Das Ladecase wird zum Diktiergerät
Liberty 5 Pro Max im Test: In-Ears mit KI, Display-Case und Diktatfunktion
Mit den Liberty 5 Pro Max hat Soundcore sein Premium-Segment im vergangenen Monat um ein Modell erweitert, das klassische Funktionen moderner In-Ears mit zusätzlichen Produktivitätswerkzeugen verbinden soll.
Liberty 5 Pro Max: Ungewöhnliche Bauform, ungewöhnliches Case
Für 249 Euro erhältlich, positioniert der Hersteller die In-Ears deutlich oberhalb vieler Konkurrenzmodelle und auch über den AirPods Pro. Im Mittelpunkt stehen ein großes AMOLED-Display im Ladecase sowie eine integrierte Aufnahme- und Transkriptionsfunktion. Im mehrwöchigen Alltagseinsatz zeigte sich jedoch, dass nicht jede Neuerung gleichermaßen relevant ist.
Acht Mikrofone gegen Nebengeräusche
Zu den stärksten Eigenschaften zählt die aktive Geräuschunterdrückung. Soundcore setzt auf ein System mit acht Mikrofonen und einem KI-gestützten Signalprozessor, der Umgebungsgeräusche in Echtzeit analysiert. Im Alltag funktionierte dies überzeugend. Besonders auf Reisen im Flugzeug, Zug oder Bus werden störende Hintergrundgeräusche wirksam reduziert.
Die Soundcore-App bietet viele Konfigurationsmöglichkeiten an
Die Leistung bewegt sich damit in einem Bereich, der sonst häufig deutlich teureren Modellen vorbehalten ist. Wer regelmäßig unterwegs arbeitet oder pendelt, profitiert von der wirksamen Abschirmung gegenüber der Umgebung.
Auch der Transparenzmodus hinterlässt einen positiven Eindruck. Umgebungsgeräusche werden natürlich übertragen und wirken weniger künstlich als bei früheren Generationen der Soundcore-Reihe. Gespräche mit anderen Personen sind möglich, ohne die Ohrhörer herausnehmen zu müssen.
Klang gewinnt nach der Anpassung deutlich
Die Liberty 5 Pro Max setzen auf eine umfangreiche App-Anbindung mit zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten. Besonders beim Klang zahlt sich dies aus. Direkt nach dem Auspacken hinterlässt die Standardabstimmung einen eher durchschnittlichen Eindruck. Nach einer Anpassung über den Equalizer entwickelt sich das Klangbild jedoch deutlich.
Stimmen werden klar wiedergegeben, der Bass wirkt kräftig, ohne zu dominant zu sein, und auch längere Hörsessions bleiben angenehm. Im Alltag punkten die In-Ears mit einem warmen und ausgewogenen Klangcharakter. Wer bereit ist, einige Minuten in die Klangoptimierung zu investieren, erhält ein Ergebnis, das dem Preisniveau angemessen ist.
Die sogenannte HearID verbessert die Klangabstimmung deutlich
Die App bietet dafür zahlreiche Möglichkeiten. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Werkseinstellungen nicht das volle Potenzial der Kopfhörer ausschöpfen. Der erste Eindruck fällt deshalb weniger stark aus.
Guter Tragekomfort, Einsatz gewöhnungsbedürftig
Der Tragekomfort fällt positiv aus. Mehrere Ohrpassstücke und zusätzliche Flügelaufsätze erleichtern die Anpassung an unterschiedliche Ohrformen. Selbst bei mehrstündiger Nutzung auf Reisen oder während langer Arbeitstage blieben die Ohrhörer angenehm zu tragen, auch wenn das Einsetzen Anfangs gewöhnungsbedürftig ist.
Eine kleine Gummilippe hält die Liberty 5 Pro Max angenehm im Ohr fest
Praktisch ist zudem die frei konfigurierbare Touch-Steuerung direkt an den Ohrhörern. Besonders die Wischgeste zur Lautstärkeregelung erweist sich im Alltag als nützlich und funktioniert zuverlässig.
Starke Windgeräuschunterdrückung
Eine besondere Stärke der Liberty 5 Pro Max zeigt sich beim Umgang mit Windgeräuschen. Gerade beim Fahrradfahren, wo viele In-Ears an ihre Grenzen stoßen, arbeitet die Windgeräuschunterdrückung äußerst effektiv. Während bei vielen Konkurrenzmodellen bereits moderate Geschwindigkeiten deutliche Störgeräusche verursachen, bleiben diese hier über weite Strecken erstaunlich unauffällig.
Im direkten Vergleich mit den AirPods Pro fällt die Leistung sogar sichtbar besser aus. Windgeräusche werden deutlich stärker reduziert, sodass Musik, Podcasts oder Telefonate auch während der Fahrt wesentlich angenehmer wahrgenommen werden können.
Das Case dient gleichzeitig auch als „Fernbedienung“
Ganz fehlerfrei arbeitet das System allerdings nicht. Während des Testzeitraums kam es bei längeren Fahrradtouren vereinzelt zu kurzen Aussetzern der Windgeräuschunterdrückung. Bei einer etwa einstündigen Fahrt traten beispielsweise zwei Situationen auf, in denen die Filterung für rund fünf bis zehn Sekunden nahezu aussetzte. In diesen Momenten waren die Windgeräusche plötzlich wieder deutlich hörbar, bevor die Unterdrückung selbstständig erneut einsetzte. Trotz dieser gelegentlichen Schwankungen gehört die Windgeräuschreduzierung insgesamt zu den stärksten Leistungen der Liberty 5 Pro Max.
Smartes Ladecase mit KI
Das auffälligste Merkmal der Liberty 5 Pro Max ist das 1,78 Zoll große AMOLED-Display im Ladecase. Darüber lassen sich zahlreiche Funktionen direkt steuern. Dazu gehören die Anpassung der Geräuschunterdrückung, die Lautstärkeregelung, Geräteeinstellungen oder der Zugriff auf Übersetzungsfunktionen.
Zudem besitzt das Case eine integrierte KI-Aufnahmefunktion
Grundsätzlich ist diese Idee sinnvoll, da viele Einstellungen ohne Smartphone vorgenommen werden können. Die Anzeige ist hell genug und erleichtert den schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen.
Hinzu kommt der integrierte KI-Sprachrekorder. Laut Hersteller können Gespräche direkt über das Ladecase aufgezeichnet und anschließend transkribiert werden. Das Case speichert bis zu zwölf Stunden Audiomaterial und richtet sich insbesondere an Nutzer, die regelmäßig Meetings, Vorlesungen oder Interviews dokumentieren möchten.
Die Touch-Steuerung funktioniert zuverlässig
Interessant ist dabei, dass die Aufnahmefunktion unabhängig von den eigentlichen Ohrhörern arbeitet. Die Mikrofone befinden sich im Ladecase, das für die Aufnahme einfach auf einem Tisch zwischen Gesprächspartnern oder in einem Besprechungsraum platziert werden kann. Die Ohrhörer müssen dafür nicht getragen werden. Damit tritt Soundcore in direkte Konkurrenz zu spezialisierten KI-Rekordern wie den Geräten von Plaud.
Auch die KI-Transkription liefert brauchbare Ergebnisse
Für die Transkription stehen monatlich 120 Minuten ohne Zusatzkosten zur Verfügung. Wer darüber hinaus weitere Aufnahmen verschriftlichen oder KI-Zusammenfassungen nutzen möchte, benötigt allerdings ein zusätzliches Abonnement.
Wo die Pro Max ihre Schwächen zeigt
Im Alltag zeigt sich jedoch auch die größte Schwäche des Produkts. Das Ladecase fällt deutlich größer aus als bei herkömmlichen In-Ears. Für Jackentaschen stellt das kein Problem dar, in einer Hosentasche wirkt das Gehäuse jedoch oft zu dick und sperrig.
Hinzu kommt, dass die Bedienung des Touchscreens nicht immer perfekt funktioniert. Mehrfaches Wischen oder wiederholte Eingaben sind gelegentlich notwendig, bis die gewünschte Aktion ausgeführt wird. Dadurch wirkt die Bedienung weniger flüssig als erwartet.
Die Touch-Bedienung des Cases könnte etwas flüssiger sein
Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist die symmetrische Form des Cases. Nicht immer ist sofort ersichtlich, in welcher Richtung es geöffnet werden muss. Gerade unterwegs sorgt das gelegentlich für unnötige Suchbewegungen.
Umfangreiche Ausstattung mit kleinen Einschränkungen
Technisch sind die Liberty 5 Pro Max umfangreich ausgestattet. Unterstützt werden LDAC, Hi-Res Audio, Dolby Atmos, Multipoint-Verbindungen mit bis zu drei Geräten, Google Fast Pair, magnetisches Wireless Charging sowie Bluetooth 6.0. Die Ohrhörer verfügen über eine IP55-Zertifizierung, während das Ladecase nach IPX4 gegen Spritzwasser geschützt ist.
Mit Display und drahtloser Ladung fällt das Case vergleichsweise groß aus
Die Akkulaufzeit fällt insgesamt solide aus. Soundcore nennt bis zu 6,5 Stunden mit aktivierter Geräuschunterdrückung sowie bis zu 38 Stunden inklusive Ladecase. In der Praxis lagen die Werte etwas darunter. Mit aktiviertem ANC waren eher fünfeinhalb Stunden erreichbar.
Die KI-Funktionen funktionieren grundsätzlich zuverlässig, richten sich aber an eine vergleichsweise kleine Zielgruppe. Wer selten Gespräche dokumentiert oder Übersetzungsdienste nutzt, profitiert nur begrenzt vom Aufpreis gegenüber dem regulären Modell.
Preis, Zielgruppe und Einordnung
Mit einem Preis von rund 249 Euro bewegen sich die Liberty 5 Pro Max auf einem Niveau, auf dem viele Käufer automatisch auch die AirPods Pro in Betracht ziehen. Gerade für Nutzer, die sich mit dem Sitz der Apple-Ohrhörer nicht anfreunden können oder ein alternatives Bedienkonzept bevorzugen, stellen die Soundcore-Kopfhörer eine interessante Option dar.
Hinzu kommt, dass Soundcore für den aufgerufenen Preis nicht nur leistungsfähige In-Ears liefert, sondern zusätzlich ein Smart-Case mit Display, Sprachrekorder, Übersetzungsfunktionen und Transkriptionsmöglichkeiten integriert. Im Vergleich zu klassischen Premium-Kopfhörern erhält der Käufer damit einen erweiterten Funktionsumfang ohne zusätzliche Hardware.
120 Minuten Transkription gibt es kostenlos pro Monat
Offen bleibt allerdings, wie sich die Kostenstruktur rund um die KI-Funktionen langfristig entwickelt. Transkriptionen und Zusammenfassungen sind teilweise an Cloud-Dienste gebunden, und es ist derzeit nicht abschließend absehbar, welche Modelle oder Gebühren künftig für die Nutzung anfallen könnten. Auch die Soundcore-App wirkt an einigen Stellen noch nicht vollständig ausgereift und könnte bei Bedienung, Übersichtlichkeit und Funktionsintegration von weiterem Feinschliff profitieren.
Wer die zusätzlichen Produktivitätsfunktionen regelmäßig nutzt, findet in den Liberty 5 Pro Max ein ungewöhnliches Gesamtpaket. Für reine Musik- und Alltagsnutzer bleiben die AirPods Pro mit ihrer tiefen Systemintegration wohl die attraktivere Wahl.










Auf jeden Fall ein ikonisches Design. Ich denke sofort an Alien 3! :D
Habe aber auch zwei In-Ears von denen und bin damit total zufrieden. Würde immer wieder Kopfhörer von Soundcore kaufen.
Ein Display im Case ist sowas von drüber und am Ende potentiell Elektroschrott Deluxe.
Case mit Akku hält bestimmt länger als die in ears selbst. Und dann…?
Hoffentlich ziehen hier nicht andere (noch mehr) Anbieter nach.