Mit Motorunterstützung den Berg hinauf
Hypershell X Ultra ausprobiert: Mehr Ausdauer dank Exoskelett
Wer schon einmal mit müden Beinen einen langen Anstieg bewältigen musste, dürfte sich zusätzliche Unterstützung gewünscht haben. Das Hypershell X Ultra verspricht genau das: Zwei Elektromotoren helfen beim Wandern, Laufen und Radfahren. Science-Fiction zum Anschnallen – für rund 1.800 Euro allerdings kein günstiges Vergnügen.
1.000 Watt an der Hüfte
Das Exoskelett besteht aus einem breiten Hüftgurt, zwei seitlichen Motoren und Streben aus Carbon und Titanlegierung, die an den Oberschenkeln befestigt werden. Ein Akku sitzt hinten am Gürtel. Der Rahmen wiegt rund 1,8 Kilogramm, einsatzbereit sind es etwa 2,5 Kilogramm. Ein Koffer samt zweitem Akku gehört dazu.
Das Anlegen gelingt nach kurzer Eingewöhnung problemlos. Die Motoren sollten auf Höhe der Hüftgelenke sitzen, die Beinschlaufen weder verrutschen noch einschneiden. Die Polster sind angenehm, die Kunststoffverschlüsse für diese Preisklasse allerdings recht einfach.
Hypershell nennt bis zu 1.000 Watt Spitzenleistung. Die Motoren heben beim Gehen die Oberschenkel an und entlasten so die Hüftbeuger. Selbst gehen muss man weiterhin.
Spürbare Entlastung beim Wandern
Die ersten Schritte fühlen sich ungewohnt an: Sobald man losgeht, hebt das Gestell die Oberschenkel spürbar mit an. Nach wenigen Metern findet die Steuerung den Rhythmus und vermittelt eine Art Rückenwind für die Beine.
Besonders auf längeren Strecken und bei gleichmäßigem Tempo macht sich das bemerkbar. Das Anheben der Beine kostet weniger Kraft, Steigungen und Treppen fallen leichter. Auf Wegen, auf denen man die Füße höher setzen muss, ist die Hilfe ebenfalls willkommen. Das erinnert an ein E-Bike: Man bewegt sich selbst und wird dennoch unterstützt.
Ganz ohne Grenzen funktioniert das nicht. Wer außer Atem gerät, bekommt durch motorisierte Beine keine bessere Kondition. Und bergab fällt die Hilfe deutlich geringer aus als bergauf. Gerade für die Knie wäre mehr Entlastung willkommen.
Direkt am Motor kann man zwischen den Modi wechseln.
Zwölf Bewegungsarten und ein Boost
Das X Ultra erkennt zwölf Bewegungsprofile, darunter Gehen, Laufen, Treppensteigen, Schnee, Sand und Radfahren. Die Automatik reagiert meist zuverlässig. Dazu kommen Eco, das kräftigere Hyper und „Transparent“, bei dem das Gestell nahezu ohne Motorhilfe mitläuft. Im Fitness-Modus arbeitet es sogar gegen die Bewegung.
Für besonders steile Passagen gibt es einen 30 Sekunden langen Boost. Der macht Spaß, doch bei abruptem Stoppen oder veränderter Schrittlänge führen die Motoren gelegentlich die alte Bewegung fort. Am Ende einer Treppe kann das irritieren. Wer unsicher auf den Beinen ist, sollte deshalb besonders vorsichtig sein. Hypershell bezeichnet das X Ultra daher auch ausdrücklich nicht als Medizinprodukt.
Auch beim Joggen und Radfahren?
Beim lockeren Joggen unterstützt das Gestell ebenfalls. Bei konstantem Tempo fallen die Schritte leichter, wobei die Motoren nur bis 25 km/h mitarbeiten. Spontane Richtungswechsel bleiben dagegen ungewohnt.
Beim Radfahren helfen die Motoren sogar beim Herunterdrücken der Oberschenkel. Das erleichtert das Treten, ersetzt aber kein E-Bike. Für einen stabilen Sitz empfiehlt sich der separat erhältliche AeroFlex-Hüftgurt. Ohne ihn kann sich das Gestell seitlich verschieben, sodass ein Teil der Unterstützung verpufft. Für häufige Radfahrer bleibt das E-Bike sinnvoller.
Die Apple-Watch-App ist im Alltag äußerst nützlich
iPhone-App und Apple Watch
Für die Einrichtung benötigt man die kostenlose Hypershell+-App. Sie unterstützt beim Anpassen und erlaubt die Feinjustierung der Motorleistung. Zusätzlich zeigt sie Akkustand, zurückgelegte Strecke, Schritte und Höhenmeter an. Auch die Firmware wird darüber aktualisiert.
Im Alltag muss das iPhone nicht ständig griffbereit sein. Nach dem Einrichten lässt sich die Unterstützung über einen Knopf am rechten Motor verändern. Die Tastenkombinationen erfordern aber Gewöhnung.
Sehr praktisch ist deshalb die Apple-Watch-App. Sie zeigt den Akkustand und ermöglicht es, Unterstützungsmodus und Intensität direkt am Handgelenk zu verändern. Auch die automatische Bewegungserkennung lässt sich steuern. So kann das iPhone beim Wandern in der Tasche bleiben. Eine direkte Synchronisierung mit Apple Health nennt Hypershell dagegen bislang nicht als Funktion.
Zwei Akkus für längere Touren
Zum Lieferumfang gehören zwei wechselbare Akkus mit je 5.000 mAh. Hypershell verspricht bis zu 30 Kilometer pro Akku – bei geringer Unterstützung. Bei moderater Eco-Einstellung können auch Strecken um 20 Kilometer gelingen. Im Hyper-Modus oder beim Radfahren sinkt die Ausdauer deutlich schneller.
Der Akku lässt sich unterwegs schnell wechseln. Etwas umständlicher ist das Laden: Ohne optionalen Ladehub müssen beide Akkus nacheinander über den Anschluss am Exoskelett geladen werden. Auch das Motorengeräusch kann in ruhiger Natur stören. Das nach IP54 geschützte Gehäuse ist immerhin gegen Staub und Spritzwasser geschützt.
Der praktische Transportkoffer bietet Platz für den zweiten Akku und etwas Zubehör.
Fazit: Faszinierend, aber nicht für jeden
Das Hypershell X Ultra ist mehr als eine futuristische Spielerei. Gerade beim Wandern und an Steigungen nimmt es den Beinen spürbar Arbeit ab. Bewegungserkennung, App und Apple-Watch-Steuerung überzeugen.
Weniger gefallen die gelegentlich eigenwillige Steuerung, hörbare Motoren, einfache Verschlüsse und umständliche Akkuladung. Bergab wünschen wir uns mehr Entlastung.
Regulär verlangt Hypershell 1.999 Euro für das X Ultra, im Handel gibt es immer wieder Rabatte. Aktuell ist es etwa für 1.799 Euro zu haben. Wer oft wandert und Entlastung sucht, bekommt faszinierende Technik. Für gelegentliche Spaziergänge bleibt es ein teures Gadget. Auch ein Vergleich mit dem neueren X Ultra S lohnt sich.






Jetzt wo ich langsam alt werde und die Knie schon mal zwicken beim Tennis und Badminton könnte solch ein Gerät in 5-10 Jahren gute Dienste leisten, wenn die Beine nicht mehr so wollen wie das Gehirn. Spannend was noch kommt und wohin sich das entwickelt. Vielleicht gibt es dann bald keine Rollatoren mehr und die Alten gehen aufrecht auf der Strasse. Schön wäre es ja.
Was es alles gibt… Oo
Steigert das Gerät auch die Performance beim Beischlaf? ;-)
Zur Not bleibst du einfach auf dem Rücken liegen und lässt arbeiten.
Du kannst das Gerät komplett ohne Dich ins Gefecht schicken. Happy wife, happy life.