iphone-ticker.de — Alles zum iPhone. Seit 2007. 37 338 Artikel

Wettbewerbsfeindliche Absprachen

Geheimer Spotify-Deal: Nur 4 statt 15 Prozent Umsatzbeteiligung

Artikel auf Mastodon teilen.
38 Kommentare 38

Versetzt euch kurz in die Lage eines kleinen Musik-Streaming-Dienstes: Die Deals mit den großen Musik-Labels sind unterzeichnet. Eure App ist fertig. Um richtig durchzustarten, muss der Download jetzt nur noch in die Hände der potenziellen Kunden gelangen. Um iPhone-Nutzer zu erreichen, platziert ihr eure App in Apples App Store, das Android-Lager wird über den Google Play Store versorgt.

Nach wenigen Wochen am Markt beginnt ihr euch zu wundern, wie es die Konkurrenz von Deezer, Spotify und Tidal schafft, trotz der signifikanten Umsatzbeteiligung von 15 Prozent, die Apple und Google von Streaming-Diensten verlangen, am Markt zu bestehen. Eurem Dienst fressen die 15 Prozent fast die ganze Marge weg, den Mitbewerbern scheint die Abgabe jedoch irgendwie leichter zu fallen.

Nur 4 statt 15 Prozent Umsatzbeteiligung

Ein Grund könnte sein: dass die App-Anbieter in den beiden tonangebenden Software-Kaufhäusern eben doch nicht alle gleich behandelt werden. Dies ist, spätestens seit Apples Sonder-Absprachen mit Amazons Video-Streaming-Dienst bekannt wurden, ein offenes Geheimnis.

Wie signifikant die Extrawürste ausfallen können, zeigt eine geheime Absprache zwischen Spotify und Google, die im Rahmen laufender Gerichtsverfahren ans Tageslicht gekommen ist. Statt Google die übliche Umsatzbeteiligung von 15 Prozent zu entrichten, hat Google dem skandinavischen Streaming-Dienst nur 4 Prozent der generierten Umsätze in Rechnung gestellt. Umsätze, die Spotify über das eigene Abrechnungssystem generierte, wurden gar nicht erst berücksichtigt.

Ausschlaggebend für die Sonderbehandlung sei die Popularität des Musik-Streaming-Dienstes gewesen. Hätte sich Spotify gegen die Nutzung des Play-Stores entschieden, hätten sich diese negativ auf den Absatz von Android-Geräten auswirken können.

Gute Argumente gegen Gatekeeper

Google hatte bis zuletzt versucht, die geheimen Details der Spotify-Absprache unter Verschluss zu halten, musste nun aber einräumen, dass es neben Spotify noch andere Entwickler geben würde, die als „Teil einer breiteren Partnerschaft“ möglicherweise andere Servicegebühren als allgemein üblich zu entrichten hätten.

Damit liefern Google und Spotify weitere gute Argumente gegen monolithische App Stores, die einem aktiven, fairen Wettbewerb konkurrierender Dienstleister teilweise bewusst im Weg stehen.

22. Nov 2023 um 07:31 Uhr von Nicolas Fehler gefunden?


    Zum Absenden des Formulars muss Google reCAPTCHA geladen werden.
    Google reCAPTCHA Datenschutzerklärung

    Google reCAPTCHA laden

    38 Kommentare bisher. Dieser Unterhaltung fehlt Deine Stimme.
  • Mich wundert das nicht.
    Wird bei Apple auch nicht anders sein.

  • Ach. Ach was. Die unsichtbare Hand der Marktes regelt also gar nichts, außer dem Profit der Mächtigen? Wer hätte das gedacht.
    Zum Glück werden hier in Europa wenigstens ein paar ganz ganz zaghafte Versuche unternommen (zB DSGVO, DMA), den Staat und damit das Gemeinwohl mehr bestimmen zu lassen. Bitte mehr davon.

    • Ja ich hätte am liebsten noch weitere 25 staatlich verordnete Popups die aufgehen wenn ich auf eine Website gehe…

      • Du hast es nicht verstanden Ben. Die Umsetzung liegt nicht beim Staat sondern bei den Firmen und die haben kein Interesse das du einfach, einmal alle Werbung ablehnst und dich dann nicht mehr damit rumschlagen musst. Im Gegenteil, die wollen das du am besten immer allem zustimmst. Deshalb ist das auf fast allen Seiten so scheiße umgesetzt. Wenn man sich bemühen würde könnte man das z. B. im Browser einstellen und alle würden sich das von dort holen und du müsste beim Laden gar nix mehr klicken, aber das ist von der Werbeindustrie nicht gewollt, und deshalb macht man es so schlecht wie es nur geht, damit die Nutzer sich drüber aufregen und den Staat die Schuld geben.

  • Da hat sich doch seit der Steinzeit nichts geändert!
    Absprachen sind in allen Branchen an der Tagesordnung.
    Sind sie rechtens? Sind sie fragwürdig?

    Wer weiß
    ^^

  • Bevor hier jetzt alle wieder quaken: Ein besseres Verhandlungsergebnis für seinen Betrieb auszuhandeln IST Marktwirtschaft. Alles andere ist geregelter Protektionismus. Wir wollen Riesenkonzerne, kaufen alle beim Ama…. ein und beweinen den Tante Emma Laden.

    Antworten moderated
  • Spezial deal bei Google aber apple anklagen appstore sei böse xD

  • Eigentlich ein Paradebeispiel dafür, wie Monopole den Markt verzerren und den fairen Wettbewerb untergraben. Aber hey, wer braucht schon Gleichheit, wenn man ‚breitere Partnerschaften‘ haben kann, oder? Bravo, Spotify und Google, für dieses Meisterwerk der Ungleichheit. Ihr seid wirklich Vorbilder für unfaire Geschäftspraktiken!

  • Tja, Apple mal wieder – sie zelebrieren ihren Monopolähnlichen Marktmissbrauch doch sehr gerne.

    Für alle großen und starken werden Ausnahmen geschaffen und die kleinen Entwickler drücken große Teile ihres Umsatzes an Apple ab. Man könnte meinen Tim wäre bei der Mafia in die Lehre gegangen.

  • Wundert mich, aber die Apple Fanboy Trolle mit ihrem Marktverständnis à la „Jedes Unternehmen wird ja wohl noch machen können was es will“ scheinen noch zu schlafen..

    Antworten moderated
  • „Statt Google die übliche Umsatzbeteiligung von 15 Prozent zu entrichten, hat Spotify dem skandinavischen Streaming-Dienst nur 4 Prozent der über das eigene Abrechnungssystem generierten Umsätze in Rechnung gestellt.“
    => hat Google in Rechnung gestellt, oder?

  • Was erwarten wir, dass Newcomer vom ersten Tag an dieselben Konditionen bekommen wie die umsatzstärksten Mitbewerber? Braucht man nicht ein gutes Produkt, in das man üblicherweise mit geringer Marge investiert, sich Marktanteile schafft und damit in eine bessere Verhandlungsposition bringt. Das ist doch ein ganz normaler Prozess.

  • Genau. Und deshalb brauchen wir Sideloading. Damit wir hinterher 134 AppStores haben, denen wir alle schön unsere Zahlungsinformationen bereitstellen, weil es Spotify nur in dem einen AppStore, die nächste App nur in einem anderen AppStore gibt usw. Das wird herrlich. Die Zerschlagung der Bundesligarechte hat für den Verbraucher schließlich auch nur Vorteile gebracht.

    • Kein Mensch BRAUCHT Sideloading. Und wenn sich der ganze Staub um dieses Thema gelegt hat und es möglich sein wird, werden es vermutlich nur ein Bruchteil der User und Userinnen nutzen. Und Firmen wie Spotify werden einen Teufel tun, ihre App nur in einem der kleineren Appstores anzubieten.

      Antworten moderated
    • Komisch das dieses immer wieder prophezeite Szenario unter Android nicht gibt. Warum sollte das unter iOS passieren? Die Big Player wissen, das man mit Sideloading weit weniger Kunden erreicht als im offiziellen Store.

      • Der Bruttoumsatz im App Store lag 2022 bei 86 Milliarden US-Dollar, im Play Store bei gerade einmal der Hälfte, nämlich 42,3 Milliarden US-Dollar. Und das, obwohl der Play Store deutlich mehr Apps anbietet und Android weltweit verbreiteter ist. Mich würde es also nicht überraschen, wenn genau dieses Szenario zuerst im App Store eintritt und sich dann auch auf den Play Store auswirkt.

        Ich sage ja auch nicht, dass Apple machen können soll, was sie wollen. Es gibt bestimmt noch andere regulatorische Möglichkeiten. Sideloading hingegen halte ich nicht für die richtige Lösung. Aber das ist meine persönliche Meinung.

      • @Kai
        Wie oben bereits erwähnt geht es im DMA auch um die Bezahlschnittstelle innerhalb der Gatekeeper-Stores. Wenn es hier also Bewegung gibt, gibt es noch weniger Gründe, die App auszulagern.

    • Sehe ich genauso. Dein Bundesliga Beispiel und die Situation auf den PC geben Dir auch Recht mit der Aussage.

  • „Gute Argumente gegen Gatekeeper“
    Ähm, nein. Denn erstens gibt es bei Android Sideloading, somit läuft das Argument für Sideloading damit schon komplett gegen die Wand und mit mehreren AppStores wird die „Preisabsprachen“ doch noch viel schlimmer – siehe Windows.
    Da werden von unzähligen Quellen Programme zum Download angeboten und warum gibt es bei Amaz.on wohl so oft diese rabattierten Angebote für Office? Welche Behörde will das dann noch kontrollieren, ob Spotify beim Store XY weniger zahlen muss als Deezer? Da müsste man vermutlich allein eine Kontrollbehörde mit über 1000 Mitarbeitern einrichten, von Geld, das der Staat nicht hat.

    Heute ist es noch relativ einfach, man kontrolliert Apple und Google und wenn etwas aufgedeckt wird, gibt es eine Klage. Gerade die kleinen Entwickler tun mir jetzt schon leid, die werden von allen Stores gemolken werden, bis sie freiwillig aufgeben und letztendlich werden diejenigen allein den Markt beherrschen, die auch in der Lage sind einen eigenen Store zu betreiben, das sind dann MS, Apple, Google, Facebook, Adobe und ein paar wenige Spieleanbieter.

    Und kommt mir nicht mit dem Argument, bei Windows funktioniert das doch auch. Nein, den Entwicklerboom gab es erst mit dem AppStore und dem Google Store, weil jeder kleine Entwickler genauso behandelt wurde und die gleichen Möglichkeiten hatte wie die größeren – aber das wird bald der Vergangenheit angehören.

    Antworten moderated
  • Redet mit. Seid nett zueinander!

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    ifun.de ist das dienstälteste europäische Onlineportal rund um Apples Lifestyle-Produkte.
    Wir informieren täglich über Aktuelles und Interessantes aus der Welt rund um iPhone, iPad, Mac und sonstige Dinge, die uns gefallen.
    Insgesamt haben wir 37338 Artikel in den vergangenen 6069 Tagen veröffentlicht. Und es werden täglich mehr.
    ifun.de — Love it or leave it   ·   Copyright © 2024 aketo GmbH   ·   Impressum   ·   Cookie Einstellungen   ·   Datenschutz   ·   Safari-Push aketo GmbH Powered by SysEleven