse, so schaut dann auch otto n.v. mal weng übern tellerrand.. ^^
    auch die kommentare dazu find ich fast alle klasse, das ifun team hat bestimmt nicht schlecht gestaunt wie viel feedback bei dem thema kommt.. und auch ich hab was für meinen alltag dazu gelernt.. merci!

    — RoBot

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