Ein Projekt von Jahrzehnten
Flucht aus China: Apples Fertiger verlassen das Land
Apple selbst bemüht sich schon länger darum, die wichtigsten Fertiger und Werke, die das Unternehmen mit Teilen und Arbeitsstrecken für die Produktion von iPhone, AirPods und Co. versorgen, global breiter aufzustellen. Statt nahezu ausschließlich in China fertigen zu lassen, sollen die Produkte zukünftig auch aus Vietnam und Indien kommen.
Die starke Abhängigkeit von einem Land, dies haben die strengen Corona-Lockdowns in China und nicht zuletzt auch der Krieg in der Ukraine noch mal sehr deutlich herausgearbeite, können im Zweifelsfall zu massiven Einschränkungen in der Fertigung und Produktionsengpässen führen. Dies kann und will sich Apple nicht leisten.
Fertiger zunehmend unter Druck
Doch nicht nur Apple bereitet sich auf zukünftige Zerwürfnisse zwischen China und den Vereinigten Staaten vor, auch mehrere Apple-Partner sollen momentan aktiv daran arbeiten Fertigungskapazitäten auch China weg zu verlegen. Der Wirtschaftsnachrichten-Dienst Bloomberg führt beispielhaft den AirPods-Produzenten GoerTek an, der nicht nur 380 Millionen US-Dollar in neue Werke in Vietnam investiert, sondern auch mit einem Standort-Abzug nach Indien liebäugeln soll.
Mit dem Aufbau der neuen Standorte reagiert GoerTek vor allem auf den Druck von Auftraggebern wie Apple, die das chinesische Fertigungsschwergewicht in den vergangenen Monaten vor allem mit einer Frage gelöchert haben sollen: „Wann könnt ihr außerhalb Chinas produzieren?“
Ein Projekt von Jahrzehnten
Laut Bloomberg sollen derzeit 9 der 10 wichtigsten Apple-Fertiger über großflächige Produktionsverlagerungen nach Indien nachdenken. Dies könnte jedoch Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Aktuellen Schätzungen zufolge, würde allein die Verlagerung von 10 Prozent der von Apple genutzten Produktionskapazitäten etwa acht Jahre in Anspruch nehmen.
Derzeit lässt Apple 98 Prozent seiner Fertigung in China abwickeln, Indien und Brasilien kümmern sich um jeweils 1 Prozent. Und die Erfahrungen, die Apple an den Standorten außerhalb Chinas sammelt, sind aktuell noch wenig befriedigend. Beispiel Indien:
[…] mangelt es […] nicht nur an Wille und Effizienz, sondern schlichtweg zum Teil auch an den Fähigkeiten der in Indien für Apple tätigen Betriebe. Beispielsweise hätte ein für die Gehäuseproduktion zuständiger Zulieferer zeitweise eine Ausschussquote von rund 50 Prozent verzeichnet und somit die geplante Liefermenge massiv unterschritten. Apple versucht die Einhaltung der anspruchsvollen eigenen Standards unter anderem dadurch zu erreichen, dass hauseigene Techniker und Designer teils über Wochen und Monate hinweg vor Ort im Einsatz sind, um die Produktionsprozesse zu überwachen.