"Doomscroll" beim Deutschlandfunk
Politik im Empfehlungsfeed: Ein Monat TikTok als Radiodoku
Ein neues Deutschlandfunk-Feature nimmt heute Abend die politische Wirkung von TikTok auf Jugendliche in den Blick. Die gut 52 Minuten lange Produktion „Doomscroll – Wie TikTok Jugendliche im Wahlkampf beeinflusst“ ist bereits vor der Ausstrahlung in der Mediathek des Senders und in der Deutschlandfunk-App verfügbar.
Im Zentrum der 52-minütigen Sendung stehen zwei 16-jährige Jugendliche aus Mecklenburg-Vorpommern, die TikTok mitten im Landtagswahlkampf frisch installieren.
Greta und Lena nutzen die App anschließend einen Monat lang fast täglich und dokumentieren, welche politischen Inhalte ihnen zwischen Tiervideos, Beauty-Beiträgen und Memes begegnen. Die Autorinnen Diana Köhler und Johanna Tirnthal verfolgen dabei vor allem die Frage, wie schnell der Empfehlungsalgorithmus auf das Verhalten der beiden reagiert und welche politischen Botschaften dadurch häufiger sichtbar werden.
Rechte Inhalte verändern den Feed
Das Experiment zeigt laut Deutschlandfunk eine deutliche Verschiebung, sobald Greta und Lena beginnen, rechte Inhalte anzuklicken. Innerhalb weniger Tage verändert sich die Zusammensetzung ihrer Feeds und politische Positionen werden zunehmend einseitig ausgespielt. Das Feature versucht damit nicht nur politische Botschaften zu dokumentieren, sondern nachvollziehbar zu machen, wie aus einzelnen Interaktionen eine immer enger zugeschnittene Auswahl entstehen kann.
Genau solche Mechanismen stehen schon länger unter Beobachtung. Die EU-Kommission hatte TikTok Anfang des Jahres wegen möglicher Verstöße gegen den Digital Services Act ins Visier genommen und dabei unter anderem endloses Scrollen, Autoplay und stark personalisierte Empfehlungen kritisiert. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband kam zuletzt zu dem Schluss, dass soziale Netzwerke weiterhin auf lange Nutzungszeiten und personalisierte Endlosfeeds optimiert sind.
Ein Monat TikTok als Radiodokumentation
„Doomscroll“ setzt diese eher abstrakte Debatte in den Alltag zweier Jugendlicher um. Statt nur einzelne Beiträge oder Wahlkampfaccounts zu betrachten, begleitet die Produktion deren Nutzung über mehrere Wochen. Damit lässt sich beobachten, wie politische Inhalte in einem Feed auftauchen, der keineswegs ausschließlich aus Politik besteht.
Deutschlandfunk verweist dabei auch auf die Bedeutung sozialer Netzwerke als Nachrichtenquelle für junge Menschen. Das Feature verbindet diese Ausgangslage mit der Frage, welchen Einfluss die algorithmische Auswahl auf politische Meinungsbildung und möglicherweise auch auf Wahlentscheidungen haben kann.

