Adressfeld könnte verschwinden
Zum App-Start: Neue Personalausweis-Generation geplant
Der klassische Personalausweis könnte künftig ohne aufgedruckte Wohnanschrift auskommen. Nach Informationen der Rheinischen Post arbeitet das Bundesinnenministerium an einer neuen Generation des Ausweisdokuments, deren Entwicklung Ende 2027 abgeschlossen sein soll. Eine endgültige Entscheidung gibt es demnach noch nicht, intern zählt der Verzicht auf das Adressfeld aber zu den wahrscheinlichen Änderungen.
Bilder: BMDS, SPRIND, Felix Adler, Governikus
Bislang steht die aktuelle Anschrift entweder direkt auf dem Ausweis oder wird nach einem Umzug per Aufkleber ergänzt. Genau dieser Aufkleber gehört zu den kleinen Verwaltungsritualen, die kaum jemand vermissen dürfte. Das Ministerium prüft nach Angaben eines Sprechers, ob das Datenfeld Anschrift und der Änderungsaufkleber im Zuge von Digitalisierung und Bürokratieabbau entfallen können.
Adresse soll digital nachweisbar bleiben
Der naheliegende Einwand bleibt: In vielen Situationen dient der Personalausweis nicht nur zum Identitätsnachweis, sondern auch als Bestätigung der Meldeadresse. Das Innenministerium verweist darauf, dass viele Abläufe inzwischen digital stattfinden und ein aufgedrucktes Adressfeld dafür nicht zwingend nötig sei. Für Fälle, in denen weiterhin ein Adressnachweis verlangt wird, sollen digitale Lösungen geprüft werden.
Bilder: BMDS, SPRIND, Felix Adler, Governikus
Damit passt die Überlegung in die breitere Arbeit an digitalen Identitäten. Die Bundesregierung bereitet ohnehin die EUDI-Wallet vor, die Ausweise und Nachweise auf dem Smartphone bündeln soll. Zuletzt hatte der Bund den Weg dafür mit dem Digitalen Identitätengesetz konkretisiert. Zum Start Anfang 2027 sollen zunächst Identifizierung und Nachweise bereitstehen. Später sollen weitere Funktionen folgen.
Auch technisch ist der Adressnachweis ohne Aufdruck kein neuer Gedanke. Würde dessen Verschwinden doch das Risiko minimieren, dass bei einem Diebstahl von Schlüssel und Ausweis die Wohnadresse direkt mitgeliefert wird.
Größeres Foto und neuer Code im Gespräch
Neben der Adresse untersucht das Innenministerium weitere Änderungen am Personalausweis. Geplant sind zusätzliche Sicherheitsmerkmale, eine verbesserte kryptografische Absicherung und eine größere Darstellung des Lichtbilds. Das Foto soll Identitätsprüfungen erleichtern, was vor allem dort relevant ist, wo weiterhin Menschen auf das Dokument schauen und nicht nur Systeme Daten vergleichen.
Ebenfalls zur Debatte steht ein Data-Matrix-Code. Dabei handelt es sich um einen zweidimensionalen Barcode, der Informationen in kleinen schwarzen und weißen Quadraten speichert. Das Format kann vergleichsweise viele Daten aufnehmen und bleibt nach Angaben des Ministeriums auch bei Beschädigungen lesbar. Welche Informationen ein solcher Code konkret enthalten könnte, ist aktuell jedoch noch unklar.
- EUDI-Wallet: Ausweis und Nachweise sollen aufs Smartphone kommen
Die neue Perso-Generation entwickelt sich damit analog zur geplanten App. Die EUDI-Wallet soll digitale Nachweise so bereitstellen, dass nur die jeweils nötigen Angaben übermittelt werden. Dieses Prinzip hatte die Bundesregierung bereits auf der offiziellen Projektseite zur EUDI-Wallet beschrieben. Wenn künftig nur bestätigt werden muss, dass eine Adresse vorliegt oder eine Person volljährig ist, muss nicht automatisch der gesamte Datensatz auf den Tisch.

