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Google kauft Motorola: Drei offene Fragen zur Transaktion

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Die Ankündigung am 15. August war massiv, der im Raum stehenden Übernahme-Preis ist gigantisch. Für 12,5 Milliarden Dollar will der Suchmaschinen-Riese Motorolas Mobilfunksparte übernehmen und verspricht sich damit, zumindest im offiziellen Sprachgebrauch, eine Stärkung der hauseigenen Android-Plattform. Auch 48 Stunden nach dem umgerechnet immerhin 9 Milliarden Euro schweren Deal lässt sich Googles Strategie nur schwer einschätzen. Drei Punkte zum Grübeln:

Warum keine Lizenzierung? Google hat zwar Geld wie Sand am Meer, doch auch der Online-Platzhirsch bezahlt 12,5 Milliarden Dollar nicht eben aus der Portokasse. Mit Blick auf die vergangenen Quartalszahlen des Unternehmens, wird Google für die Übernahme letztlich eine Summe abdrücken, die dem Reingewinn von knapp zwei Geschäftsjahren entspricht.

Sollte es Google wirklich nur um das von Motorola gehaltene Patent-Portfolio (immerhin gut 17.000 geschützte Ideen, die zur Verteidigung gegen kommende Patent-Klagen genutzt werden könnten) gegangen sein – eine der populärsten Argumentation zum Kauf – darf man sich die Frage stellen, warum Google nicht den Weg der Lizenzierung gegangen ist und sich das Nutzungsrecht der Patente für einen wesentlich kleineren Betrag pachtet.

Warum die Hast? Die Kauf-Verhandlungen zwischen Google und Motorola starteten nur etwas mehr als einen Monat vor der offiziellen Pressemitteilung zur Übernahme und sollen fast ausschließlich zwischen Googles CEO Larry Page und Motorolas CEO Sanjay Jha stattgefunden haben. Sollte der Deal – kartellrechtliche Einsprüche sind nicht unwahrscheinlich – nicht über die Bühne gehen, hat Google sich zu einer Strafzahlung von 2,5 Milliarden Dollar an Motorola verpflichtet. 2,5 Milliarden für nichts.

Warum kein eigenes Google-Phone? Um wettbewerbsrechtlich auf der sicheren Seite zu stehen, will Google sich Motorola nicht einverleiben sondern als eigenständiges Unternehmen fortführen. Ein Versprechen, das sich wie ein Zugeständnis an die Android-Partner HTC und Samsung liest. “Wir machen euch keine Konkurrenz. Wir bauen kein eigenes Telefon”. Warum nicht? Wie Apple könnte auch Google das Android Eco-System so vom Gerät bis zum Betriebssystem aus einer Hand bedienen. Ideen?

Diskussion 36 Kommentare.
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  1. Die Google Aktie wurde von S&P nach Bekanntwerden des geplanten Deals auch von “Kaufen” auf “Verkaufen” herabgestuft.

    — Richie
    • Das die Börse inzwischen so kurzfristig agiert ist ein wesentlicher Bestandteil unserer heutigen Wirtschaftsprobleme. :(

      Das sich Google auf Dauer nicht von irgendwelchen Patenttrollen auf der Nase rumtanzen will, dürfte selbst sehr schlichten Menschen klar sein. Hinzu kommt, dass Google sich damit von einen Softwareproduzenten nun jederzeit zu einem “alles aus einer Hand” Systemprovider umstellen kann, ist langfristig ein extremer Vorteil und macht sie sehr flexibel.

      Es stärkt die Android Plattform ungemein, das Wort von Google hat nun viel mehr Gewicht.

      Um billigschrott Hersteller wie HTC einhalt zu gebieten, die nur die schnelle Mark suchen, braucht man jetzt nicht mehr die Version einfach zurück zu halten – eine einfache Drohung, das man es SELBER macht, sollte den Billigheimern nun den Schreck einjagen, der seit langer Zeit nötig war.

      Sehr gut insgesamt, damit wird Android erwachsen und kann wahrscheinlich das übelste Problem (Wegwerf-Hardware, deren Software nie aktualisiert wird), elegant loswerden.

      Und wenn “die” nicht wollen, auch kein Thema, dann macht es es Googlola – wird auch Zeit, bei Apple stagniert es an allen Orten.

      — Clemens Benden
      • Sehr haltlose Behauptungen, die du da in den Raum wirfst…
        Ich wüsste nicht, wieso HTC ein “billigschrott Hersteller” (mal ganz von der grammatikalischen Fehlerhaftigkeit des “Deppenleerzeichens” abgesehen) sein sollte. Gerade HTC besticht fast durchweg durch Verwendung hochwertiger Materialien. Was Haptik und Qualitätseindruck der Hardware angeht, so macht sich doch Samsung viel leichter angreifbar, wenn ich mir deren Akkudeckel selbst bei Topmodellen zu Gemüte führ.
        HTC hat übrigens in den letzten 10 Jahren sehr systematisch und langfristig orientiert am Aufbau der eigenen Marke gearbeitet. So wurde aus dem Auftragsfertiger für Palm und HP einer der größten Smartphonehersteller der Welt, dessen Sense-Oberfläche zu Recht zu den besten Android-Oberflächen gehört. Wobei sich natürlich fragt, warum ein so kurzfristig orientiertes Unternehmen eigentlich aufwändige Software entwickelt statt ein 0815-Android zu vermarkten?

        Ich hoffe, dass ich auch nicht extra erwähnen muss, dass die Vollintegration der Wertschöpfungskette sicher in der Theorie einiges bewirken kann…eine Steigerung der Flexibilität gehört jedoch selbst in der Theorie nicht dazu.

        Was hab ich vergessen? Achja, DROHEN ist z.B. etwas, was Google in der aktuellen Situation tunlichst vermeiden sollte! Sowohl Samsung als auch HTC (als Android-Stückzahlengeneratoren) sind auf mehreren Plattformen vertreten, übrigens beide gleichzeitig bei WP7, wo künftig auch Nokia für mächtig Stückzahlen sorgen wird. Wenn man hier unnötig Porzellan zerschlägt, hat man ruck zuck wichtige Partner in die Arme einer ohnehin noch unterschätzten Plattform getrieben. Dieses Marktpotential kann Googlola gar nicht alleine abschöpfen, zumal Googles Geschäftsmodell im Gegensatz zu Apple nicht auf dem Verkauf von margenträchtiger Hardware fußt, sondern auf dem möglichst breiten Einsatz seiner werbefinanzierten Dienste. Google braucht also rein prinzipiell ganz andere Marktanteile als ein Premiumnischenanbieter wie Apple.

        — SGAbi2007
  2. 1) ne lizensierung kommt auf dauer teurer. man geht heutzutage zb davon aus, dass die hersteller zwischen 5 und 12 US-$ pro gerät allein an microsoft zahlen. wenn jetzt ein anderer moto gekauft hätte, wären die patente auch weg/teuer.

    2) es waren noch andere dran. die hohe strafe zahlt google nur, wenn sie selbst abspringen. und das werden sie nicht.

    3) warum? google verdient geld durch werbung – und viel werbung wird am besten auf vielen geräten angezeigt.

    mich beschleicht das gefühl, dass geschrieben wurde, ohne lang oder auch nur kurz nachzudenken. hauptsache feste drauf.

    — philipp
    • 1) Teuerer als 12 Milliard. USD? Wohl kaum.

      2) Geld das gezahlt werden muss, wenn die Übernahme nicht zustande kommt. Unabhängig davon ob Google abspringt oder rechtliche Unwägbarkeiten das Geschäft verwässern.

      3) Naja. Die Zahlen sehen da nicht so rosig aus:

      Pointing out that Google has said it is on a $1 billion annual run-rate in mobile advertising, he estimates that the company had $850 million total mobile revenue in 2010, with Android generating about 16% of the total, or around $130 million, which would translate to $5.90 per Android user.
      http://www.forbes.com/sites/er.....s-in-2012/

      — nicolas
      • ich gebe Philip zu 1) recht. Eine Lizensierung wäre auf Dauer (!) teurer und birgt immer die risiken, dass zukünftig die Lizensverträge auslaufen bzw. durch Übernahme von Konkurenzunternehmen ggf. geändert und oder aufgehoben werden. Eine teure aber sicher notwendige Investition in die Absicherung auch zukünftig und langfristig gestärkt in die nächtsen Patentfights zu gehen. Sicher teuer, aber die Gefahr ohne Patente da zu stehen hätte das Unternehmen am Ende noch viel mehr kosten können, davon gehe ich einfach mal aus.

        — iPat
      • FALSCH!
        Zumindest zu 2)
        Die Strafzahlung wird nur fällig, wenn sich google aus eigenem Entschluss zurück zieht, nicht, wenn es aus rechtlicher Sicht zu keiner Übernahme kommt.

        — Peter
      • bei 2) muss ich Peter Recht geben. Nur falls Google selbst abspringt, müssen sie 2,5 mrd zahlen. Sollte motorola abspringen, dann beträgt die Zahlung glaube ich so um die 600 Mio.

        — mo
    • Stimme Philipp zu inkl. der beiden abschließenden Sätze. Motorola baut solide Hardware. Mit einer eigenen Hardware-Sparte per Eigenentwicklung neuzustarten wäre im Endeffekt wesentlich teurer. In den Hardware-Sektor einzusteigen und Google-Geräte nach eigenen Vorgaben herzustellen ist nur logische Konsequenz. Und ob das eine hastige Entscheidung war, vermag ich nicht zu beurteilen. Motorola hat erst am Jahresanfang das Unternehmen in Mobility (Handy) und Solutions (Geschäftskunden) aufgeteilt… würde mich nicht wundern, wenn das in weiser Voraussicht geschehen ist.

      — Burn
    • Zu Punkt 1)
      Das Problem ist nicht, dass das Lizensieren irgendwann potentiell mehr kosten könnte. Es geht einfach dadrum, dass man mit Nutzungslizenzen nicht vor Gericht gehen und andere Firmen anklagen kann.
      Google muss diese Patente selbst besitzen um damit beispielsweise Apple oder Microsoft anklagen zu können.

      — Pazuzu
      • In Zivilprozessen VERklagt man…
        ANklagen tut der Staatsanwalt…der interessiert sich aber für Straftaten…
        Aber hat eh keinen Sinn…

        — SGAbi2007
      • Njah, danke für die kleine Korrektur.
        “Google muss diese Patente selbst besitzen um damit beispielsweise Apple oder Microsoft verklagen zu können”*

        Sinn macht das schon, für den Fall das einer der Firmen Google wegen einer Patentverletzung bei Android verklagt kann Google die Firma im Gegenzug wegen einer Verletzung eines Patents von Motorola verklagen und auf eine außergerichtliche Einigung hoffen, die es beiden Parteien erlaubt das Patent des anderen zu nutzen. (Natürlich nur falls sich ein verletztes Patent findet, was bei dem Patentportfolio von Motorola möglich ist)
        Zu so einer “Gegen”klage und einer folgenden Einigung könnte es halt nicht kommen wenn Google nicht die Patente selbst besitzt, sondern nur Nutzungslizenzen.

        — Pazuzu
  3. Verstehe den Kommentar zwecks Lizenzierung nicht. Sinn und Zweck solcher Patent-Bündel ist, sich gegen andere Firmen wehren zu können, d.h. wenn Apple mit “Ihr verletzt XYZ, ich verklage euch” kommt, dann kann man mit “Wir haben aber ein Patent auf ABC und das verletzt ihr!” kontern. Hätte Google die Motorola Patente nur lizensiert dann könnten sie sie selbst nicht in diesem Sinne einsetzen.

    — Marcel K.
    • Aber die Handysparte von Motorola zu kaufen nur um sich vor Patentklagen zu schützen macht ja auch kein Sinn.
      Wie oft müsste man denn verklagt werden um dadurch einen Schaden von 12,5 Milliarden US-Dollar zu nehmen?

      Warten wir mal ab wie das sich entwickelt. Am Ende hat Google vllt etwas vor von dem bisher noch niemand etwas ahnt.

      — Gerd
      • Naja, ist ja jetzt nicht so dass die 12Mrd nach dem Kauf einfach weg wären… man bekommt dafür ja auch etwas was einen Wert hat. Im Moment genau 12Mrd an Wert ;-)

        — Marcel K.
      • Der Wert von Motorola ist ganz sicher nicht 12 Mrd.
        Google zahlt da aber schon ordentlich drauf…
        Aber sie werden sich wohl denken, dass sich das in der TZukunft noch auszahlen wird.

        — Mo
  4. Ich bin zwar schon aus dem Apple-Lager ausgetreten, lese hier aber doch immer mal vorbei. Der Artikel hier wirkt aber irgendwie lieblos hin geklatscht und nicht wirklich durchdacht. Gerade Punkt 1. Google hat im Patentkrieg kaum was entgegen zusetzen. Da bringt eine Lizensierung absolut nichts. Man will sich außerdem nicht gegen Klagen aus den “eigenen Reihen” schützen sondern gegen Firmen wie Oracle, MS und vor allem Apple.

    — Sonari
    • Apple & Co. haben schon JETZT (vorher) Mototola aus diversen urheberrechtlichen Verletzungen (ob richtig, oder nicht) verklagt – also gehe ich davon aus, das Apple sich ziemlich “sicher” ist und keine Angst hat – aber man wird sehen, am Ende wird wohl das Erfolgsmodell von Apple kopiert – alles aus einer Hand, so wie HP & WebOS und NOKIA und Microsoft ebenfalls (mehr oder weniger erfolgreich) versuchen :) Android wird sich verändern, denn Samsung & Co. werden sich das nicht gefallen – meine ich…schwierig zu sagen ob der Deal gut war bzw. ist – das wird man in den kommenden Monaten/Jahren sehen…

      — aNdEE
  5. Und weil Google sich Motorola nicht direkt einverleibt, dürfen die damit keine eigenen Geräte mehr Bauen? Natürlich kann Google Motorola doch immer noch den Auftrag geben ein Googlephone zu bauen, das System (Android) und das Bau knowhow haben sie ja jetzt zusammen. Unsere freunde mit der Frucht verdienen einen beachtlichen teil ihres ebenso beachtlichen Geldes mit Handys. Und ein Gerät, bei dem man Soft UND Hardware kontrolliert ist meistens am besten. Damit könnte man Steve das Leben im Krankenhaus ziemlich schwer machen, wenn man sieht, das Apple Probleme mit der Massenproduktion hat, so das die Qualität in letzter Zeit leidet. Meiner Meinung nach, ist Google damit inzwischen zum ausgewachsenen Apple-Konkurrenten geworden. Die könnten echt was auf dem Markt erreichen. Mit dem hohen Marktanteil von Android im Rücken….
    12,5mrd$ mag wahnsinnig viel Geld sein, aber wenn man bedenkt, was man dafür bekommt?

    — Elefantosque
  6. Google kauft sich einen Motorrolla (Motorroller).
    Die Ham echt viel Kohle! 
    Ein motorrad können sie sich zwar nicht leisten aber dafür schon was größres als ein moped

    — Benny xD

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