Zwei Objektive, Leica-Farben, abnehmbares Display
Insta360 Luna Ultra im Test: DJI bekommt echte Konkurrenz
Insta360 kennt man vor allem für 360-Grad- und Actionkameras. Mit der Luna Ultra wagt sich der Hersteller nun in eine Produktklasse, die bislang vor allem von DJI geprägt wurde. Statt das bekannte Pocket-Konzept lediglich nachzubauen, setzt Insta360 auf zwei Kameras, Leica-Optik und einen abnehmbaren Touchscreen.
Die Hauptkamera kombiniert ein lichtstarkes Weitwinkel mit einem 1-Zoll-Sensor, hinzu kommt eine separate Telekamera. Videos sind mit bis zu 8K möglich, für die Nachbearbeitung stehen 10-Bit-I-Log und verschiedene Leica-Farbprofile bereit. Die entscheidende Frage ist aber nicht, wie viele Funktionen in das kompakte Gehäuse passen, sondern ob die Luna Ultra damit im Urlaub und Alltag tatsächlich besser und einfacher Videos liefert.
Größer als erwartet, aber durchdacht
Doch fangen wir mal beim Design an: Mit rund 233 Gramm und knapp 17 Zentimetern Höhe ist die Luna Ultra handlich, verschwindet aber nicht mehr unbemerkt in jeder Hosentasche. Mit Schutzabdeckung, Akkugriff und Mikrofon wird daraus schnell ein Paket für Jackentasche oder Rucksack. Dafür wirkt das Gehäuse sauber verarbeitet, liegt angenehm in der Hand und lässt sich nach kurzer Eingewöhnung einhändig bedienen.
Gedreht wird die Kamera über einen Joystick, die Menüs reagieren flott und erklären viele Funktionen mit kleinen Grafiken. Das erleichtert den Einstieg. Empfindlich bleibt naturgemäß der mechanische Gimbal, weshalb die Schutzabdeckung unterwegs immer auf die Kamera gehört. Wasserdicht ist die Luna Ultra ebenfalls nicht, sodass man sie, wie schon die Konkurrenz, bei feuchten Abenteuern gegen eine echte Actioncam austauschen sollte.
Die Luna Ultra hat sogar einen Schieber für den Zoom, was im Alltag sehr komfortabel ist.
Das abnehmbare Display ist mehr als Spielerei
Die eigentliche Besonderheit sitzt im Handgriff: Das 2 Zoll große OLED-Display lässt sich mitsamt Joystick, Tasten und eigenem Mikrofon vom Kameragehäuse abnehmen. Die Luna Ultra kann anschließend einige Meter entfernt aufgestellt werden, während Bildausschnitt, Tracking und Aufnahme vom Bildschirm aus kontrolliert werden. Die Verbindung reicht problemlos für Ganzkörperaufnahmen, Familienfotos oder eine kleine Szene vor einer Sehenswürdigkeit. Im Test waren Entfernungen von 10 bis 20 Meter problemlos möglich.
Damit entfällt das typische Hin und Her zwischen Kamera und Aufnahmeposition. Auch ein iPhone muss nicht erst verbunden und in der Hand gehalten werden. Gerade auf Reisen, bei Paaraufnahmen oder beim Filmen allein ist das ein echter Vorteil. Der kleine Monitor reicht zum Beurteilen des Ausschnitts aus; für die genaue Fokus- und Belichtungskontrolle bleibt die größere Vorschau in der App weiterhin angenehmer.
Zwei Objektive statt Digitalzoom
Die Hauptkamera arbeitet mit einem 1-Zoll-Sensor, Blende f/1.8 und umgerechnet 20 Millimetern Brennweite. Das ist weit genug für Selfieaufnahmen, Landschaften und Innenräume, ohne Gesichter so stark zu verzerren wie viele Actionkameras. Der Weitwinkelvorsatz aus dem Creator-Bundle bringt noch mehr Umgebung ins Bild, muss vor dem Verstauen aber abgenommen werden. Die Kamera klappt nämlich zum Schutz gegen die Gimbal-Innenseite – ähnlich wie die DJI Osmo Pocket 4.
Für Porträts, Tiere und Details wechselt die Luna Ultra auf eine separate 60-mm-Telekamera mit 1/1,3-Zoll-Sensor. Hintergründe wirken dadurch dichter, Gesichter natürlicher und kleine Motive lassen sich aus größerer Entfernung aufnehmen. Der Sprung zwischen beiden Kameras ist im Alltag deutlich nützlicher als ein gewöhnlicher Digitalzoom. Die darüber hinaus angebotenen Vergrößerungen sollte man bei gutem Licht und mit Bedacht einsetzen; der maximale Zoom bleibt eher eine Reserve.
Der Weitwinkelaufsatz wird einfach magnetisch aufgesetzt und sorgt für ein größeres Sichtfeld.
Bildqualität bei Tag und Nacht
Bei Tageslicht liefert die Luna Ultra scharfe, detailreiche und angenehm natürliche Aufnahmen. Helle Himmel und schattige Gesichter bleiben meist gleichzeitig erkennbar. 8K schafft Reserven für spätere Ausschnitte, ist im Alltag aber selten nötig: Die Dateien werden groß, die Kamera erwärmt sich schneller und der sichtbare Gewinn gegenüber gutem 4K-Material bleibt auf Smartphone, Tablet und Fernseher überschaubar. 4K mit 30 oder 60 Bildern pro Sekunde ist daher der sinnvollste Standard.
Besonders gut gefallen die Farbprofile. Leica Natural wirkt zurückhaltend und glaubwürdig, Leica Vivid erhöht Farben und Kontraste, während Leica Chrome einen markanteren, leicht nostalgischen Look erzeugt. Die Profile liefern ohne Schnittprogramm ein stimmiges Ergebnis und vermeiden den aggressiv geschärften, übersättigten Eindruck mancher Smartphonevideos. Alternativ kann man auch Dolby Vision aktivieren.
Wer selbst Hand anlegen möchte, zeichnet in 10-Bit-I-Log auf. Das flache Bild bewahrt mehr Reserven in Lichtern und Schatten und lässt sich in Final Cut Pro oder DaVinci Resolve gut anpassen. Für normale Urlaubsvideos sind die fertigen Leica-Looks meist sinnvoller. Bei wenig Licht hilft PureVideo, das Rauschen reduziert und Schatten sichtbar anhebt. Nachtaufnahmen bleiben erstaunlich sauber, bewegte Motive und die lichtschwächere Telekamera bringen das System jedoch früher an Grenzen. PureVideo und I-Log lassen sich leider nicht kombinieren.
Der Gimbal hält das Bild ruhig
Der mechanische Drei-Achsen-Gimbal gleicht Schritte, Schwenks und kleinere Stöße zuverlässig aus. Beim normalen Gehen entstehen ruhige Aufnahmen, Treppen und starkes Auf und Ab bleiben jedoch als leichte vertikale Bewegung sichtbar. Besonders bei der Telekamera zahlt sich die Stabilisierung aus.
Deep Track 5.0 verfolgt Personen, Tiere und andere Motive und hält sie auf Wunsch an unterschiedlichen Positionen im Bild. Für Selfieaufnahmen fühlt sich die Luna Ultra dadurch wie ein kleiner Kameramann an. Das Tracking bleibt auch bei seitlichen Bewegungen meist sicher, kann ein schnell verdecktes oder abrupt aus dem Bild laufendes Motiv aber verlieren. Auch der Autofokus braucht nach schnellen Entfernungswechseln gelegentlich einen Moment.
Ton, App und Nachbearbeitung
Die integrierten Mikrofone liefern verständliche Stimmen und reichen für spontane Reisevideos aus. Besonders clever ist das zusätzliche Mikrofon im abgenommenen Display: Steht die Kamera mehrere Meter entfernt, bleibt der Sprecher samt Bedieneinheit direkt am Mikrofon. Für höhere Ansprüche lassen sich zwei Sender aus Insta360s Mic-Serie direkt verbinden. Im Creator-Bundle liegt ein Mic-Pro-Sender bei, der eine zusätzliche 32-Bit-Float-Sicherheitsaufnahme speichern kann.
Zu den größten Stärken gehört die Insta360-App auf dem iPhone. Clips lassen sich drahtlos sichten, übertragen, kürzen, mit Musik versehen und exportieren. Wer wenig Zeit investieren möchte, lässt geeignete Szenen automatisch auswählen und zu einem kurzen Video zusammensetzen. Vorlagen für Reise-, Stadt- oder Fahrzeugaufnahmen erleichtern den Einstieg zusätzlich. Die Ergebnisse benötigen manchmal etwas Feinarbeit, liefern aber schnell ein brauchbares Grundgerüst. Hier zahlt sich Insta360s langjährige Erfahrung mit der Bearbeitung von Kameravideos aus.
Die Kamera hat mehrere Mikrofone direkt integriert: in der Display-Fernbedienung sowie im Gimbal. Allerdings liegt dem großen Bundle auch ein separates Mikrofon bei.
Übrigens stehen diverse Aufnahmemodi bereit. Dabei hat man die Auswahl zwischen Foto, Video, PureVideo (Nachtaufnahmen), TimeShift, TimeLaps, Zeitlupe und Panorama. Gerade Letzteres ist spannend und hier setzt Insta360 auf seine Kernkompetenz: 360-Grad-Aufnahmen. Auf Wunsch nimmt die Kamera nämlich in wenigen Sekunden mehrere Bilder auf und setzt sie zu einem 360-Grad-Bild zusammen.
Akku, Speicher und Zubehör
Im Gehäuse stehen 47 GB Speicher zur Verfügung, zusätzlich akzeptiert die Kamera microSD-Karten. Insta360 nennt bis zu vier Stunden Laufzeit, erreicht diesen Wert jedoch nur bei 1080p, ausgeschaltetem Display und deaktiviertem WLAN. Mit 4K, Tracking und aktivem Bildschirm fällt die Ausdauer deutlich kürzer aus. Für normale Ausflüge reicht sie, bei längeren Drehtagen ist der Akkugriff des Ausdauer- oder Creator-Bundles sinnvoll.
Bei längeren 8K-Aufnahmen oder hohen Bildraten wird die Luna Ultra spürbar warm. Im üblichen 4K-Betrieb bleibt das beherrschbar. Der Akku ist fest verbaut, lässt sich per USB-C aber schnell nachladen. Das Standardpaket enthält Schutzabdeckung, Windschutz, Handschlaufe und einen Griff mit Stativgewinde. Das von uns getestete Creator-Bundle ergänzt Akkugriff, Weitwinkelvorsatz, Mic-Pro-Sender und Tasche. Pluspunkt: Im Akkugriff ist ein kleines Stativ direkt integriert.
Dem Creator-Bundle liegt auch eine Tasche sowie ein Hardcase bei, die unterwegs für viel Schutz sorgen.
Fazit: Flexibilität hat ihren Preis
Die Insta360 Luna Ultra ist keine günstige und auch keine besonders robuste Immer-dabei-Kamera. Sie ist nicht wasserdicht und verlangt wegen Gimbal, Objektiven und abnehmbarem Display einen sorgfältigen Umgang. 8K und maximaler Zoom lesen sich zudem spektakulärer, als sie für typische Urlaubsaufnahmen sein müssen.
Entscheidend sind andere Qualitäten: Das abnehmbare Display macht kontrollierte Selfieaufnahmen außergewöhnlich unkompliziert. Haupt- und Telekamera liefern deutlich mehr gestalterische Freiheit als ein einzelnes Weitwinkel, die Leica-Profile überzeugen ohne Nachbearbeitung und die Insta360-App verwandelt das Material auf dem iPhone schnell in vorzeigbare Videos. Damit eignet sich die Luna Ultra nicht nur für Creator, sondern ebenso für Familien, Reisende und alle, die bessere Aufnahmen als mit dem Smartphone möchten, ohne eine Systemkamera samt Gimbal mitzunehmen.
Wie sich die DJI Osmo Pocket 4P im direkten Vergleich mit der Insta360 Luna Ultra schlägt, klären wir in einem separaten Vergleichstest.





