Zehn Minuten zum EU-Konflikt
Siri AI in Europa: Warum Apple und die EU weiter streiten
Während iOS 27 heute für alle Nutzer erscheint, bleibt ausgerechnet eine der größeren Apple-Neuerungen hierzulande außen vor: Siri AI steht auf iPhone und iPad in der Europäischen Union zunächst nicht zur Verfügung.
Die Deutsche Welle nimmt den festgefahrenen Streit zwischen Apple und der EU nun in einem rund zehnminütigen Video auseinander und liefert einen verständlichen Einstieg in die Hintergründe.
Mehr Auswahl trifft auf persönliche Daten
Im Zentrum steht der Digital Markets Act. Die EU will verhindern, dass sogenannte Gatekeeper ihre Plattformen abschotten und konkurrierenden Diensten den Zugang verwehren. Auf Siri AI übertragen bedeutet dies, dass Apple vergleichbare Möglichkeiten grundsätzlich auch anderen KI-Assistenten eröffnen soll.
Das ist komplizierter als die bereits bekannten Auswahlfenster für Browser oder Suchmaschinen. Siri AI soll persönliche Inhalte auf dem Gerät verstehen und Aktionen in Apps ausführen können. Apple argumentiert deshalb mit Datenschutz, Sicherheit und der Integrität des Systems. Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben um eine Übergangsfrist von 18 Monaten gebeten. Die EU-Kommission hält dagegen: Die Entscheidung, Siri AI nicht in Europa anzubieten, habe Apple selbst getroffen.
Dass sich diese beiden Positionen nicht ohne Weiteres zusammenbringen lassen, zeigte sich bereits in den vergangenen Monaten. Gespräche zwischen Apple und der EU-Kommission laufen weiter. Einen Termin für die Freigabe gibt es bislang jedoch nicht.
Der DMA muss sich an KI messen lassen
Interessant wird der DW-Beitrag dort, wo er über den konkreten Apple-Streit hinausgeht. Der Digital Markets Act entstand zu einer Zeit, in der heutige KI-Assistenten mit persönlichem Kontext und App-Zugriff noch keine zentrale Rolle spielten. Nun muss sich zeigen, wie die Vorgaben auf solche Systeme übertragen werden können.

Die Gesprächspartner Alexandre de Streel und Jacob Parry beschreiben den Konflikt entsprechend als Abwägung zwischen Wettbewerb und Wahlfreiheit auf der einen sowie Datenschutz und Sicherheit auf der anderen Seite. Gleichzeitig verweisen sie darauf, dass Plattformbetreiber durch echte Alternativen unter größerem Innovationsdruck stehen können.
Für Apple ist das Thema nicht nur regulatorisch relevant. Europa ist ein wichtiger Absatzmarkt, während auch die EU ein Interesse daran haben dürfte, neue Funktionen nicht dauerhaft außerhalb des Binnenmarktes zu halten. Entsprechend rechnen die im DW-Beitrag befragten Experten grundsätzlich damit, dass beide Seiten irgendwann eine Lösung finden könnten. Bis dahin bleibt für EU-Nutzer vor allem der Mac als regulärer Zugang zu Siri AI. Auch dort gelten allerdings Einschränkungen.

Auf dem Pixel11 läuft doch Gemini, kann das auch so tief ins System, bzw. Kann man andere Software als Standard nutzen?
Wieso sollte es dann bei Google gehen und bei Apple nicht…
Google hat es einfach gemacht und das Risiko auf eine Strafe in Kauf genommen. Apple ist da vorsichtig und möchte das vermeiden.
Google hat Gemini bzw. die ganzen KI Funktionen meine ich einfach so rausgehauen ohne Rücksicht auf DMA und dementsprechend (meine ich) auch bereits eine fette Strafe von der EU erhalten. Die 890 Millionen Euro waren aber nicht alleinige wegen Gemini auf den Smartphones.
Für Pixel (11) Besitzer ist es demnach fraglich, ob dieser aktuelle funtkionsfumfang nach dem nächsten Update überhaupt noch zur Verfügung steht.
Google hat deswegen jetzt ein Verfahren an der Backe. In dem fordert die EU umfangreiche Änderungen und die komplette Freigabe für andere KI Anbieter. Einfach mal nach „google android gemini dma europa“ suchen.
Geht eben nicht.
Google bekommt auch eine Frist.
Da sie aber schon gelauncht sind, hat man erbarmen…
Weil Apple es nicht mit dem Datenschutz hinbekommt
Ich meine irgendwo gelesen zu haben dass Google die Strafe nach 18 Stunden wieder drin hat.
Im Gegensatz zu Apple lässt es Google nicht den Konsumenten ausbaden, und hat Gemini ganz einfach implementiert. Wohl in dem wissen das es Ärger mit der EU gibt, und man wohl eine Millionenstrafe bekommt.
Apple bestraft den Nutzer in der EU – und schiebt den schwarzen Peter der EU zu.
Ich für meinen Teil sehe da Googles Vorgehen deutlich „kundenfreundlicher“ !
Mich würde mal interessieren, was das Hauptziel von Apple bei den Featureankündigungen von SIRI AI ist, wenn sie in der Keynote prominent platzieren, dass das Feature zuerst auf Englisch (in den USA) und erst mal nicht in der EU kommt.
Wollen sie primär den „America First“-Pöbel in der Heimat zufrieden stellen, oder primär den Druck auf die EU immer weiter erhöhen?
Im Zweifelsfall ist es für Apple gerade eh eine Win-Win-Situation.
Sie haben aber direkt danach gesagt, dass Siri AI in Kürze (Oktober) für zahlreiche andere Sprachen kommt, die im Rest der Welt gesprochen werden. Deutsch gehört nicht dazu, denn das wird ja nur in EU-Ländern gesprochen. Andere Sprachen wie Französisch und Spanisch, die auch außerhalb der EU relevant sind, gibt es in wenigen Wochen. Die Sprachverfügbarkeit zeigt also nur, dass wir Siri AI in der EU wohl nicht in den nächsten Monaten bekommen. Wenn überhaupt, dann vermutlich frühstens mit iOS 28.
Schon mal von der Schweiz gehört? Hier spricht der grösste Teil Deutsch – und ganz nebenbei auch Französisch und Italienisch. Und in der EU sind wir Gott sei Dank auch nicht.
Ich glaube nicht, dass es für Apple eine Win-Win-Situation ist. Ich werde meine Geräte erst wieder updaten, wenn ich Siri AI hier nutzen kann. Daher werde ich dieses Jahr den 2-Jahres-Wechsel bei mir erstmals aussetzen. Das iPad wäre auch langsam dran (M1), aber auch da werde ich warten können.
Wettbewerb und Wahlfreiheit… das habe ich doch?
Ich habe mich für Apple, iOS und damit SiriAI entschieden. Ansonsten stehen mir etliche Varianten und Versionen bereit. Zur Not kann ich ja Gemini und Co als App nutzen.
Also bitte… lasst Apple das eigene System so gestalten, wie es Apple für sein eigenes System möchte.
REDE! Genau so und nicht anders. Diese Bevormundung der EU ist auf Kosten der Endverbraucher die eine freie Wahl getroffen haben bzgl. Gerät und Software.
Wenn Du Freiheit als Bevormundung empfindest, hast Du echt ein Problem. Du darfst andere KI nutzen, Du musst nicht. Was Du schreibst ist krass falsch.
Genau das habe ich auch immer wieder gedacht: für ein „Ökosystem“ entschieden, damit alles untereinander passt, und nicht anders. Da war schon die übergriffige EU mit ihren Entscheidungen von absoluten Neidern im weg, welche eine leichte Kommunikation zwischen Ipad/Iphone und Mac verhindert hatten. Das ist einfach übergriffig. Ich kaufe ein Produkt, weil ich genau damit meine Erwartungen verknüpfe und kein anderer das System aufweichen soll. Und nein, es wird durch „Konkurrenz“ nichts billiger. Das ist der gleiche Unsinn mit den Messengern: Nein, ich entscheide mich für ein System. Wer ein „Zwitterchat“ benötigt, bitte, aber ich nicht. Irgendwann kommen die Klappstühle noch auf die Idee, das ein USB 3 Kabel in die Steckdose passen muss…
Das läuft in Richtung „der Markt regelt alles“
Leider funktioniert das in der Praxis nicht, ab einer gewissen Größe bzw. Marktdominanz gibt es für uns keine echten Alternativen mehr und die Unternehmen nutzen das schamlos aus.
Also Danke EU!
Sie können sich zwischen unzähligen Marken und Geräten etwas aussuchen.
Ich kann übrigens auch nur eine Kamera im iPhone nehmen, eine Auswahl habe ich da auch nicht!
Naja, du hast nur die Wahl auf App-basis. Wenn du aber das gesamte Gerät steuern willst, bleibt dir nur Siri. Somit ist Siri immer im Vorteil. Um einen freien Wettbewerb zu gestalten, muss Apple die Wahlmöglichkeit anbieten. So zumindest die Argumentation beim DMA Ansatz.
Ja, so soll es auch sein. Oder soll dann demnächst Samsung AI oder Deepseek mein IPhone steuern?
Apple hat sich das Thema Datenschutz seit Jahren groß auf die Fahne geschrieben. Von den Ausnahmen bei den eigenen Anwendungen vielleicht mal abgesehen,
Und das gerade für Leute die nicht so in der Bubble sind. Der überwiegende Teil kann es wahrscheinlich gar nicht abschätzen, was es bedeuten würde zum Beispiel Deepseek auf die eigenen Daten loszulassen.
Naja Angst war und ist immer ein gutes Mittel Argumente tot zu schlagen. Nur weil es Deepseek etc gibt, heisst es nicht, dass die User es nutzen werden. Auch kann Apple hier transparent auf die Risiken hinweisen. Das machen die doch auch bei den Apps etc. Und wenn jemand trotz Transparenz und Hinweise es trotzdem installiert, ist halt selber verantwortlich. Es gab doch letztens eine Statistik, wieviele Leute tatsächlich einen anderen Browser bzw Mail Programm aussuchen. Die Zahl ist verschwindend gering. Das wird bei der Auswahl der KI nicht anders sein. Die Meisten werden Siri wählen. Man kann halt nicht alles in Luftpolster wickeln und jeden Menschen als „nicht intelligent genug“ abstempeln. Besonders Apple kann den Spagat zwischen Sicherheit und Offenheit meistern…. wie sie es bereits bei Mail, Browser und Websuche erfolgreich beweisen.
Ja! Das wäre mir auch am liebsten.
Das sieht die EU leider anders.
Die EU möchte auch andere AI’s statt Siri nutzbar machen, im selben Umfang.
Viele Leute machen inzwischen die Erfahrung das sie gerne von Apple zu anderen Anbietern wechseln würden – sie sind aber so tief im Ökosystem drin, das ein Wechsel mit nicht unerheblichem Aufwand verbunden ist. Apple hat die Preise angezogen, und jemand der im Ökosystem ist, muss zähneknirschend zahlen. Und nein, bei den anderen merkt man den Preisanstieg nicht so krass, da hier viel mit Rabatten und Gutscheinen gearbeitet wird.
Man sollte der EU extrem dankbar sein, das sie versuchen zu verhindern das apple seinen Käfig noch weiter zuschnürt – denn je mehr sie ins eigene Ökosystem zwingen (um nicht fesseln zu sagen), umso mehr können sie die Preisschraube anziehen !
Eigentlich will keiner weg von Apple. Also, sogar eher umgekehrt, Apple findet immer mehr Anklang.
Ich hätte als EU Bürger gerne die Wahl ob ich ein DMA konformes oder ein Herstellerkonformes Gerät verwende… Dann habe ich ggf Funktionen früher wohingegen der andere der DMA möchte ggf andere Funktionen hat die ich nie bekommen werde. Wahlfreiheit bedeutet meiner Meinung nach jedoch nicht nur Optionen zu haben für die KI Assistenten sondern auch zu wählen ob ich generell eine Option haben möchte ;)
DMA nimmt dir keine Funktionen weg. Du könntest ja bei der Einrichtung des iPhones doch bei KI Siri wählen, Bei Browser Safari etc. Aber Apple will dir die Wahl nicht lassen. Hier geht es auch nicht um Sicherheit, denn alles kann man transparent dem Kunden aufzeigen. Es geht hier nur um Wahrung der Einnahmequelle. Und besonders für uns Europäer ist das halt hart.
Stell dir vor, ein europäischer Anbieter möchte im Smartphone Markt mehr Präsenz aufbauen. Die Hürden sind unüberwindbar. Beim OS musst du Android oder iOS sein. Und wenn du in die Systeme dich einklinken willst, bist du immer im Nachteil gegenüber SiriAI und Gemini. Weil die auf die Daten des Kunden zugreifen können und ohne größere Probleme von überall im System aufrufbar sind.
Ich habe in den Kommentaren mal gelesen, das Mercedes ja auch sein System nicht öffnet. Der Vergleich hinkt aber. Denn du kaufst ein Auto zum fahren. Du nutzt da keine Systeme die du vorher genutzt hast, und die Legacy wichtig ist. Und du hast keine Social Media Vernetzung. Somit ist ein Autowechsel kein Problem. Und ein neuer Anbieter hat da erstmal kein Nachteil.
Bei Smartphones bist du aber an den App Store gebunden und die Verfügbarkeit von Apps, Diensten etc. Somit sind Google Telefone oder iPhones halt Grundbausteine für die Kommunikation und somit Märkte. Wir sehen ja bereits heute, was für Nachteile solche Monopole mit sich bringen. Apple sagt: SiriAI nicht für die EU und wir sitzen hier mit 1200 Euro „dummen“ Geräten, die weiterhin nicht ganzheitlich intelligent agieren. Und wechseln ist nicht „einfach so“ gemacht, weil da viel mehr Pain dahinter steckt (iCloud Family,imessage, Fotos etc.). Somit hat Apple die User in der Hand. Und das gilt aufzubrechen.
Sorry für meinen langen Text. Hoffe ich konnte es etwas klarer machen.
Vielen Dank.
Endlich mal einer der nicht auf Apples Marketing reinfällt. Die eU will die WAHL erlauben – nicht verbieten das der Nutzer alleine Apple nutzt. Wer keine weitere AI Zugriff gewähren will, muss diese nicht aktivieren ! So einfach ist das !
Apple stellt es immer so dar, als MÜSSTE der Nutzer den Zugriff für andere AI gewähren – Blödsinn, und reines EU Bashing !
Wir verlieren alle ein sicheres und geschlossenes System. Solange eine Schnittstelle besteht, kann diese ausgenutzt werden.
Danke für die Erläuterung. Kann ich gut verstehen, aber wie geht man damit um, wenn Apple etwas entwickelt, wie die Konnektivität. Da hätte ich auch keine Lust, dass andere Anbieter Nutznießer werden. Wie steht man dazu?
+ 1 was neoME sagt.
Es ist ja auch nicht erst seit Ki so. Apple entscheidet, was in den App-Store kommt. Apps mit erotischem Inhalt – schwierig beim prüden US-Konzern; oder willst du einfach eine Taschenlampen-App mit pinker Benutzeroberfläche rausbringen – geht nicht, weil es schon zu viele Taschenlampen-Apps gibt … und so gibt es etliche Restriktionen, über deren Einhaltung oder Nichteinhaltung letztlich Apple entscheidet.
Leider geht das so nicht.
Die Gesetze gelten für alle, auch wenn man das als Bürger anders besser findet.
Und ich dachte die Gesetze äh Politiker sind für die Bürger da…
Was soll eigentlich immer dieser quatsch, dass SIRI AI auf dem Mac verfügbar ist ? Ich hab mit macOS 27 auf keinem Mac SIRI AI jemals gesichtet.
Dann hast du Siri nicht auf Englisch gestellt. Denn wie auch im Text beschrieben (und auf allen Seiten bei Apple) steht Siri AI zunächst mal auf Englisch zur verfügung. Ich konnte Siri AI mit den Betaversionen von MacOS 27 ganz normal nutzen.
Beide wedeln mit ihre dicken Eiern um dann am Ende doch miteinander zu kuscheln. So sinnlos!
Deine ‚Metapher‘ oder was immer das sein soll hilft leider nicht den Sachverhalt besser zu verstehen oder deine Meinung zu untermauern. Schreib lieber gar nichts als sowas.
Bin mal gespannt, was die Verbraucherzentrale dazu sagen wird. Wer Premiumpreise aufruft, sollte auch Premiumleistung liefern. Irgendwann wird aus „kommt später“ eben „nicht geliefert“ (wie schon mit AI geschehen) und das sollte entsprechend bewertet werden.
An Apples Stelle würd ich die Möglichkeit für andere Systeme öffnen aber sehr tief in irgendwelchen Untermenus verstecken. Der Otto-Normalverbraucher wird sich dass dann nicht antun und vermutlich auch sonst kaum jemand.
Bei den bisherigen EU Anforderungen haben sie es so gemacht. Oder wüsstest du auf Anhieb, wie du einen alternativen App Store auf dem iPhone in Betrieb nimmst? Glücklicherweise scheint das keinen Bestand zu haben, denn auch die EU lässt sich nicht komplett verarschen. Daher macht man das hier jetzt nicht. Apple müsste es eh wieder zurückdrehen. Wie man auf die Idee kommen kann, dass das schlecht für uns Verbraucher ist, kann ich beim besten willen nicht nachvollziehen.
Ich bin ganz froh über die Entwicklung, je weniger KI, AI und wie sie alle heißen desto besser. Es ist schon bezeichnend wenn selbst große Unternehmen der KI Branche vor ihren eigenen Produkten warnen.
Das sehe ich ja als Vorteil bei Apple das hier die KI in einem geschlossenen Umfeld agiert, was bei Gatekeepern durch aus zu Problemen in beiden Richtungen führen kann.
Ich glaube, bei diesem Streit schauen wir im Moment noch sehr stark auf Siri AI, Apple und die konkrete Auslegung des DMA. Dabei steckt dahinter vermutlich eine viel größere Frage: Passt unser heutiges Verständnis von Betriebssystemen, Apps und Plattformen überhaupt noch zu der technischen Welt, die gerade entsteht?
Ich möchte dabei ausdrücklich nicht in dieses inzwischen ziemlich beliebte „Die EU verhindert Innovation“-Narrativ einsteigen. Das wäre mir zu einfach und auch zu populistisch. Die Ziele des Digital Markets Act halte ich grundsätzlich für richtig. Wettbewerb, Wahlfreiheit, Datenschutz und die Begrenzung übermäßiger Plattformmacht sind wichtige Anliegen. Man muss aber ebenso fair sagen, dass die EU Apple Siri AI nicht verbietet. Die Kommission verlangt vielmehr, dass konkurrierende KI-Assistenten bei bestimmten Systemfunktionen vergleichbare Möglichkeiten bekommen. Apple wiederum argumentiert, dass das bei einer persönlichen KI eben nicht dasselbe ist wie etwa bei der Wahl eines Standardbrowsers. Siri AI soll persönliche Inhalte verstehen, Nachrichten, Dateien und andere Informationen einbeziehen und Aktionen über verschiedene Apps hinweg ausführen können. Dass Apple bei einem solchen Zugriff auf Datenschutz und Sicherheit verweist, kann ich durchaus nachvollziehen.
Wer in diesem konkreten Streit am Ende den besseren Weg hat, möchte ich gar nicht entscheiden. Mich beschäftigt viel mehr, ob die Grundlage dieser ganzen Regulierung technisch nicht gerade schneller altert, als wir Gesetze und Regeln anpassen können. Das Schaubild der EU zu den Gatekeepern zeigt eigentlich ganz gut, wie wir die digitale Welt heute einteilen: iOS, iPadOS und Android sind Betriebssysteme, App Store und Google Play Vermittlungsdienste, Safari und Chrome Browser. Alles hat seine Schublade. Nur beginnen diese Schubladen gerade langsam ineinander überzugehen.
Besonders spannend finde ich dabei, was Google derzeit mit Android macht. Ich glaube, vielen ist noch gar nicht bewusst, wie weit diese Entwicklung inzwischen geht. Google spricht selbst davon, Android von einem klassischen „Operating System“ zu einem „Intelligence System“ weiterzuentwickeln. Gemini soll also nicht einfach nur eine weitere KI-App sein, sondern immer stärker zu der intelligenten Ebene werden, über die man mit dem gesamten Gerät arbeitet.
Und das ist längst nicht mehr nur Zukunftsmusik. Gemini kann bereits Aufgaben über mehrere Apps hinweg übernehmen. Mit „Create My Widget“ beschreibt der Nutzer einfach, was er auf seinem Startbildschirm haben möchte, und Gemini erstellt daraus ein individuelles funktionierendes Widget. Noch interessanter finde ich Google AI Studio. Dort kann eine KI inzwischen aus einer Beschreibung innerhalb weniger Minuten eine native Android-Anwendung erzeugen. Google hat deshalb natürlich nicht angekündigt, Apps abzuschaffen. Das sollte man auch nicht behaupten. Aber wenn sich diese Technik weiterentwickelt, verändert sie zwangsläufig die Rolle klassischer Apps.
Ich kann mir gut vorstellen, dass ich in einigen Jahren nicht mehr erst einen App Store öffne, zehn Anwendungen vergleiche, eine davon herunterlade und mich anschließend in die Bedienung einarbeite. Vielleicht sage ich meinem Gerät einfach, was ich brauche. Zum Beispiel eine Anwendung, die meinen Stromverbrauch auswertet, daraus eine Prognose erstellt und mich informiert, wenn etwas ungewöhnlich ist. Kurz darauf ist genau diese Funktion da, auf meinen Bedarf zugeschnitten. Vielleicht brauche ich sie monatelang, vielleicht nur für einen Nachmittag.
Irgendwann wird man solche Dinge womöglich gar nicht mehr bewusst als „App“ wahrnehmen. Man beschreibt nur noch das Ziel, und die KI erzeugt im Hintergrund die passende Oberfläche, Logik und Funktion. Dann verändert sich auch die Bedeutung des Betriebssystems. Es ist nicht mehr hauptsächlich eine Plattform, auf der wir Programme öffnen, sondern viel stärker der Vermittler zwischen unserem Wunsch und dem Computer. Der Nutzer sagt, was er erreichen möchte, und das System kümmert sich um den Weg dorthin.
Natürlich wird deshalb nicht morgen niemand mehr Softwareentwickler brauchen. Das wäre viel zu kurz gedacht. Aber das Berufsbild dürfte sich erheblich verändern. Das manuelle Schreiben großer Mengen Anwendungscode könnte deutlich an Bedeutung verlieren. Menschen würden dann stärker planen, Anforderungen formulieren, Architektur festlegen, Ergebnisse prüfen und Probleme lösen, während ein immer größerer Teil der eigentlichen Umsetzung von KI übernommen wird. Und ich sehe auch keinen zwingenden Grund, weshalb diese Entwicklung irgendwann bei einfachen Apps stehen bleiben sollte. Mit besseren Modellen und mehr Rechenleistung könnten daraus zunehmend komplexe Programme, individuelle Arbeitsumgebungen und irgendwann vielleicht auch Spiele entstehen, die sich viel stärker am einzelnen Nutzer orientieren.
Genau deshalb finde ich den aktuellen Streit zwischen Apple und der EU so interessant. Der DMA versucht verständlicherweise, Wettbewerb in den heutigen Plattformstrukturen sicherzustellen. Die EU schaut dabei auch keineswegs nur auf Apple. Auch Google muss konkurrierenden KI-Assistenten unter Android vergleichbare Zugänge zu wichtigen Funktionen ermöglichen. Das Thema wird also durchaus gesehen. Nur könnte die technische Entwicklung diese Kategorien schneller verändern, als wir heute denken.
Wenn Software zunehmend spontan von KI erzeugt wird, wird die heutige Trennung zwischen Betriebssystem, KI-Assistent, App, App Store, Browser und Suchmaschine immer unschärfer. Eine Anwendung, die mein persönlicher Assistent in wenigen Sekunden nur für mich erzeugt, passt nur noch schwer in das klassische Modell eines App Stores. Auch Fragen nach Entwickler, Sicherheitsprüfung, Verteilung und Zugriff konkurrierender KI-Systeme werden dadurch deutlich komplizierter. Genau dort dürfte Regulierung in Zukunft richtig anspruchsvoll werden.
Ich merke diese Veränderung schon heute an meinem eigenen Verhalten. Eine klassische Suchmaschine benutze ich privat kaum noch. Wenn ich etwas wissen möchte, nutze ich meistens ChatGPT und sehr häufig direkt den Sprachmodus über die Action-Taste meines iPhones. Diesen Knopf drücke ich an manchen Tagen zwanzig- oder dreißigmal. Früher hätte ich dafür Safari geöffnet, Google benutzt, mehrere Treffer angesehen und Informationen zusammengesucht. Heute frage ich einfach. Für mich persönlich hat eine jahrzehntelang selbstverständliche Art der Computernutzung damit bereits deutlich an Bedeutung verloren. Wenn sich bei Apps etwas Ähnliches entwickelt, wäre der Einschnitt noch wesentlich größer.
Und hier sehe ich tatsächlich eine Herausforderung für Europa, ohne deshalb gleich von einem innovationsfeindlichen Kontinent sprechen zu wollen. Diesen Vorwurf finde ich zu pauschal. Der AI Act, der DMA und viele europäische Datenschutzregeln verfolgen nachvollziehbare und teilweise sehr wichtige Ziele. Mein Problem liegt eher beim Tempo. Politische und gesetzgeberische Prozesse brauchen aus guten Gründen Zeit. Es gibt Beratungen, Folgenabschätzungen, Verhandlungen und juristische Prüfungen. Bei KI trifft dieses System aber auf eine Technik, die sich teilweise innerhalb weniger Monate deutlich verändert.
Wenn eine Anpassung von Regeln zwei oder drei Jahre dauert, während die Technik in dieser Zeit mehrere große Entwicklungsschritte macht, entsteht zwangsläufig ein Problem. Die Regulierung läuft der Realität dann immer weiter hinterher. Für uns als Privatnutzer bedeutet das vielleicht zunächst nur, dass bestimmte Funktionen anderswo früher erscheinen. Das ist ärgerlich, aber noch kein Drama. Wirtschaftlich kann es jedoch sehr viel relevanter werden.
Sollte KI tatsächlich zu einem grundlegenden Produktivitätswerkzeug für Programmierung, Forschung, Verwaltung, Konstruktion, Analyse, Kommunikation und andere Wissensarbeit werden, kann sich Europa einen dauerhaften Rückstand nur schwer leisten. Unternehmen außerhalb der EU könnten mit leistungsfähigeren Werkzeugen schneller Software erstellen, Abläufe automatisieren und ihre Mitarbeiter produktiver einsetzen. Europäische Unternehmen hätten dann möglicherweise einen Nachteil, obwohl die eigentlichen Ziele unserer Regeln vollkommen richtig gemeint waren.
Ob es tatsächlich so kommt, weiß natürlich niemand. Aber ich finde, dieses Risiko sollte in Brüssel wesentlich stärker mitgedacht werden. Eine einzelne Funktion, die sechs Monate später startet, macht wirtschaftlich kaum einen Unterschied. Wenn solche Verzögerungen allerdings über Jahre zum Muster einer ganzen technologischen Entwicklung werden, sieht die Sache anders aus.
Für mich folgt daraus auch nicht, dass Europa weniger regulieren sollte. Europa muss eher schneller, flexibler und technischer regulieren. Regeln müssen sich anpassen lassen, bevor die technische Generation, für die sie geschrieben wurden, schon wieder überholt ist.
Vielleicht wirkt der heutige Streit um Siri AI deshalb in einigen Jahren rückblickend erstaunlich klein. Heute diskutieren wir darüber, welchen Zugang konkurrierende Assistenten zu einem Betriebssystem bekommen sollen. Gleichzeitig beginnt bei Google bereits die Entwicklung hin zu einem „Intelligence System“, bei dem die Grenze zwischen KI und Betriebssystem immer weniger eindeutig wird. Genau dort dürfte die eigentliche Herausforderung liegen. Nicht darin, ob wir technischen Fortschritt regulieren – das sollten wir selbstverständlich tun. Entscheidend wird sein, ob unsere Regulierung schnell genug bleibt, um mit diesem Fortschritt Schritt zu halten.
Bro kein TLDR?
+1
zwar ein langer Text, aber gut ausgewogen auf den Punkt gebracht!
Und mit welcher KI hat er ihn erstellt?
Guter Beitrag!
Es klingt für mich, als wolle die EU dass das in einem Mercedes auch das Auto-Infotainment von BMW lauffähig sein müsse…
Der Vergleich hinkt.
Aber die EU und die USA und China und alle anderen Staaten wollen, dass importierte Autos ihren Regelungen unterliegen.
Falls unser Mercedes/BMW die Fahrzeuge nicht nach den Vorgaben der USA anpasst, dürfen sie dort nicht verkauft werden. ISt doch logisch.
Warum sollte das in der EU für die Digitalkonzerne nicht gelten?
Und wieder der unsinnige Auto Vergleich. Kommt zuverlässig jedesmal – und ist jedesmal am Thema vorbei.
Stell dir vor Mercedes und Toyota wären weltweit die einzigen Autohersteller. Infotainment, Fahrassistenzsysteme, Sitzheizung, Airbag… hast du alles mitbezahlt, kannst du aber nur gegen Abogebühr nutzen. Wärst du dann mit einem Einschreiten der EU einverstanden oder würdest du die beiden Firmen dann auch noch verteidigen?
Mir wäre neu, dass wir bei Autos ein Duopol haben.
Dies haben wir mit Android und iOS aber auf dem Smartphone-Markt.
Nein, nur dass Du nicht nur Mercedes Reifen aufziehen kannst.
Mich würde interessieren ob die Implementationen von Apple SiriAI auf Andriod Smartphones oder bei Google Pixel möglich dort müssten ja auch die Gatekeeper in der Richtung arbeiten oder….., ich sehe aber das hier alle Smartphone Hersteller vor dem gleichen Problem stehen, aber ist ja für die EU einfach DMA erst einmal in Raum zustellen ohne überhaupt zu prüfen ab hier eine technische Lösung möglich ist. Nicht gegen Offenheit aber das kann auch der Tod von Innovation sein.
Natürlich könnte Apple dann die gleichen Rechte auf Android anwenden – also Siri könnte Gemini ersetzen. Das ist keine „Lex Apple“, sondern betrifft alle !
Unabhängig davon, auf welcher Seite man steht, bzw. welche Meinung man sich gebildet hat, kann man sagen, dass DMA eine schöne Einnahmequelle ist ;-)
Es ist ja jetzt nicht gerade ein Staatsgeheimnis, dass Apple bereits vorbereitet ist, andere KIs anstelle von Siri AI zum Einsatz zu bringen. Natürlich sind diese Funktionen so ausgelegt, dass man leicht an bestimmten Punkten einspringen und die Wege, in welche das geht umlenken kann. Ist doch klar, dass Google nicht immer und ewig die Grundlage Siri AI bilden wird. Natürlich baut Apple das bereits jetzt so, dass sie es jederzeit, sobald sie soweit sind, komplett auf die eigene Basis umstellen können. Das bedeutet natürlich auch, dass auch andere konkurrierende Systeme zum Einsatz gebracht werden können. Wenn also Apple im Augenblick den Eindruck erweckt, dass sie die Anforderungen hinsichtlich DMA nicht erfüllen können, dann ist das selbstverständlich gelogen.
Die ganze DMA ist für mich nur noch albern. Die Sesselpupser in Brüssel gehen nur noch auf den Sack.
Starkes Argument!
So traurig :(
Markus
Erst mal Entschuldigung, dass ich an einem anderen Kommentar ohne Absätze geschrieben habe. Das sollte mir bei diesem Beitrag hier nicht mehr passieren, da ich aber nicht wusste, ob die Enter-Taste den Text gleich absendet, da ich hier leider noch zu wenig Kommentare geschrieben habe.
Es scheint aber dennoch kleine Ausnahmen zu geben da ich voll blind bin und daher mein iPhone mit VoiceOver benutze, ergeben sich mir hier zu Lande tolle Vorteile gegenüber der iOS 26 Version
Da ich bereits Beta Tester von iOS 27 bin, durfte ich schon vorab sowie andere Nutzer auch in meinem Umfeld von der neuen KI Bilderkennung Funktion profitieren und diese findet nicht nur lokal auf dem Gerät statt, sondern kann wahlweise auch mit einem Schalter umgestellt werden, dass eine noch präzise Bilderkennung über die Apple Server zurückgegeben werden kann. Ich weiß nicht ob es dafür Ausnahmen gibt oder ob Apple da einfach andere Möglichkeiten hat
Bei Bedienungshilfen ist aber Apple meist immer der Vorreiter, wenn es darum geht, neue Innovationen in ein Smartphone oder Mac zu packen.
Ich habe sieben Jahre lang Google Produkte die Pixel Generationen 4-10 benutzt und da gab es bei Google immer mal ganz schöne große Patzer. Bei Google heißt der Screen Reader Talk back dieser hat vor circa einem Jahr auch mit Bilderkennung beziehungsweise mit Bildschirmbeschreibung angefangen. Erst war dieses Feature ein halbes Jahr lang nur der USA vorbehalten. Dann kam aber auch das Feature in die anderen europäischen Länder. Nur mit diesem Unterschied. Zumindest war ich von diesem Back betroffen. War die Funktion mal da und mal wieder nicht. Wenn ich sie gebraucht habe, war der Eintrag im Talkback Menü einfach nicht ausführbar beziehungsweise ganz verschwunden brauchte ich die Bilderkennung beziehungsweise die Display Beschreibung jedoch nicht. So war sie ab und zu doch mal wieder im Menü auffindbar und hätte sich auch aufrufen lassen. Das habe ich bei Google nie so wirklich verstanden, dass so manche Dinge halb gar geschehen sind.
Also unabhängig davon wie sinnvoll oder sinnlos der DMA ist, lese ich daraus dass Apple 18 Monate braucht um Siri AI so zu gestalten dass es sich mit dem DMA verträgt, ergo bekommen wir innerhalb der nächsten 1,5 Jahre Siri AI.
wenn ich Apple wähle dann weiß ich um verschiedene Funktionen die leider nicht in der EU bestehen,die EU ist nun mal von gestern,die Zukunft findet nicht in Europa statt.
Ich liebe Apple auch deswegen, weil es alles selbst anbietet und wenig andere Tools nötig sind bzw. zulässt. Mercedes muss sich auch nicht für Opel-Motoren öffnen. Also EU: hört auf mit dem Sch …
Doch gibt es. Ein Hinweisfenster, der den Nutzer darauf hinweist, dass er mit der Nutzung Gefahren eingeht – wie bei „Fremdsoftware“ auf dem Mac auch bereits.
Evtl. Noch eine gesonderte Freigabe in den Einstellungen (wie eben beim Mac).
Dann wäre doch alles tutti. Dann werden noch klare Vorgaben gemacht, was das Modell können muss und tada…
Natürlich gäbe es eine Lösung. Eine sehr einfache und simple, die selbst Apple schon immer für alle privaten Daten (Fotos, Kontakte, Ortsdaten, Kamera, etc), anwendet: man fragt den Nutzer, darf App XYZ darauf zugreifen, und der Nutzer entscheidet dann einfach selbst. Das funktioniert seit Ewigkeiten und wird auch bei KI funktionieren.
Es ist schließlich nicht Apple, die für mich entscheiden können, ob ich Anbieter X vertraue, mit meinen Daten vernünftig umzugehen, wenn ich den Anbieter nutzen will, dann möchte ich das auch tun können. Und in 99,9% aller Fälle ist der Nutzer ja eh schon Nutzer dieses Anbieters.
Wenn es Apple ernsthaft darum ginge, den unmündigen User vor Datenschutz-Verstöße zu schützen, dann dürfte Apple kein Facebook, Instagram, TikTok, X und vieles mehr im AppStore zulassen. Das schert Apple aber nicht, denn diese Dienste sind keine Konkurrenz für eigene Dienste. Problem hat Apple nur dann, wenn es um potentielle Konkurrenz geht, die den Gewinn schmälern könnten (AppStores, KI etc). Daher möchte Apple diese stark beschränken, damit diese niemals attraktiver als die eigenen Dienste werden können. Das ist Apples Motivation.
Die größten Bauchschmerzen des DMA sehe ich, dass ein externer Eingriff auf der untersten Ebene des Betriebssystems (unabhängig vom betroffenen Gatekeeper) möglich ist. Eine pragmatischere Regulierung (wie z.B. in Japan) hätte meiner Ansicht nach durchaus gereicht.
Das ist auch der Hauptgrund warum Apple & Co. aus guten Gründen lobbyieren. Dass die EU – nach dem Crowdstrike-Blackout (verursacht durch ein fehlerhaftes,externes Kernel-Update) – keinerlei Anpassung durchgeführt hat, spricht dafür, dass die Kommission a.) schlecht beraten ist/wird und b.) keinerlei Expertise innerhalb Kommission vorhanden ist.