Hohe Erwartungen, hohe Schulden
Liefer-Apps: Deutsche Welle beleuchtet neue Abhängigkeiten
Die Arbeitsbedingungen von Kurierfahrern dergroßen Liefer-Apps stehen schon seit Monaten in der Kritik. Nach einer ARD-Dokumentation über prekäre Beschäftigung bei Lieferando, Wolt und Uber Eats greift ein neuer Bericht der Deutsche Welle das Thema nun erneut auf.
Im Mittelpunkt des Beitrags stehen auch diesmal Studierende aus Indien, die mit großen Erwartungen nach Deutschland kommen und stattdessen in finanzielle Abhängigkeiten und unsichere Arbeitsverhältnisse geraten.
Hohe Erwartungen, hohe Schulden
Laut dem Bericht werben private Hochschulen und Vermittlungsagenturen in Indien gezielt mit günstiger Bildung und guten Jobchancen in Deutschland. Der Zugang zu diesen Hochschulen ist vergleichsweise einfach, die Gebühren sind jedoch hoch. Hinzu kommen steigende Mieten in Städten wie Berlin. Viele Studierende reisen bereits mit Krediten an und müssen zusätzlich ein sogenanntes Sperrkonto mit knapp 12.000 Euro nachweisen. Monatlich dürfen sie davon nur einen begrenzten Betrag abheben, der oft kaum für Studiengebühren und Lebenshaltungskosten reicht.
Um ihren Alltag zu finanzieren, suchen viele nach Nebenjobs. Da qualifizierte Stellen selten sind und die erlaubte Arbeitszeit begrenzt ist, landen viele im Liefergeschäft. Der Bericht der Deutschen Welle beschreibt, wie Subunternehmer Fahrer über informelle Kanäle wie WhatsApp anwerben, teilweise bar bezahlen und Arbeitsverträge umgehen. Die Folge sind lange Arbeitszeiten, unsichere Einkommen und kaum rechtlicher Schutz.
Subunternehmer und politische Reaktionen
Ähnlich wie in der ARD-Reportage wird auch hier die Rolle von Subunternehmern kritisch beleuchtet. Große Plattformen wie Lieferando, Uber Eats oder Wolt lagern einen Teil der Arbeit aus. Dadurch werden Verantwortlichkeiten verschoben und Kontrollen erschwert. Gewerkschaften und Arbeitsrechtler sprechen von systematischen Lücken bei Steuern und Sozialabgaben, die zulasten der Beschäftigten gehen.
Bereits in der Vergangenheit haben wir auf ifun.de auf Streiks und Proteste gegen diese Strukturen hingewiesen. Politisch wird inzwischen über strengere Regeln diskutiert. Auf EU-Ebene soll die Plattformarbeitsrichtlinie mehr Klarheit schaffen. Beispiele aus Spanien zeigen, dass eine verpflichtende Festanstellung von Kurierfahrern möglich ist, allerdings auch zu veränderten Arbeitsmodellen führt.

Das beste wäre, diese ganzen Firmen zu boykottieren und dort nichts mehr zu bestellen. Man kann sich doch auch selbst bewegen und das Essen bzw. die Lebensmittel abholen.
@Littlegoaty
Du übersiehst hier (absichtlich oder unwissend) diejenigen, die sich eben NICHT zum nächsten Laden bewegen können (Alter, Krankheit, Knochenbrüche, etc.)
Wenn es mit die wären… Für die wurde früher auch schon geliefert. Aber die Masse der Bequemen sorgt für die Flut der armen Knechte, die sich zu oft rücksichtslos mit ihren Bikes auf Gehwegen durchschlagen.
Ich muss mir nicht jeden kleinen Mist liefern lassen. Selbst kochen, einkaufen, besorgen-das geht seit hundert Jahren so
Ja, da stimme Dir zu
kaufe ein „ich“
Blödsinn, viele Läden liefern direkt. Und die, die es nicht machen, werden dann eben boykottiert. Es gibt immer Möglichkeit, man muss nur kompromissbereit sein.
Als wenn diese Menschen die Zielgruppe wären. In nicht so dicht besiedelten Gegenden, wo oft mehr Ältere leben und Krankheit und Knochenbrüche genauso vorkommen …. gibt es da diese Lieferdienste auch? Oder nur da wo die „Hippen“ Leute leben.
Also ma wieder die Aufgabe der Regelung an die Kunden übertragen. Das entlastet natürlich die Zuständigen..
Wenn du dir mal die vorherigen Kommentare ansiehst: wer sollte denn zuständiger sein als du/die Besteller? Wer bestellt denn bei den Lieferdiensten und kann dafür sorgen, dass sie nicht mehr so oft genutzt werden? Jedenfalls nicht die von dir gemeinten „Zuständigen“.
Ich finde, es braucht ein Verbot, das Kerngeschäft einer Firma outzusourcen. Damit Großkonzerne die Verantwortung nicht auf kleine Subunternehmer abwälzen und ihre Hände in Unschuld waschen können. DHL, Uber, Wolt und Lieferando müssen die Fahrer direkt beschäftigen – mit allen Arbeitsschutzgesetzen, die dann greifen.
So sehe ich es auch und schon lohnt sich kein Lieferdienst mehr. Und schon ist man ein Problem los.
Von Studenten erwarte ich schon das sie sich im Vorfeld informieren und auch rechnen können.
Zu einfach, diese Sicht. Es ist immer leichter, aus Opfern Täter zu machen (oder „selber schuld“ zu rufen). Bloß nicht die Probleme angehen..
mag@apple: danke, und sehr gut formuliert.
Nur weil jemand die Hochschulreife hat oder Student*In ist, bedeutet es nicht automatisch das diese Person auch schlau und reflektiert ist, es beudeutet eben nur Hochschulreife und Student*In, nicht mehr, nicht weniger. Und unabhängig davon sollte diese Firma daran gehindert werden so auf dem Markt aufzutreten, da sollte es massive Gesetze geben. Aber da „unser Land“ die prekären Jobs braucht, wird von der Politik leider nicht entsprechend gehandelt, meist nur Wischiwaschi und sehr langsam…
Jetzt eben bei Lieferando bestellt und freue mich aufs Essen!
Kapitalismus, don’t hate the player – hate the game
Jup
Da du ja offensichtlich gerne Teil dieses Spiels sein willst … enjoy your food before hating yourself
Das ist kein Kapitalismus. Das ist pure Abzocke. Aber hey, vllt bleibt ja was in Halse stecken ;)
Nein war köstlich
Sind das Problem nicht die dubiosen NGOs /Firmen, die die Jugendlichen mit unrealistischen Versprechen nach Deutschland locken?
„Da qualifizierte Stellen selten sind und die erlaubte Arbeitszeit begrenzt ist“ Da ist die Regierung anderer Meinung und möchte noch mehr Fachkräfte bzw. Qualifizirte Menschen nach Deutschland holen… Da ist mein Verständliss am Ende, klar haben wir hier Leute die garnicht Arbeiten wollen, aber es gibt mehr als genug, die Unterbezahlt werden. Sehe ich bei uns im Betrieb- Neueinstellungen Arbeiten für 30Cent unter Mindestlohn! In Vollcontischicht -> mit Gesetzlichen 25% Zulagen!!!! Wo ist da der Anreiz Arbeiten zu gehen??? Und da spielt es keine Rolle welche Nationalität die Fachkraft hat, früher oder später landen alle im Sozialsystem. Wenn Herr Merz das jetzt wie Angekündigt noch Reformiert, wird die Kriminalitätsrate Explodieren. Meine Meinung.